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Franziskus besucht als erster Papst den Irak | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Ameer Al Mohammedaw

Amjad, ein irakischer Künstler malt ein Wandbild von Papst Franziskus an eine Wand vor der "Sayidat-al-Nejat Kathedrale" in Bagdad.

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    Franziskus besucht als erster Papst den Irak

    Als erstes römisches Kirchenoberhaupt reist Papst Franziskus am Freitag in den Irak, wo Christen in der Minderheit sind und die Bevölkerung noch immer unter den Folgen des Kriegs, unter Terror und Machtkämpfen rivalisierender Gruppen leidet.

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    Von
    • Markus Kaiser

    Schon allein der Wille des Papstes, in den Irak zu reisen, zeige eine Wirkung, sagt Johannes Seibel, Pressesprecher des katholischen Hilfswerks Missio. Die Reise kann zwar nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden, der päpstliche Botschafter etwa wurde positiv auf Corona getestet und kann den Pontifex nicht begleiten. "Doch selbst wenn die Reise abgesagt werden würde", findet Johannes Seibel, "hat sie jetzt schon ein wichtiges politisches Signal für die Menschen im Irak gesendet."

    Christen auf der Flucht

    Seit 2.000 Jahren leben Christen im Zweistromland, der Irak gilt damit als eine "Wiege der Christenheit". Doch seit 2003 sind neben Jesiden mehr als zwei Drittel der rund eine Million Christen ausgewandert und geflohen. Zwar finde derzeit keine Verfolgung statt, wie Seibel erläutert, doch viele vom IS vertriebene Christen hätten Probleme, in ihre ehemals besetzten Heimatorte in der Ninive-Ebene zurückzukehren - aus Angst oder weil sie nicht mehr in ihre ehemaligen Häuser zurück können.

    "Der Papst nimmt diese Situation auf, um den Christen den Rücken zu stärken", sagt Johannes Seibel. Daneben wolle Franziskus aber auch eine Botschaft an alle Bürgerinnen und Bürger senden, "dass sie durch interreligiösen Dialog, ökumenische Zusammenarbeit und Überwindung religiöser Grenzen in Versöhnung leben können."

    Missbrauch der Religion

    Neben der schlechten wirtschaftlichen Lage, leiden die Irakis unter den Machtkämpfen verschiedener Milizen, die entweder im Namen der schiitischen oder der sunnitischen Seite des Islam auftreten. "Religion wird missbraucht um politische Interessen zu realisieren", sagt der Missio-Pressesprecher. "Zwischen diesen Interessen drohen auch Christinnen und Christen zerrieben zu werden."

    Auf seiner Reise will Papst Franziskus die einstige IS-Hochburg in Mossul besuchen und auch die Stadt Karakosch, aus der die Islamisten 2014 zehntausende Christen vertrieben haben. Ein interreligiöses Treffen ist in der Stadt Ur geplant, die als Heimat des biblischen Stammvaters Abraham gilt, der von Juden, Muslimen und Christen verehrt wird.

    Eine besondere religiöse wie politische Tragweite wird dem Treffen des Papstes mit Großajatollah Ali al-Sistani zugeschrieben. Erstmals tritt ein Oberhaupt der katholischen Kirche mit der höchsten geistlichen Autorität des schiitischen Islam persönlich ins Gespräch.

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