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Frankens Hidden Champions | BR24

© Blackriver

Ein Hidden Champion aus Franken: Fingerboards aus Schwarzenbach. Blackriver ist Weltmarktführer.

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    Frankens Hidden Champions

    Nürnberg als Europäische Kulturhauptstadt 2025 ist mehr als Theater, Kunst und Literatur. Nürnberg steht in seiner Tradition auch für Industriekultur. Weltfirmen und Hidden Champions kommen aus der Metropolregion.

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    Der Markt Tettau im Landkreis Kronach. Eine kleine Gemeinde mit 2.022 Einwohnern am Fuß des Rennsteigs. Im Ortsteil Kleintettau gibt es seit bald 400 Jahren einen echten Hidden Champion – die Firma Heinz-Glas. Gehört hat kaum jemand von ihr, die Produkte hatte aber beinahe jeder schon in der Hand. Ob Odol, Kölnisch Wasser 4711, Old Spice, Nivea und wie sie alle heißen – die Glasflaschen und Flakons dafür stellt Heinz-Glas her. 1622 wurde die Firma gegründet, damals noch im thüringischen Piesau. Seit 1661 bleibt Heinz-Glas Kleintettau treu.

    Hidden Champion: Heinz-Glas aus Kleintettau

    Mittlerweile hat mit Carletta Heinz die 13. Generation das Sagen. Beraten von ihrem Vater Carl-August führt sie seit Juli dieses Jahres das Traditionsunternehmen. Eine große Aufgabe, zählt doch Heinz-Glas zu den Top 3 des Weltmarkts. Zudem: Der Klimawandel beschäftigt die Firma schon länger. Glasherstellung ist ein energieintensives Verfahren. Seit 2014 wird die Abwärme im nahe gelegenen Tropenhaus genutzt. Da wachsen nun Mangos, Papayas und viele andere exotische Früchte. Das Wasser wird in einer firmeneigenen Pflanzenkläranlage wieder aufbereitet. Die Schmelzöfen wurden von Gas auf Elektro umgebaut, gespeist von der Photovoltaikanlage auf dem Firmendach.

    Ziel: Gewinne umwelt- und sozialverträglich erwirtschaften

    Inzwischen hat Heinz-Glas auch einen eigenen Nachhaltigkeitsmanager: Thomas Eidloth. Er sorgt weltweit an den Standorten für umweltgerechtere Produktion, ob in Spanien, Russland, China, USA oder Peru: "Wir wollen nicht Gewinne erzielen, die wir dann in soziale oder ökologische Projekte stecken, sondern Gewinne gleich umwelt- und sozialverträglich erwirtschaften." Die 1.100 Mitarbeiter*innen allein in Kleintettau haben dies mittlerweile verinnerlicht. Und schicken jedes Jahr so mehr als eine Milliarde Grüße aus Oberfranken in die Welt.

    Hidden Champion: Medientechnik Salzbrenner aus Buttenheim

    Eine gute Autostunde entfernt, zwischen Bamberg und Forchheim liegt der Markt Buttenheim, bekannt für einen, der wahrlich kein Hidden Champion ist: Levi Strauss. Der Miterfinder der Jeans. Aber was die Firma Salzbrenner media herstellt, das ist große Oper. Die Staatoper Berlin, das Harbin Grand Theatre in China oder das Bolschoi-Theater – die Referenz-Liste ist eine Ansammlung von Kultur-Promi-Stätten, die Audio-, Video- und Medientechnik made in Buttenheim installiert haben. Die Firma ist in der Championsleague der Branche weltweit in der Spitzengruppe. Aber nicht nur Kulturstätten statten sie aus, sondern auch Messen, Sportstätten, Parlamente und auch religiöse Einrichtungen.

    Großauftrag aus Mekka

    Zurzeit beschäftigt ein besonderer Großauftrag die 130 Buttenheimer: die Beschallung des Pilgerorts Mekka. Täglich über eine Million gläubige Muslime pilgern zu normalen Zeiten zur Kabaa im Innenhof der Heiligen Moschee. Mehr als 100 Türme mit modernster Technik werden in einem redundanten System dort installiert. Ein Mega-Projekt, das den Salzbrenners aber keine schlaflosen Nächte bereitet, auch wenn die Aufgabe gigantisch klingt. Fränkisches Understatement? Wolfgang Salzbrenner, einer der drei Firmenchefs meint: "Vielleicht. Wir hängen das nicht an die große Glocke. Wir liefern lieber."

    Hidden Champion: Fingerboards aus Schwarzenbach

    Schwarzenbach an der Saale – hier lebte einst eine versteckte Heldin, die erst spät die ihr gebührende Anerkennung fand: Erika Fuchs, die kongeniale Übersetzerin der Disney-Comics. Seit ein paar Jahren ist ihr sogar ein eigenes Museum gewidmet. Und auf diese jungen Schwarzenbacher wäre auch Onkel Dagobert stolz: Denise Hermann und Martin Ehrenberger. Martin ist seit Kindesbeinen begeisterter Skateboarder. Und als er vor 20 Jahren mit einem kleinen Souvenir aus den USA zurückkam, änderte sich sein Leben: Als Werbegeschenk bekam er ein Mini-Skateboard. Mit Denise gründete er die Firma "Blackriver" und stellt seitdem Fingerboards her. Das sind verkleinerte Skateboards, jedoch mit der gleichen Technik: Kugellager, die Bretter aus Holz, Mehrfach-Lackierungen auch nach Kundenwünschen, griffiger Belag. Die Zulieferer kommen zu fast 100 Prozent aus der Region.

    Weltmarktführer und Weltmeisterschaften

    Die Firma wuchs – und damit auch die Produktpalette. Bald kamen Ramps, Halfpipes, Rails und Parcs dazu – wie im richtigen Leben. Die Szene wuchs, und die Schwarzenbacher reagierten: Schon 20 Weltmeisterschaften haben sie ausgerichtet – alle im Ort. Weiteste Anreise: Patagonien. "Das konnten wir am Anfang nie ahnen, weil unser Produkt war ja ganz neu, das gab es vorher nicht. Und mittlerweile sind wir Weltmarktführer", sagt Martin Ehrenberger mit spitzbübischen Grinsen. Und freut sich über die Kunden weltweit. Ein wahrer Hidden Champion – wie seine Kollegen aus Buttenheim und Kleintettau – jeder auf seine Art.