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Frankenland ist Dialektland: "Dodool villseidich!" | BR24

© BR-Studio Franken

Autor Helmut Haberkamm und Moderator David Saam

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    Frankenland ist Dialektland: "Dodool villseidich!"

    Nürnberg und die Metropolregion bergen viele sprachkulturelle Schätze: Hier ist eine Vielzahl an Dialekten beheimatet, die den Sprechenden den Zugang zu einer reizvoll bunten, blumigen Wortwelt eröffnen, wie Autor und Experte Helmut Haberkamm findet.

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    Die Metropolregion um Nürnberg erstreckt sich weit, und die Menschen sprechen dort selbstverständlich nicht alle den berühmten Nürnberger Stadtdialekt, der gespickt ist mit vielen, für Außenstehende schwierig auszusprechenden Diphtongen wie "äi" oder "ou". Der Dialektexperte und Mundartautor Helmut Haberkamm erklärt das mit der Migration vieler Arbeitsuchender in vergangenen Jahrhunderten. So sind auch viele Menschen aus der Oberpfalz in die Stadt gekommen und haben im Laufe der Zeit den Nürnberger Stadtdialekt mitgeprägt.

    Bemerkenswerte Spracheffizienz

    In der Region, die sich mit Nürnberg um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt" 2025 bewirbt, finden sich neben Oberpfälzisch unter anderem auch Mainfränkisch, Westmittelfränkisch, Nordbairisch und oberfränkische Dialekte. Im Norden beginnt es sich dann mit dem Thüringischen zu vermischen. Und überall gibt es Besonderheiten, die eine allgemeine Verständigung nicht unbedingt erleichtern, aber dafür eine Schatztruhe mit schillernden Sprachschmuckstücken prall füllen. Ein wundervolles Beispiel für Spracheffizienz findet sich zum Beispiel in Unterfranken, wo es mancherorts möglich ist, fast ausschließlich mit Vokalen zu kommunizieren, etwa wenn zwei Landwirtinnen sich unterhalten: "I ho e Ä ü." - "I ho aa e Ä ü." So wollen sie sich gegenseitig versichern, dass sie jeweils noch ein Ei übrig haben.

    Die integrative Wirkung der Mundart

    Während für manche der Dialekt ein Buch mit sieben Siegeln bleibt, sieht Helmut Haberkamm aber auch die integrative Wirkung, die er entfalten kann. So fällt Menschen, die in der Region leben und deren Muttersprache nicht das Standarddeutsche ist, der Umgang mit Mundart oftmals leichter als denjenigen, die ausschließlich mit der deutschen Standardsprache aufgewachsen sind. Der Grund dürfte die sprachliche Flexibilität sein, die sich automatisch einstellt, wenn man sich auf zweisprachigem Terrain bewegt. Aber egal, wie man sozialisiert ist, letztlich kommt es auf das individuelle Interesse an der Mundart an. Haberkamm berichtet von einem Freund namens Valentin, der aus Rumänien stammt, und der seine Emails inzwischen mit "Scheene Grieß, Wallndin" unterschreibt.

    Debberde Doldis?

    Dass Dialekt nicht ausschließlich etwas für "debberde Doldis" ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Man sieht, welch sprachliche Möglichkeiten er bietet, nicht nur einfache Dinge sehr farbenreich und ausdrucksstark zu benennen, sondern auch komplizierte Sachverhalte auf den Punkt zu bringen. Er schafft es, poetisch betörend schön zu sein. Oder kräftig derb vom Leder zu ziehen. Alles ist möglich, "no fraali"!

    Ganze Sendung im Podcast

    Fränkisch vor 7-Moderator David Saam, der selbst ein großes Faible für Dialekte besitzt und schon das Betthupferl beziehungsweise Beddhubbferla in oberfränkischer Mundart eingelesen hat, hat sich den fränkischen Mundartdichter Helmut Haberkamm als ausgewiesenen Experten ins Studio geladen.

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