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Warum Frank Elstner auch auf Youtube Frank Elstner bleibt | BR24

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Seit einem halben Jahrhundert ist Frank Elstner im Showbiz: Jetzt hat der "Wetten, dass..?"-Erfinder eine neue Show – auf Youtube. Erster Gast von "Wetten, das war's..?" ist Jan Böhmermann. Dem neuen Medium begegnet Elstner mit seinen alten Stärken.

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Warum Frank Elstner auch auf Youtube Frank Elstner bleibt

Seit einem halben Jahrhundert ist Frank Elstner im Showbiz: Jetzt hat der "Wetten, dass..?"-Erfinder eine neue Show – auf Youtube. Erster Gast von "Wetten, das war's..?" ist Jan Böhmermann. Dem neuen Medium begegnet Elstner mit seinen alten Stärken.

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Angeblich soll es Thomas Elstner, Frank Elstners Sohn, gewesen sein, der seinen Vater dazu überredete, es doch nochmal mit einem modernen Video-Format zu versuchen. Für die erste Folge wählten die Elstners den Comedian und ZDF-Moderator Jan Böhmermann als Gast. Ein Gast, der eine wesentlich jüngere Zielgruppe anspricht und für entsprechende Klicks sorgen soll. Gleich am Anfang macht Frank Elstner klar, dass er mit "Wetten, das war's..?" auf die Zielgerade einbiegt: "Heute geht's ja auch um mein Ende, denn es wird eine meiner letzten Sendungen sein." erklärt Elstner zu Beginn. Am gleichen Tag hatte er seine Parkinson-Krankheit bekannt gemacht, die man ihm auch in der Sendung manchmal anmerkt.

Lässigkeit öffneten Elstner Türen

Es ist nicht anzunehmen, dass Frank Elstner sich lange hat bitten lassen, diese – für seine Verhältnisse ziemlich konventionelle – Talk Show zu machen. Der Österreicher hat seit Anfang seiner Karriere beim Privat-Sender "Radio Luxemburg" einen Hang zur Öffentlichkeit gehabt. Und Mitte der 60er-Jahre war er einer von denen, die die gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung Popkultur als erste erkannt hatten. Lässigkeit und betont gute Laune öffneten ihm schon mit Mitte 20 viele Türen. Auch darauf kommt er im Gespräch mit Böhmermann zu sprechen: "Ich gehörte zu den Mitarbeitern, die als erste den Mut hatten, Dinge zu machen, die damals verpönt waren," so Elstner. "Ich konnte bei Radio Luxemburg machen, was ich wollte."

Auch später beim Fernsehen wurde dem Innovator Elstner viel zugetraut. Er moderierte launige Unterhaltungsformate wie "Spiel ohne Grenzen" oder "Die Montagsmaler", immer betont freundlich, ausgestattet mit einem harmlosen, niemanden überfordernden Humor. Der große Wurf gelang ihm dann in den 80er Jahren mit der Idee für "Wetten, dass..?". "Als ich die Sendung erfunden habe," erzählt Elstner im Gespräch, "habe ich sie erfunden aus einem ganz bestimmten Grund: Ich wollte, dass Otto Normalverbraucher einmal in seinem Leben ein Erlebnis hat, das so einmalig ist, dass er es nie vergessen wird. Das heißt, wir haben den Wett-Anbieter in den Mittelpunkt gestellt und nicht irgendwelche Promis, die mal mehr, mal weniger gut gelaunt sind."

Frank Elsters bestimmt gut gemeinte Idee wurde schnell in ihr Gegenteil verkehrt. Die Normalverbraucher wurden in der Geschichte von "Wetten, dass..?" allmählich zu Pausenclowns degradiert, während die Promis immer mehr zu den Hauptdarstellern wurden. 1987 übergab Elstner die Moderation an den moderneren, weil ironischeren Thomas Gottschalk. Irgendwie hatte sich Elstners Mischung aus Schwiegersohn und bravem Onkel in den 80ern überholt. Jetzt führt Elstner diese verständnisvolle, mit beflissenem Interesse ausgeführte Old-School-Unterhaltung auf Youtube fort.

Kein Mann fürs Feuilleton

Ihn in Richtung Feuilleton umzuschulen, wäre sowieso der falsche Weg gewesen, wie sich Frank Elstner in in der neuen Show erinnert: "In meiner großen Zeit von 'Wetten, dass..?' sollte ich die Fernsehsendung 'Aspekte' übernehmen. Der damalige Intendant hat gesagt: 'Wir möchten gerne, dass Sie noch ein Gegengewicht zu 'Wetten, dass..?' haben.' Und ich hab' mich mit der ganzen Abteilung dort getroffen und hab' mit denen geredet und hab' festgestellt: Ich sitze 20 Feinden gegenüber. Ein Unterhalter in der Kultursendung! Ein U-Mann, der 'ne E-Sendung macht! Das kann ja überhaupt nicht gut gehen."

Und so wurde nichts daraus. 2011 kehrte er für die Moderation der Rahmensendung zum "Eurovison Song Contest" noch einmal in die Nähe der Show-Bühne zurück – nur, um von Lena Meyer-Landruth auf ziemlich gemeine Weise lächerlich gemacht zu werden. Spätestens da muss Frank Elstner erkannt haben, dass seine Zeit vorbei ist. Jetzt, mit einer letzten Show im Netz, kann er sicher sein vor Demütigungen. Fernsehleute wie Jan Böhmermann oder auch Harald Schmidt schätzen Frank Elstner als das, was er ist: Ein Innovator aus einer vergangenen Zeit, der Goldenen Ära der Samstagabend-Unterhaltung im linearen Fernsehen.

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