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Die "Weltbestsellermaschine" wird 70 | BR24

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Starautor Ken Follett wird 70 - Porträt

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Die "Weltbestsellermaschine" wird 70

Die historischen Romane von Ken Follett werden von einem Millionenpublikum gelesen. Der Brite setzt beim Schreiben gern auf viel Dramatik, seine Kindheit in einem streng religiösen Elternhaus war dagegen oft langweilig.

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Auf keinen Fall die Leser langweilen! – Das ist Ken Folletts Maxime, wahrscheinlich, weil er sich als Kind oft selbst gelangweilt hat. Follett wuchs in einem streng religiösen Elternhaus in Wales auf. Fernsehen, Theater, Musik – das alles war verboten – mit Ausnahme christlicher Musik, aber das war nicht ganz das, was den Teenager Ken umgehauen hätte. Dann findet er heraus, dass die christliche Musik aus den USA wie Popmusik klingt. Ken kauft sich die Platten. Einige Texte kann er noch heute. Follett (singt): "This world is not my home, I'm just a passing through." Das sei einer seiner Lieblingssongs gewesen. "Das war wie Rock ’n’ Roll. Und meine Eltern wussten nicht, was sie machen sollten. Das klang wie Musik vom Teufel, handelte aber von Jesus." Es habe viel Streit gegeben, um die Frage, ob die Eltern ihm diese Musik verbieten können, erzählt Follett. "Aber diesen Kampf habe ich am Ende gewonnen."

Alles was früher verboten war – Film, Theater, Musik – liebt Ken Follett heute sehr - und natürlich Bücher. Bedeutung hat für ihn aber auch noch die Religion – irgendwie zumindest. Der Schriftsteller bezeichnet sich selbst als einen Atheisten, wenn auch einen lauen, und doch: Es zieht ihn in Gotteshäuser. Als er "Die Säulen der Erde" schrieb, sei ihm etwas klar geworden, das ihm vorher nicht bewusst war: "Ich habe gemerkt, dass mich irgendetwas an diesen Kathedralen anzieht. Und als das Buch veröffentlicht war, bin ich wieder in Kathedralen gegangen und auch zum Gottesdienst. Ich glaube nicht an Gott, aber ich will das erleben. Das ist irgendwie mystisch."

Follett beschäftigt ein Team von Historikern und Rechercheuren

Um sich fürs Schreiben zu inspirieren, geht Follett gern an historische Stätten, und er recherchiert umfangreich – oder besser: lässt recherchieren. Der Autor, der Ruhm und Reichtum wollte und nun in der Tat zu den Spitzenverdienern seiner Branche gehört, beschäftigt ein ganzes Team von Historikern, Beratern und Rechercheuren. Gearbeitet wird nach einem strengen Zeitplan und die Arbeit ist – bei aller Kreativität – sehr durchstrukturiert. Und so kommt seit seinem ersten Welterfolg, den ihm "Die Nadel" 1978 bescherte, alle zwei bis drei Jahre ein neues Werk auf den Markt, das dann auch wieder ein Millionenpublikum findet. Das war bei seinen Thrillern so, das ist bei seinen historischen Romanen so. Ken Follett wurde deshalb auch schon als "Weltbestsellermaschine" bezeichnet.

Zum Geheimnis seines Erfolgs sagt er: "In einem Roman wollen wir die Dinge durch die Augen jener sehen, die wir kennen und mögen. So dass wir, wenn die in Gefahr geraten, um sie Angst haben und wenn sie entkommen, wir ihren Triumph spüren. Und natürlich gibt es immer ein paar Leute, die sich gegenseitig retten, was zur Dramatik beiträgt."

Mindestens 50 dramatische Szenen

Ken Follett schätzt es sehr, wenn die Leserinnen und Leser seine Bücher bewerten und ihm über die sozialen Medien Feedback geben. Das sei ihm wichtiger als die Meinung eines Literaturkritikers, sagt er. Vieles von dem, was Follett tut, ist professionelles Handwerk, wie etwa der Vorsatz, dass ein Roman mindestens 50 dramatische Szenen haben muss. Am Anfang einer Geschichte aber steht häufig etwas, das ihn ganz persönlich fesselt. Bei "Das Fundament der Ewigkeit" war es ein historisches Detail: Elisabeth I., Königin von England, habe den allerersten Geheimdienst etabliert. "Der Hintergrund war, dass es sehr viele Verschwörungen gab und man sie umbringen wollte. Die Königin brauchte Schutz."

"Das Fundament der Ewigkeit" ist der dritte Teil seiner Kingsbridge-Reihe und sein bisher letztes Werk. Die Reihe soll im kommenden Jahr ihre Fortsetzung finden, allerdings wieder mit einem größeren Sprung in die Vergangenheit, in die Zeit um das Jahr 1000. Grundsätzlich sagt Follett, interessiere er sich für Epochen, in denen die Menschen für ein etwas zivilisierteres, freieres Leben gekämpft haben.

"Das Fundament der Ewigkeit" als Hörspiel gibt es hier.

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