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"Flüsterzettel": Theaterstück erzählt von geheimer BND-Liebe | BR24

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Eine Liebe in den fünfziger Jahren beim Bundesnachrichtendienst in Pullach: Geschrieben hat dieses Theaterstück der Münchner Schauspieler Burchard Dabinnus - nach geheimen Zetteln, die er im Haus seiner verstorbenen Eltern gefunden hatte.

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"Flüsterzettel": Theaterstück erzählt von geheimer BND-Liebe

Eine Liebe in den fünfziger Jahren beim Bundesnachrichtendienst (BND) in Pullach: Geschrieben hat dieses Theaterstück der Münchner Schauspieler Burchard Dabinnus – nach geheimen Zetteln, die er im Haus seiner verstorbenen Eltern gefunden hatte.

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"Woran hast Du gemerkt, dass ich verliebt in Dich bin? Ich wusste ja, dass es so kommen wird. Nur dass es so bald sein würde, das wusste ich nicht. - Mein Liebling, ich bin sehr glücklich, dass es Dich gibt. - Dass Du mir immer so viel Komplimente machst, das stimmt mich besonders glücklich. Du glaubst gar nicht, wie nötig ich das hatte. - Ich brauche schon viel Liebe und kann Dir auch viel Liebe geben. - SOS! Bitte schnell noch einen Zettel! Ich habe solche Sehnsucht danach." Zettelzitate aus dem Stück "Flüsterzettel"

In den fünfziger Jahren lernen sich zwei Menschen beim Bundesnachrichtendienst kennen, doch ihre Liebe müssen sie geheimhalten. Sie kommunizieren über kleine Zettel, die sie sich heimlich zustecken.

"Du hast mir sicher einen Gutenacht-Zettel in die Tasche gesteckt. - Herzallerliebster! Solche Küsse wie gestern Nachmittag schicke ich Dir für die Nacht! Ob sie allerdings zum Einschlafen geeignet sind, bezweifle ich, aber wenn wir zusammen sind, willst Du ja gar nicht schlafen. Du willst ja dann nur immer von Puschkin erzählen." Zettelzitate aus dem Stück "Flüsterzettel"

Zettel-Schachteln im Nachlass

Nach dem Tod seiner Eltern hat der Autor Burchard Dabinnus die Schachteln mit den Flüsterzetteln im Nachlass entdeckt.

"Das waren natürlich sehr verschiedene Gefühle. Einerseits ist das natürlich auch unter dem Thema 'Was man nie von seinen Eltern wissen wollte.' Auf der anderen Seite ist es ja etwas Rührendes, zu erfahren, dass die eigenen Eltern auch mal jung waren, was man ja so nicht direkt wahrnimmt, später sind dann die Eltern eben die Eltern. Und dass das eben mal junge Menschen waren mit ganz anderen Gefühlen und auch ganz anderen Ansichten oder Gedanken, die man später nie mehr gehört hat von ihnen." Autor Burchard Dabinnus

Kein Raum für die geheime Liebe

Kunstvoll verwebt Dabinnus die Erzählebenen: die intime Liebesgeschichte, die Gespenster von Krieg und Migration der eigenen Eltern – der Vater kommt aus Ostpreußen, die Mutter aus Schlesien – und dazwischen Einsprengsel aus der Weltpolitik des Kalten Krieges. Etwa Adenauer, wenn er staatsmännisch verkündet, es liege "allein in der Hand der Sowjetunion, den Frieden in der Welt herbeizuführen".

Verfremdet und gebrochen werden diese dokumentarischen Töne durch die Livemusik Ardhi Engls, der gleichzeitig eine Distanz und einen weiteren Zugang zu den Dokumenten schafft. Videoprojektionen zeigen Originale der Flüsterzettel. Gesprochen wird aber auch unsichtbar hinter der Bühne und durch die Stellwände, die quasi Münder und Ohren bekommen. Sie deuten in ihrer Schmucklosigkeit und Beschränktheit das Büro in Pullach an, das keinen Raum lässt für die geheime Liebe der beiden.

Keine Ahnung von der "Firma" BND

Auch später vor ihren Kindern hielten die Eltern ihre Arbeit für den BND geheim:

"Ich selber hatte keine Ahnung als Kind. Ich wusste eben immer nur: Der Vater geht in den Dienst oder er geht in die Firma. Und meine Mutter sprach aber auch immer etwas von der Firma und irgendwelchen Leuten aus der Firma. Und die Patentante Brigitte war in der Firma gewesen und der Patenonkel Hans war ja auch in der Firma. Und welche ominöse Firma das gewesen sein soll, das konnten wir uns als Kinder halt überhaupt nicht vorstellen." Autor Burchard Dabinnus

Und auch über die Vergangenheit aus dem sogenannten Dritten Reich wurde nicht viel gesprochen: nicht über die Erlebnisse des Vaters als Soldat, nicht über die jüdischen Freunde der Großeltern, die im Konzentrationslager ermordet wurden.

"Und das trägt man selber ja auch weiter mit sich. Das sind die stummen Dinge, die unausgesprochenen Dinge, die irgendwo in der Seele wohnen und wo man merkt: Da ist etwas, aber ich kann's ja gar nicht formulieren." Autor Burchard Dabinnus

Das Theaterstück von Burchard Dabinnus kann diese unausgesprochenen Dinge nicht aufarbeiten, aber es kann Anstöße geben, diese "unausgesprochenen Dinge" aufzuspüren und das Schweigen zu brechen.

"Flüsterzettel - eine geheime Liebe beim BND" wird noch bis Sonntag täglich aufgeführt im HochX Theater in der Entenbachstraße 37 (U-Bahn-Haltestelle Kolumbusplatz). Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

© Franz Kimmel

"Flüsterzettel - eine geheime Liebe beim BND" im Münchner HochX Theater: Christian Buse und Katja Amberger als Silvie und Heiko.

© Franz Kimmel

"Flüsterzettel - eine geheime Liebe beim BND" im Münchner HochX Theater: Isabell Kott als Silvie.

© Franz Kimmel

"Flüsterzettel - eine geheime Liebe beim BND" im Münchner HochX Theater: Christian Buse und Arno Friedrich als Heiko, Katja Amberger als Silvie.

© Franz Kimmel

"Flüsterzettel - eine geheime Liebe beim BND" im Münchner HochX Theater: Arno Friedrich und Isabell Kott als Silvie und Heiko.