BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Fachleute gegen Florian Pronold als Chef der Bauakademie Berlin | BR24

© Bayern 2

Der SPD-Politiker Florian Pronold soll Leiter der wiederaufgebauten Berliner Bauakademie werden. Gegen diese Personalie wenden sich nun Fachleute in einem offenen Brief. Peter Cachola Schmal, Leiter des Deutschen Architekturmuseums, erklärt warum.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Fachleute gegen Florian Pronold als Chef der Bauakademie Berlin

Der SPD-Politiker Florian Pronold soll Leiter der wiederaufgebauten Berliner Bauakademie werden. Gegen diese Personalie wenden sich nun Fachleute in einem offenen Brief. Peter Cachola Schmal, Leiter des Deutschen Architekturmuseums, erklärt warum.

Per Mail sharen

Der Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie Berlin ist eines der kulturpolitischen Prestigeprojekte in der Hauptstadt. Der in den 1830er-Jahren von Karl Friedrich Schinkel errichtete Ziegelbau, bewundert für sein Ebenmaß, soll rekonstruiert und zu einem Forum für Architektur, Bauwesen und Städtebau werden. Gegen den Beschluss einer Findungskommission, den niederbayerischen SPD-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Florian Pronold zum Gründungsdirektor der neuen Institution zu machen, protestieren renommierte Architektinnen und Architekten in einem offenen Brief an Bundesbauminister Horst Seehofer und die Mitglieder des Stiftungsrates der Bauakademie.

Vorwurf: Pronold fehlen die geforderten Qualifikationen

Unter den mehr als 530 Unterzeichnern ist auch Peter Cachola Schmal, Leiter des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt. Der Haupteinwand gegen die Personalie Pronold ist für Cachola Schmal, dass diese Berufung den für den Posten formulierten Anforderungen nicht gerecht werde: Es habe eine sehr präzise Ausschreibung gegeben, sagte Cachola Schmal in der Bayern 2-kulturWelt. Darin sei von Bewerberinnen und Bewerbern gefordert worden, dass sie ihre "Sach- und Fachkenntnis" bewiesen haben müssten: durch die Leitung eines Museums oder die Organisation von Ausstellungen, durch einen Universitätsabschluss in Kunstgeschichte oder Architektur, durch Publikationen zum Thema und einen Namen in der Architekturszene. All das könne Florian Pronold nicht bieten.

Barbara Ettinger-Brinckmann, als Präsidentin der Bundesarchitektenkammer in der Findungskommission vertreten, hat die Entscheidung für Pronold mit dem Hinweis verteidigt, er habe sich im Bundesbauministerium intensiv mit Städtebau und Architektur auseinandergesetzt und sei ein guter Netzwerker. Für die Unterzeichner des offenen Briefes sind das keine guten Argumente. Peter Cachola Schmal: "Das klingt alles gut, aber das sind nicht die Qualifikationen, die erwartet wurden, auf die sich also auch die anderen alle beworben haben. Insofern sind wir sehr unglücklich, dass gerade unsere Präsidentin der Bundesarchitektenkammer sich für diese Personalie ausspricht."

© dpa

Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt

Eine neue Institution für die Architektur-Debatte

All das ist auch deshalb so wichtig, weil es eine Stelle wie diese wohl so schnell nicht wieder geben wird – die Leitung einer neuen baukulturellen Institution des Bundes, angesiedelt in bester Lage gegenüber dem Berliner Schloss. Eine solche Akademie könne ein Zentrum der Debattenkultur zu Bauen und Architektur in Deutschland werden, so Peter Cachola Schmal. Es habe viel Streit darüber gegeben, ob die Akademie "innen und auswendig Schinkel" sein, also tatsächlich der historische Bau rekonstruiert werden solle. Für die Außenansicht ist das inzwischen positiv entschieden, für die Funktionalität im Inneren läuft die Diskussion noch. Auch für diese Diskussion ist für Cachola Schmal eine starke Gründungsdirektorin oder ein starker Gründungsdirektor unerlässlich.

Erst die jahrelangen Querelen um die Finanzierung einer Bauakademie und den Wiederaufbau des Schinkel-Baus, nun die Personalie Pronold: Für den Frankfurter Museumsleiter ist das alles "sehr unglücklich gelaufen". Cachola Schmal setzt darauf, dass der offene Brief an die Politik ein neues Verfahren zur Vergabe des Leitungspostens anstoßen könnte. Und dass die Verantwortlichen sich entscheiden, "einen Weg einzuschlagen, der die ganze Szene mitnimmt, um daraus dann tatsächlich gemeinsam ein neues Forum für Debatte und Diskurs zu Architektur und Städtebau in Berlin entstehen zu lassen."

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!