BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Fleisch essen ohne schlechtes Gewissen? | BR24

© dpa/ picture alliance

Ein Schwein im Stall.

9
Per Mail sharen

    Fleisch essen ohne schlechtes Gewissen?

    Die Balance finden, zwischen ethischer Tierhaltung und Fleisch als Lebensmittel: Das versuchen zwei Bäuerinnen und ein Metzger. Für sie ist Fleischkonsum vertretbar, wenn Tiere artgerecht gehalten, zuhause geschlachtet und komplett verwertet werden.

    9
    Per Mail sharen

    Das Tierwohl ist rund 80 Prozent der Deutschen wichtig. Viele lehnen Massentierhaltung und artfremde Haltung ab. Trotzdem: Komplett auf Fleisch verzichten ist für die meisten trotzdem keine Alternative. Die Bäuerinnen Stephanie Strotdrees und Annika Hache und der mobile Metzger Matthias Kürten versuchen eine Balance zu finden, zwischen dem Respekt vor dem Tier und Fleisch als Nahrungsmittel. Sie hinterfragen, unter welchen Umständen der der Konsum und damit das Töten von Tieren für sie ethisch vertretbar ist.

    50 Millionen Küken werden jedes Jahr in Deutschland getötet

    Stephanie Strotdrees ist Bäuerin und hat auf Zweinutzungs-Hühner umgestellt. Das bedeutet, die Hennen legen Eier und die Hähne werden zur Mast genutzt. Was sich ganz natürlich anhört, ist eine Ausnahme in der Branche. Denn die männlichen Küken dieser Hühnerrasse setzen wenig Fleisch an, weshalb die Aufzucht für viele Betriebe unrentabel ist.

    Aus diesem Grund werden in Deutschland jährlich rund 50 Millionen männliche Küken getötet. Bei Stephanie Strotdrees dürfen sie weiterleben: "Als Bäuerin produziere ich Eier und Fleisch, aber die Tiere sollen artgerecht gelebt haben" Fraglich ist, ob ihre Art der Bewirtschaftung auf Dauer rentabel ist.

    Tiere sollen dort sterben, wo sie aufgewachsen sind

    Matthias Kürten ist mobiler Metzger. Er hat große Ehrfurcht vor den Tieren. Schweine und Rinder, die in der Massentierhaltung leiden, sind für ihn eine grauenhafte Vorstellung. Mit seinem Schlacht-Anhänger kommt der 40-jährige Kölner direkt zu seinen Kunden auf den Hof. Diese halten artgerecht ein paar Schweine, Ziegen und Rinder. "Das Tier hat ein schönes Leben und stirbt dort, wo es aufgewachsen ist", sagt Matthias Kürten.

    Am Ende werden 90 Prozent des Tieres zu Fleisch und Wurst verarbeitet - von Kopf bis Schwanz. Matthias Kürten ist es wichtig, das komplette Tier zu verwerten. Er nutzt nicht nur die edlen Teile wie Lende, Kotelett und Filet, sondern auch Leber, Herz, Nieren und Kutteln. So wie früher. Eine seiner Kundinnen ist die Landwirtin Annika Hache. Sie zieht, über das Jahr verteilt, rund 20 Schweine groß. "Um Fleisch zu essen, müssen Tiere sterben", sagt sie, auch wenn es hart klingt. "Aber wenn, dann möchte ich Fleisch essen, bei dem ich weiß, wie es den Tieren ergangen ist", sagt sie. Dazu gehört für Annika auch, dass ihre Schweine dort sterben, wo sie aufgewachsen sind.

    Sie interessieren sich für Nachrichten rund um Religion, Kirche und Weltanschauungen? Dann abonnieren Sie den Newsletter von BR Religion. Jeden Freitag die besten Artikel der Woche in Ihrem E-Mail-Postfach. Hier klicken zum Abonnieren.