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"Fireball": Werner Herzog hat eine Doku über Meteoriten gedreht | BR24

© Audio: BR / Bild: Apple TV+

Werner Herzog ist für seine Doku "Fireball" um die ganze Welt gefahren und hat Orte besucht, an denen Meteoriten eingeschlagen sind.

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"Fireball": Werner Herzog hat eine Doku über Meteoriten gedreht

Überall auf der Welt finden sich Spuren von Meteoriten-Einschlägen, Werner Herzog geht in seinem neuen Film ihrer Erforschung und ihrer mythischen Bedeutung nach. Auf die große Frage: "Sind wir alle Sternenstaub?" gibt er eine erstaunliche Antwort.

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Von
  • Markus Aicher

Wolfe Creek in West Australien, ein riesiger erdbrauner Krater. Die unverkennbare raunende Stimme gehört Werner Herzog. Er ist der Erzähler, der durch den Film führt mit seinem seinen Co-Regisseur, dem Vulkanologen Clive Oppenheimer, und mit um die Welt reist. Auf der Suche nach dem Sternenstaub: von Tscheljabinsk in Sibirien nach Mekka, von der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo und dem dortigen Teleskop nach Indien, Hawaii, Arizona. Und auch ins elsässische Ensisheim, wo am 7. November 1492 ein Himmelskörper auf ein Feld herabstürzte.

Meteoriten als Botschaften der Götter

Clive Oppenheimer trifft wie bei fast allen Drehorten Wissenschaftler und Spezialisten, die die Meteoritenfunde in einen historischen, kulturellen oder religiösen Zusammenhang stellen. So etwa der britische Forscher Simon Schaffer, der einen Bezug zum damaligen römisch-deutschen König Maximilian von Österreich herstellt: "Für die Menschen damals wunderbare, übernatürliche Schauspiele am Himmel Botschaften. Das hier war, wenn man so will, eine E-Mail von Gott an Maximilians Untertanen, um ihnen zu sagen, dass seine Herrschaft rechtmäßig war, dass er seine Feinde besiegen würde und dass sie seinen Befehlen Folge leisten sollten."

Werner Herzog ist ein ewiger Aufbrechender, ein Suchender. Und so folgt man dem heute 78-Jährigen, wenn er mit heiserer Stimme Zusammenhänge herstellt, Charaktere kurz einführt oder von einem Drehort zum nächsten überleitet. Diese Erzählform kennt man aus anderen Dokumentarfilmen Herzogs, aber sie leitet einen gut durch diesen Erkenntniskosmos. Man erfährt viel über die kristallinen Zusammensetzungen von Meteoriten – und lernt einen norwegischen Jazzmusikers und Amateur-Mineralogen kennen, der auf dem Dach einer Sporthalle in Oslo kleinste kosmische Sternestaubbrösel aufsammelt: "Vor zehn Jahren, eines Morgens, ich saß draußen am Frühstückstisch, da entdeckte ich ein glänzendes schwarzes Staubkorn auf meinem Tisch. Ich hab es mit dem Finger aufgehoben und fragte mich: Wo kam das her? Stammt es vielleicht aus dem All?"

© Apple TV+

Clive Oppenheimer und Werner Herzog in "Fireball"

Sind wir alle Sternenstaub?

"Fireball“ ist weniger Wissenschaftsdoku als vielmehr eine spannende Suche rund um den Globus. Von den Totenkulten der Maya über den riesigen Meteoriteneinschlag vor der Küste Yucatáns, der vor 66 Millionen Jahren das Leben zum Erliegen brachte und die Existenz der Dinosaurier beendete. "Staub ist die Währung des Kosmos", sagt einer der Gesprächspartner, und man beginnt selbst beim Betrachten Zusammenhänge herzustellen zwischen dem schwarzen Stein der Kaaba von Mekka, Mosaikmustern in Isfahan, Riten, Mythen, der religiösen Deutung von Kometen oder der Stele in Stanley Kubricks "2001 Odysee im Weltraum".

Oder folgt im Film fasziniert den Aufnahmen, wenn Herzog und Oppenheimer zusammen mit einem süd-koreanischen Forscherteam in der ewigen weißen Eiswüste der Antarktis nach aufgeschlagenen Himmelskörpern suchen. Sternenstaub – und die Suche nach dem Sinn des Universums, der sich auch Meenakshi Wadhwa in Arizona, eine der weltweit führenden Meteoritenforscherinnen verpflichtet fühlt. Und an dieser Stelle führt Herzog einen dann ganz lässig und mit einem dramaturgischen Kniff wieder in das Hier und Jetzt zurück: "Wir sind alle Sternenstaub", sagt Meenakshi Wadhwa, "letztendlich". Das sei das einzige Mal während der gesamten Dreharbeiten dieses Films gewesen, hört man Herzog sagen, dass er nicht habe widerstehen können: "Ich musste von hinter der Kamera aus einschreiten. Ich bin kein Sternenstaub, ich bin Bayer!"

"Fireball" ist zu sehen bei AppleTV+.

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