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"Find the Sun" – esoterischer Krautrock mit Deradoorian | BR24

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Klingt seltsam entrückt: Angel Deradoorian auf ihrem neuen Album "Find the Sun"

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"Find the Sun" – esoterischer Krautrock mit Deradoorian

Als Sängerin und Bassistin der US- Band "Dirty Projectors" wurde Angel Deradoorian bekannt. Seit acht Jahren lässt sie ihren Vornamen weg und macht Musik zwischen Psychedelik und Elektronik – und gräbt dabei auch in deutschen Rocktraditionen.

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Seltsam entrückt klingt Angel Deradoorian oft auf ihrem neuen Album. Das mag an ihren Texten liegen, die fast immer von der Suche nach spiritueller Erleuchtung handeln, an ihrer engelsgleichen Stimmlage oder auch an dem vielen Hall, der häufig auf der Stimme liegt. Manchmal ist das nahe am Folk wie in dem ätherischen Song "Monk's Robe", in dem sie offenbar einen Klosteraufenthalt thematisiert. Aber viele Stücke auf Deradoorians neuem Album "Find the Sun" haben auch Jam-Charakter, sind ziemlich rhythmusorientiert und erinnern an den 1970er-Jahre-Krautrock der Kölner Band Can.

Vom Solo-Projekt zum Trio

Auf dem zweiten Longplayer der amerikanischen Singer Songwriterin ist ihr Soloprojekt zum Trio mutiert. Mit im Studio waren der Schlagzeuger & Percussionist Samer Ghadry, dem die von Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit inspirierte Rhythmik zu verdanken ist. Bassist, Percussionist und Elektroniker Dave Harrington ist durch seine Zusammenarbeit mit Elektronikspezialist Nicolas Jaar unter dem Namen Darkside bekannt. Angel Deradoorian selbst ist auf dem Album als Multiinstrumentalistin zu hören. Neben ihrem Hauptinstrument, dem Bass, spielt sie noch Gitarre, Synthesizer und gelegentlich Flöte, zum Beispiel auf dem 9-minütigen nur mit gesprochenem Text versehenem "The Illuminator".

Krautrock und Sinnsuche

Rohe Jam-Sessions und bis ins letzte auskomponierte Songs ergänzen sich auf "Find the Sun" ideal. Es ist vor allem Angel Deradoorians immer leicht verhuschte, in Hall wie in sanften Nebel gebettete Stimme, die alles zusammenhält. "Die Musik sollte klingen wie von einer Band gespielt und sie sollte nach den Räumen klingen, in denen sie aufgenommen wurde", hat sie in dem Magazin "American Songwriting" in einem Interview gesagt. "Es ist meine Version eines Krautrock-Albums. Ich hoffe, das ist mir gelungen."

Gelungen ist Angel Deradoorian auf jeden Fall ein Album, das jenseits aller derzeit angesagten Pop-Trends Fragen nach dem Sinn unseres Daseins mit Traum- und Trance-Elementen auf sehr spielerische Weise verbindet und sie so gleichzeitig sinnlich und intellektuell erfahrbar macht. Das sind esoterische Songs, zu denen man auch tanzen kann!

"Find the Sun" von Deradoorian ist als Download und auf Vinyl (Doppel-LP) bei Anti-Records / Indigo erschienen.

© ANTI- Records

Albumcover zu "Find the Sun" von Deradoorian

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