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Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot | BR24

© pa/dpa/Christoph Soeder

Ennio Morricone ist tot

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    Filmmusik-Legende Ennio Morricone ist tot

    Der Komponist Ennio Morricone ist tot. Das meldet die Zeitung Corriere della Sera unter Berufung auf die Familie. Demnach verstarb der Oscar-Preisträger im Alter von 91 Jahren in Rom. Weltberühmt ist seine Filmmusik zu "Spiel mir das Lied vom Tod".

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    Eine klagende Mundharmonika-Melodie machte Ennio Morricone weltberühmt: Sein Soundtrack zu Sergio Leones Italowestern "Spiel mir das Lied vom Tod" aus dem Jahr 1968 gehört zu den bekanntesten Filmmusiken der Kinogeschichte.

    Morricone schrieb insgesamt über 500 Filmmusiken

    Doch der studierte Musiker, der seine Laufbahn als Theaterkomponist begann, hat dem Kino weitaus mehr unvergessliche Klangkunstwerke hinterlassen. In 40 Jahren schrieb der Komponist über 500 Filmmusiken. Morricone war in seiner Karriere vielfach für den Oscar nominiert und erhielt die Auszeichnung schließlich 2016 für die Musik zum Quentin Tarantion-Western "The Hateful Eight".

    "Was wären Spaghetti-Western ohne ihn"

    Gestern Nacht ist Morricone im Alter von 91 Jahren in einer Klinik in Rom verstorben. "Risposa in pace", schreibt der deutsch-italienische Bundestagsabgeordnete Fabio de Masi (DIE LINKE) im Kurznachrichtendienst Twitter: "Was wären Spaghetti-Western ohne ihn."

    Mehr als Italowestern

    "Ich glaube schon, dass ich ein Barockmusiker bin", erzählte Morricone einmal im Interview. Um dem verblüfften Journalisten gleich darauf zu erläutern: "Ich meine im Sinne der italienisch-romanischen Tradition. Das heißt nicht, dass ich Barockmusik mache, sondern dass ich gelegentlich zu einer musikalischen Komplexität neige, die man Barockismus nennen könnte. Denn ich arbeite gerne mit großer Dichte innerhalb meiner Kompositionen."

    Meister der knappen Geste

    Aber auch das Gegenteil trifft zu: Ennio Morricone als Meister der knappen Geste, des fast werbemäßig prägnanten Musik-Kürzels. Sei es in "Zwei Glorreiche Halunken", wo er den Ruf des Kojoten musikalisch nachahmt. Oder in "Spiel mir das Lied vom Tod", dem Film, der den gebürtigen Römer und einstigen Schüler von Goffredo Petrassi an der Academia di Santa Cecilia über Nacht berühmt machte – als Filmkomponist und nicht auf jenem anderen Gebiet, auf dem er doch auch über viele Jahre einer der führenden Köpfe Italiens war: der Avantgarde.

    "Ich habe nie gesagt, dass ich unzufrieden bin, dass man mich als Filmmusiker kennt. Was mir nur leidtut ist, dass man mich nicht auch als Komponisten anderer Musik kennt." Ennio Morricone

    Verhinderter Avantgardist

    Diese andere Musik, Morricones avantgardistisches Alter Ego, geriet mit dem Beginn seiner Filmmusik-Karriere zunehmend ins Hintertreffen. Auch wenn Morricone, einst einer von Italiens führenden Provokateuren, niemals aufhörte, abseits der Leinwand zu komponieren. Aber während seine süffig-harmonische Filmmusik weltweit Triumphe feierte, reagierte das Publikum auf den Avantgardisten Morricone eher zurückhaltend. Sofern es überhaupt mit diesem Werk konfrontiert wurde, so wie im November 2003 anlässlich der Ernennung Ennio Morricones zum Ehrensenator der Münchner Musikhochschule.

    Zwischen allen Stühlen

    Auch er selbst zog stets eine Trennlinie zwischen den beiden Metiers – obwohl das eine ohne das andere kaum denkbar gewesen wäre. Denn gerade das Neben- und Ineinander von griffigen Gebrauchsmustern, nicht selten am Rande zum Kitsch, und musikalisch Unverbrauchtem, ja Unerwarteten gehört zu Morricones Markenzeichen: der Elektrobass Seite an Seite mit einem Symphonieorchester à la Bruckner; Rülpslaute und Kojotenrufe, eingebettet in barocke Sequenzierungen oder ein schnatternder Frauenchor, den er zu Blockflötenklängen und Mozarts "Kleiner Nachtmusik" montierte. Nicht zu vergessen das Schlagzeug als ein Element jener dritten Sphäre, in der Morricone aufgewachsen war: der Unterhaltungsmusik.

    Vom Schlager zum Film

    Denn schon der Vater spielte als Unterhaltungsmusiker in verschiedenen römischen Formationen, wo ihn der junge Ennio gelegentlich als Trompeter vetrat. Und bereits während seines klassischen Studiums am römischen Konservatorium Santa Cecilia betätigte sich Morricone als Schlagerkomponist und Arrangeur für Größen wie Mario Lanza, Charles Aznavour, Chet Baker oder Paul Anka. Mehr als 500 Titel entstehen in dieser Zeit und finden nicht selten ihren Weg in die Hitparaden. Seine erste Filmmusik schreibt Morricone 1961, doch sein internationaler Durchbruch auf diesem Gebiet kommt, als er für den ehemaligen Schulkameraden Sergio Leone beginnt, Italowestern zu produzieren – zuerst die beiden Streifen "Für eine Handvoll Dollar" und "Zwei glorreiche Halunken", gefolgt von "Spiel mir das Lied vom Tod", zu dem Bernardo Bertolucci das Drehbuch schrieb. Fortan war der Name Morricone, insbesondere in Deutschland, untrennbar verknüpft mit diesem Genre, wenngleich von den insgesamt über 500 Filmmusiken Morricones nicht einmal 30 das Etikett "Spaghetti-Western" tragen.

    Später Erfolg bei den Oscars

    In Hollywood war er sechsmal für den Oscar nominiert, darunter Giuseppe Tornatores "Cinema Paradiso" und Roland Joffés Historienfilm "The Mission". 2015, nach fünf erfolglosen Anläufen, erhielt er dann endlich den Academy Award für seine Musik zu Quentin Tarantinos "The Hateful Eight". Aber bereits 2007 hatte man ihm den Oscar als Auszeichnung für sein Lebenswerk verliehen. Clint Eastwood war es, der damals für das Auditorium übersetzte. Denn Morricone war und blieb bis zuletzt Römer mit Leib und Seele; einer, der sich in der verbalen Kommunikation auf seine Muttersprache beschränkte, dessen Musik aber globale Anerkennung genießt.

    Programmänderung im BR

    Zum Tod von Ennio Morricone ändert BR-KLASSIK sein Programm: Die Sendung "Klassik-Stars" am 6. Juli wird sich ab 18.05 Uhr dem großen Filmkomponisten widmen. Am 11. Juli ab 11.05. spricht Matthias Keller mit Ennio Morricone in der Sendung "Meine Musik" (Wh.). Und auch die Sendung "Cinema" am Sonntag, den 12. Juli, steht ganz im Zeichen der Erinnerung an den großen Musiker.

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