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Wie "Weitermachen Sanssouci" den deutschen Uni-Betrieb karikiert | BR24

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Filmkritik: "Weitermachen Sanssouci" von Max Linz

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Wie "Weitermachen Sanssouci" den deutschen Uni-Betrieb karikiert

Zwischen Drittmittelanträgen und Drittelstellen: Mit "Weitermachen Sanssouci" ist Regisseur Max Linz eine schräge Satire über den deutschen Uni-Betrieb gelungen. Genial gespielt von Sophie Rois und Bernd Moss – und so absurd wie die Wirklichkeit.

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Tatsächlich sei die Erde gar keine Kugel, sondern ähnle mehr einer Kartoffel, doziert im Prolog zum Film eine Stimme aus dem Off. Man könnte also sagen: Die Erde sieht gar nicht aus wie die Erde, sie ähnelt ihr nur. Der Film führt einen auf eben diese Erde. Genauer: hinein in die Absurditäten einer Berliner Universität, einer Institution, die Bildungseinrichtung sein will, vielleicht aber – nicht anders als die Erde im Ganzen – gar nicht deren ideale Gestalt annimmt, sondern sich nur den Anstrich einer Bildungseinrichtung gibt. Erkenntnisse erhofft sich hier zumindest niemand mehr. Dafür bliebe auch keine Zeit. Es gilt schließlich, den Betrieb am Laufen zu halten: Drittmittel-Antrag für Drittmittel-Antrag, Lehrauftrag für Lehrauftrag.

Zwischen Drittmitteln und Drittelstellen

Phoebe, die Protagonistin des Films, ist das, was gerade zu Hunderten durch den deutschen Unibetrieb kreucht und fleucht: eine junge Frau, die es ernst meint mit der Forschung, was sich zum Beispiel daran zeigt, dass sie die Großartigkeit ihrer Forschungsergebnisse noch nicht in den Antrag der dafür nötigen Mittel aufnehmen will. Stattdessen zieht sie es – ganz konservativ – vor, in diesem Antrag bei der Forschungsfrage und deren Dringlichkeit stehen zu bleiben. Nur kommt sie mit so einer Einstellung über die ihr angebotene 28%-Stelle nicht hinaus. Und aus Sicht jener Beraterin, die ihr im Film an die Seite gestellt wird, ist es sowieso auffallend ungeschickt, die Ergebnisse nicht schon vor der Durchführung der Forschung zu verkünden.

Mit diesen Frauen ist das Uni-Kabinett aber erst eröffnet. Hinzu kommt: Brenda Berga, die Stimme aus dem Off und Leiterin des Instituts für Kybernetik. Die Anspannung des Systems ist ihr in den Körper gefahren: Dauerhaft verkrampft sitzt, spricht und sortiert sie sich zwischen ihren Kollegen und ist doch nur halb so schlimm wie ihr Kollege. Alfons Abstract-Wege arbeitet an einer Studie über Nudging und – viel wichtiger als das – am Image der Uni. Träumt von Werbefilmchen, in denen simulierte Hologramme durch die Universität führen. "Genial!" – findet die Kollegin Berga.

Klima und Bildung, zwei implodierende Systeme

Genial ist all das nicht. Es ist erschreckend – wenn auch genial gespielt vom Professorenduo Sophie Rois und Bernd Moss. Und es ist clever konzipiert von Regisseur Max Linz, der seine Uni-Crew an der Simulation des Klimawandels arbeiten lässt und damit zwei implodierende Systeme aufeinanderprallen lässt. Linz übersetzt dabei die Frage nach Wirklichkeit und Simulation gelungen in die filmische Form – und beantwortet so nebenbei die Frage, wie er selbst es mit dem wirtschaftlichen Druck im eigenen System hält: Denn diese Komödie steht quer zu Ästhetik und Humor der wirtschaftlich erfolgreichen deutschen Filme. Linz setzt auf ein Nischenpublikum: offen für ungewöhnliche Inszenierungen und die – aller Überzeichnung zum Trotz – ganz ernst gemeinte Frage, wie es nun weitergehen soll in Sachen Klima und in Sachen Bildungssystem.

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