BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Wie "Die perfekte Kandidatin" sich nicht unterkriegen lässt | BR24

© Audio: Bayern 2 / Neue Visionen Filmverleih

Hat genug von der Macht der Männer - die Protagonistin von "Die perfekte Kandidatin"

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wie "Die perfekte Kandidatin" sich nicht unterkriegen lässt

Gleichberechtigung in Saudi-Arabien? Regisseurin Haifaa Al Mansour zeigt in ihrem Spielfilm, was das bedeutet. Die Protagonistin von "Die perfekte Kandidatin" strebt ein politisches Amt an und nimmt dafür Widerstand in ihrer Familie in Kauf.

Per Mail sharen

"Die perfekte Kandidatin" handelt von der reaktionären Gesellschaft Saudi-Arabiens. Die Ärztin Maryam lernen wir als Menschen zweiter Klasse kennen. Sie erlebt Sexismus in einer hierzulande nicht mehr vorstellbaren Form, sie möchte nicht länger Spielball einer rücksichtslos von Männern dominierten Gemeinschaft sein. Ein alter Mann möchte sich von der jungen Frau nicht behandeln lassen. Er schaut sie nicht einmal richtig an. Er verlangt nach einem richtigen Arzt. Dabei ist Maryam eine der besten Ärztinnen des Krankenhauses.

Regisseurin Haifaa al Mansour erhebt, wie ihre Hauptfigur, die Stimme gegen die Unterdrückung und patriarchalische Selbstherrlichkeit. Der Film, sagt sie im Interview, sei inspiriert von den kleinen positiven Veränderungen in ihrer Heimat. Sie spricht davon, dass sich etwas bewege. Man könne jetzt ins Theater gehen, ins Kino – und Frauen fingen an, sich zu engagieren, seien inzwischen ein wenig sichtbarer in der Öffentlichkeit. Es gebe eine neue Energie, und sie wolle ein Teil davon sein.

Eine Frau kämpft gegen das Patriarchat

Die Ärztin Maryam hat gelernt, sich durchzusetzen. Sie kämpft. Beschwert sich etwa bei der Kommunalverwaltung, weil die schadhafte Straße vor dem Krankenhaus nicht repariert wird. Daneben setzt sie alles in Bewegung, um ihren Pass zu bekommen. Sie würde gerne an einer Konferenz im Ausland teilnehmen. Den Ausweis gibt es aber nur, wenn der Vater den Antrag unterschreibt. Und der ist unterwegs. Maryam will all das nicht mehr hinnehmen – sie beschließt, sich für die nächste Kommunalwahl als Kandidatin aufstellen zu lassen.

© Neue Visionen Filmverleih

Selbstbewusst und unverhüllt: Die junge Ärztin Maryam, gespielt von Mila Al Zahrani, präsentiert sich als neue Kandidatin für den Gemeinderat

Maryam dreht einen Wahlkampf-Spot. Im Film eine Szene voll bitterer Ironie. Die Kandidatin trägt entsprechend der Kleiderordnung des Landes einen Hidschāb, einen Schleier, der nur die Augen frei lässt. Doch für das Bewerbungsvideo erscheint sogar das zu freizügig. Also bedeckt die junge Frau auch noch ihre Augen und steht nun wie eine schwarze Säule vollkommen anonym vor der Kamera.

Zwischen Drama und Feel Good Movie

Visuell ist "Die perfekte Kandidatin" kein großer Film, auch stilistisch bleibt er zwischen realistischem Drama und Feel Good Movie in der Schwebe. Beeindruckend und damit sehenswert ist er trotzdem. Die Zuschauer nimmt er mit in eine uns fremde Welt. Zuhause agieren die Frauen ohne Verschleierung, der häusliche Alltag erscheint entgegen allen Klischees sehr viel bunter und komplexer, als man das vermuten mag. Die Emanzipation beginnt in den eigenen vier Wänden, etwa wenn die Töchter dem eigenen Vater widersprechen und sogar aufbegehren.

Regisseurin Haifaa Al Mansour will "Die perfekte Kandidatin" nicht nur als Film über ihre Heimat Saudi-Arabien verstanden wissen. Sie sagt, für sie sei es eine universelle Geschichte. Auch in westlichen Ländern gebe es ja noch keine Balance zwischen Frauen und Männern – das sei besonders im Filmbusiness so: Weiße Männer engagiere man für die Filme mit den großen Etats, Frauen würde man das nicht zutrauen.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Die tägliche Dosis Kultur – die kulturWelt als Podcast. Hier abonnieren!