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Harriet Tubman: Von der Sklavin zur Freiheitskämpferin | BR24

© Audio: BR / Bild: Universal Pictures

Überliefert ist, dass es auch Harriet Tubmans Glaube an Gott war, der sie in ihrem Tun bestärkt hat und der Sklavenbefreierin den Namen "Moses" einbrachte.

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Harriet Tubman: Von der Sklavin zur Freiheitskämpferin

In einer Zeit, in der Black-Lives-Matter-Aktivisten fragwürdige Denkmäler vom Sockel stürzen, kommt die Geschichte einer Frau ins Kino, die in den USA für viele den Nimbus einer Nationalheiligen hat: Harriet Tubman.

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Ihr Name ist Harriet Tubman. Geboren um 1820 als Sklavin, gestorben 1913 als Freiheitskämpferin, wurde sie von der Entrechteten zur Legende. Mit Ende 20 floh sie aus den Südstaaten und kämpfte sich ins liberale Philadelphia durch, wo ein neues Leben und Verbündete auf sie warteten.

Wo andere einen Strich gezogen und ihre menschenunwürdige Vergangenheit begraben hätten, fand Tubman ihre wahre Berufung. Unter Lebensgefahr kehrte sie zurück auf das Gut ihrer Peiniger in Maryland, führte erst Familienmitglieder in die Freiheit der Nordstaaten und dann auf stetig neuen Missionen immer mehr Sklaven. Dem Drehbuch von "Harriet" zufolge war ihre Entschlossenheit so immens, dass sie andere ängstigte.

"Sag mir nicht, was ich kann oder nicht kann!"

In einer Filmszene muss sie sich die Worte anhören: "Du weißt, was passiert, wenn sie dich fangen, oder? Sie foltern dich solange, bis du ihnen den Weg genau in dieses Büro zeigst! Du hattest Glück, Harriet! Es gibt nichts mehr, was du tun kannst." Sie antwortet rebellisch: "Erzähl mir nicht, was ich nicht tun kann! Ich bin allein bis hierher gekommen. Gott hat über mich gewacht, aber es waren meine Füße, die rannten, bluteten. Ich bin geklettert, fast ertrunken, hatte nichts zu essen, tagelang, aber ich bin jetzt hier! Also sag mir nicht, was ich kann oder nicht kann."

Ähnlich entschlossen, so scheint es, hat Regisseurin Kasi Lemmons ihre Mission umsetzen wollen. Ohne Angst vor übermäßigem Pathos oder der erschlagenden Kraft all zu hölzerner Dialoge erzählt sie in "Harriet" die Geschichte einer Frau, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz nie hat brechen lassen. Hauptdarstellerin Cynthia Erivo, die für ihre Leistung eine Oscar-Nominierung erhielt, hat diese Entschlossenheit ebenfalls adaptiert. Nur einmal sieht man, wie vernarbt Tubmans von Peitschenhieben gezeichneter Körper ist. Ihr vernarbtes Innenleben widerum wird weniger in Worte gefasst als in Blicken ausgedrückt. Sie ist eine Frau, die kaum lächelt, die lieber handelt als redet. Und als sie ihre Bestimmung endlich gefunden hat, entwickelt sie sich von der Unterdrückten zur Kämpferin, die ihr Ziel verfolgt – komme was oder wer wolle.

Weniger Pathos und mehr Tiefe

Überliefert ist, dass es auch ihr Glaube an Gott war, der Tubman in ihrem Tun bestärkt hat und der Sklavenbefreierin den Namen "Moses" einbrachte. In einer Szene sieht man, wie sie, die kaum schwimmen kann, todesmutig einen Fluss durchschreitet. Sie weiß nicht, wie tief er ist, ob die Strömung so stark ist, dass sie fortgerissen werden könnte. Doch sie weiß, dass sie die Fluten teilen muss, damit die Sklavengruppe, die ihr bis hierhin gefolgt ist, auch den Rest des Weges mit ihr geht und nicht zurückwandert ins Unheil.

Dieser stark religiöse Tonfall und die Inszenierung zwischen Auserwählter und Superheldin verleihen "Harriet" auf Dauer einen befremdlichen Einschlag. Am Ende des 125-minütigen Dramas wird man das Gefühl nicht los, dass die auch am Drehbuch beteiligte Regisseurin von der Geschichte ihrer Titelfigur schier überwältigt war. Dass Harriet Tubman im Bürgerkrieg auf Seiten der Union Militärdienst leistete, als Spionin arbeitete und hunderte Gefangene befreite, schafft es nur noch als Randnotiz in den Abspann des Dramas. Auch diesen Teil ihres Lebens hätte man gern inszeniert gesehen – zu Gunsten von mehr Tiefe und und unter Verzicht auf den ein oder anderen pathetischen Moment.

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