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Der Kurzfilm ist immer wichtiger, findet Thorsten Schaumann.
© Hofer Filmtage / Peter Fröhlich
© Hofer Filmtage / Peter Fröhlich

Der Kurzfilm ist immer wichtiger, findet Thorsten Schaumann.

Thorsten Schaumann leitet in diesem Jahr zum zweiten Mal die Hofer Filmtage. Im BR-Interview hat er sich zum Programm des diesjährigen Festivals geäußert und zum Beispiel erklärt, worum es in dem Film "Glück ist was für Weicheier", mit dem das Festival eröffnet, geht.

Thorsten Schaumann: "Ja, 'Glück ist was für Weicheier' von Anca Miruna Lazarescu ist eine Familiengeschichte. Der Vater, der seine Frau verloren hat, der sich um seine zwei Töchter kümmert und dessen eigene Tochter leider sterben wird, weil sie eine schwere Lungenkrankheit hat. Und die 13-jährige Jüngste, die mit ihrer wundervollen Teenager-Art versucht die Familie zu retten und alles am Laufen zu halten. Das ist einfach ein wunderbar sensibles Stück Kino – und letztendlich eine sehr, sehr tolle Hymne aufs Leben."

"Glück ist was für Weicheier" läuft ja erst im kommenden Jahr dann in den deutschen Kinos an. Ist das denn, das Rezept auch bei den Hofer Filmtagen zu sagen: Wir sind vorher dran, bei uns sind die ganz neuen, brandneuen Filme zu sehen.

Thorsten Schaumann: "Ja. Wir zeigen ausschließlich Deutschland-Premieren. Und einige Filme kommen danach schon geplant ins Kino und wir wollen natürlich Plattform sein für die Filmemacher, dass sie durch die Hofer Filmtage danach einen Verleih finden und den Weg in den großen Saal."

Wenn wir uns mal die unterschiedlichen Genres anschauen: Was genau ist vertreten bei Ihnen?

Thorsten Schaumann: "Der Kurzfilm ist immer wichtig, weil daraus ja auch die Hofer Filmtage entstanden sind. Eben als kleinstes Festival der Welt mit neun Kurzfilmen. Und das ist immer im Fokus, weil oftmals das die erste Fingerübung von Regisseure/innen ist. Und dann die Lang-, Spiel- und Dokumentarfilme national und international."

Und worauf legen sie wert bei der Auswahl der Filme? Ich gehe davon aus, Sie kriegen sehr viele Filme zugeschickt. Wie wählen Sie aus?

Thorsten Schaumann: "Die Filme müssen mich bewegen. Sie müssen was hinterlassen und da muss irgendwas zwischen Bauch und Herz passieren und dann sollten sie möglichst nacharbeiten. Ich gehe raus, sehe was und weiß am nächsten Tag das und das und das ist passiert. Und dann weiß ich, das ist genau das Richtige für Hof."

Auf Ihrer Homepage sieht man: Die Hofer Filmtage, das ist eine bunte Mischung von so vielem. Es ist unglaublich spannend. Da ist das Kriegsdrama dabei, da ist eine Art Science Fiction, so habe ich es zumindest interpretiert, dabei. Wie würden Sie diese Mischung beschreiben?

Thorsten Schaumann: "Es bildet die Vielfalt des Kinogeschehens ab und es ist natürlich auch essenziell, dass für jeden was dabei ist. Und da geht man in die ganze Bandbreite rein und ich bin auch nicht jemand der auf bestimmte Dinge achtet, sondern einfach sagt: 'Das Kino muss mich überzeugen und dann gehört‘s nach Hof.'"

Und welchen Stellenwert hat das Festival bei den Filmemachern. Können Sie das einschätzen?

Thorsten Schaumann: "Sicherlich müssen das die Filmemacher für sich entscheiden. Für mich ist Hof das Festival, was ja ursprünglich von Regisseur/innen mitgegründet wurde. Das heißt, das kommt von den Wurzeln der Filmemacher und so ist es bis heute. Und ich glaube, das spürt man, wenn man vor Ort ist. Der Schwerpunkt sind die Neuentdeckungen und das war immer so. Der ist auch dieses Jahr ganz, ganz, ganz stark. Ich glaube auch sagen zu können, dass wir bei den Neuentdeckungen sicherlich das zweitwichtigste Festival nach der Berlinale sind.

Sie versuchen immer auch neue Wege zu gehen. Jetzt starten die Hofer Filmtage mit Kino-On-Demand: Man kann Filme aus dem Vorjahr digital ausleihen. In der Branche ist das nicht unumstritten. Warum wollen Sie das trotzdem. Warum machen Sie das?

Thorsten Schaumann: "Ich denke, dass es wichtig ist, sich mit der Digitalisierung in der Filmwirtschaft auseinanderzusetzen. Kino-On-Demand ist ja keine Plattform, die wir direkt betreiben. Das ist eine Partnerschaft und wir haben einen Hofer-Filmtage Shop, Home of Films. Ich meine, wir sind im Jahr 2018. Kino findet immer und überall statt. Wir möchten das Festival über die Hofer Filmtage-Zeit Ende Oktober verlängern. Und die Marke, die ja für eine bestimmte Art von Filmen steht, Filmemachern zur Verfügung zu stellen, unter der sie ihre Filme auch im Markt präsent halten können."

Die Marke Home of Films haben Sie gerade angesprochen. Die wollen Sie auch weiter ausbauen. Welche Ideen haben Sie da noch, abseits von Kino-On-Demand.

Thorsten Schaumann: "Wir haben eine Diskussion über die #MeToo-Stelle "Themis" die ihre Arbeit aufnimmt, das heißt, eine Meldestelle für Filmschaffende. Wir haben eine Web-Serie die gezeigt wird "Chinese Dream" von der Lena Karbe. Wir haben von der Verwertungsgesellschaft für Film ein großes Panel und darüber hinaus auch erstmalig den VGF-Preis, der gezeigt wird, Das ist der höchst dozierte Nachwuchs-Produzenten Preis. Da passiert eine ganze Menge. Und ich denke, dass es eine tolle Plattform ist, für alle Filmemacher. Etabliert, gerade am Anfang stehend, hier vor Ort zu sein und sich auszutauschen. Netzwerke aufzubauen und das werden spannende sechs Tage.

Filmplakat von "Glück ist was für Weicheier"

Filmplakat von "Glück ist was für Weicheier"