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Bauhaus-Direktorin wollte mit Konzertabsage das Gebäude schützen | BR24

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Warum dürfen Feine Sahne Fischfilet nicht auf der Dessauer Bauhaus-Bühne auftreten? In einem Interview erläuterte Bauhaus-Direktorin Claudia Perren ihre Entscheidung: Das denkmalgeschützte Gebäude müsse "rein physisch" geschützt werden.

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Bauhaus-Direktorin wollte mit Konzertabsage das Gebäude schützen

Warum dürfen Feine Sahne Fischfilet nicht auf der Dessauer Bauhaus-Bühne auftreten? In einem Interview erläuterte Bauhaus-Direktorin Claudia Perren ihre Entscheidung: Das denkmalgeschützte Gebäude müsse "rein physisch" geschützt werden.

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Die seit 2014 amtierende Bauhaus-Direktorin Claudia Perren hatte nach eigener Aussage Angst um die Unversehrtheit der Bauhaus-Bühne, als sie dem ZDF mitteilte, ein für den 6. November geplantes Konzert der linken Punkband Feine Sahne Fischfilet könne dort nicht stattfinden. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Perren, die Unesco-Weltkulturerbestätte bedürfe eines "besonderen Schutzes", auch "rein physisch". So sei es nicht gestattet, die Bühne "mit kratzigen Schuhen" zu betreten: "Da darf kein Nagel in die Wand, ohne dass wir das mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen haben." Sie "freue sich", so die Direktorin, dass für die Fernsehaufzeichnung "ein anderer Ort" gefunden worden sei. Das Anhaltische Theater Dessau hatte sich entgegen einer ersten Ablehnung dann doch bereit gefunden, Feine Sahne Fischfilet auftreten zu lassen.

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Claudia Perren (links) und Annemarie Jaeggi (rechts)

"Fehler in der Kommunikation"

Inhaltlich plausibel erscheint die Stellungnahme von Claudia Perren nicht, da das ZDF seit 2011 regelmäßig Konzerte auf der Bauhaus-Bühne aufzeichnet und die baulichen Gegebenheiten bisher nie Diskussionsthema waren. So dürften wohl eher politische Bedenken ausschlaggebend gewesen sein: Die Bauhaus-Direktorin räumte ein, sie habe Rechtsradikalen "keine Plattform" bieten wollen. Es sei ihr um die Vermeidung einer Eskalation und einer möglichen Beschädigung des Bauhauses gegangen. Örtliche Extremisten hatten für den Fall, dass das umstrittene Konzert der Punkband stattfindet, eine Demonstration in Aussicht gestellt. Immerhin sprach Perren auf einer Pressekonferenz in Berlin von "Fehlern in der Kommunikation": "Das ist wirklich ganz schief gelaufen."

Von Seiten der Politik geriet Perren nach der Konzertabsage massiv unter Druck. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) sprach von "neuen Maßstäben in Sachen Erbärmlichkeit" seitens des Bauhauses. Die Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte: "Es darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistischen Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern." Die Verantwortung gegenüber Künstlern zur Verteidigung ihrer Freiheit sei "unverzichtbar". Demgegenüber sprach der sachsen-anhaltische Kulturminister Rainer Robra (CDU) in einer Aktuellen Stunde des Landtages davon, die Stiftung Bauhaus dürfe zu einem Konzert auch "nein sagen", wenn sie der Meinung sei, dass ein Auftritt nicht "mit den Grundsätzen des Bauhauses vereinbar" sei. Robra ist in Dessau Vorsitzender des Stiftungsrats.

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Claudia Perren in Berlin

Kulturschaffende alarmiert

Unterdessen protestieren zahlreiche Kulturschaffende mit einem Offenen Brief gegen die Entscheidung der Stiftung Bauhaus Dessau, das Konzert abzusagen. Die Landesregierung Sachsen-Anhalts und die Stiftung hätten "der Demokratie und dem kulturellen Leben in unserem Lande schweren Schaden zugefügt", heißt es in dem Schreiben: "Das von der Stiftung abschließend bemühte Argument, das Bauhaus sei eine unpolitische Institution, zeugt entweder von Unkenntnis oder von einem ahistorischen Verständnis der eigenen Institution. Vor dem Hintergrund der Historie des Bauhauses erscheint die jetzige Entscheidung der Stiftung erschreckend geschichtsvergessen."

Rund 200 Unterstützer haben den Brief bereits unterzeichnet, darunter Künstlerinnen wie Hito Steyerl und Anne Imhof, der Ausstellungsmacher Kasper König, der Gestalter Erik Spiekermann sowie der Grafiker Klaus Staeck. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Kasseler Professor Philipp Oswalt, ehemaliger Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, dessen Vertrag vom Stiftungsrat nach einem Streit nicht verlängert worden war. Das Eingreifen der Politik wird in dem Schreiben mit den Worten quittiert: "Besorgniserregend ist, wie die Politik durch offenkundige Weisungen in eine kulturelle Einrichtung hineinregiert. Die Absage erfolgte in enger Abstimmung mit der CDU-geführten Staatskanzlei nach entsprechenden Forderungen aus CDU- und AfD-Kreisen sowie von Rechtsradikalen."

"Bauhaus bleibt politischer Ort"

Der eigentliche Anlass der Pressekonferenz in Berlin, das Jubiläumsprogramm für 100 Jahre Bauhaus im kommenden Jahr vorzustellen, geriet durch die jüngsten Ereignisse völlig ins Hintertreffen. Gleichwohl betonte die Direktorin des Bauhaus-Archivs in Berlin, Annemarie Jaeggi in diesem Zusammenhang, das Bauhaus sei ein "politischer Ort" gewesen und bleibe einer. Ein deutlicher Hinweis in Richtung Claudia Perren.

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