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Festtag Purim: So feiern Juden in Bayern ihr Freudenfest | BR24

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Lesung der jüdischen Esther-Geschichte zu Purim in der Synagoge Beit Tikwa in Bielefeld.

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    Festtag Purim: So feiern Juden in Bayern ihr Freudenfest

    Am Donnerstagabend beginnt für Juden in Bayern und weltweit das Purim-Fest. Es wird oft als jüdischer Fasching bezeichnet, denn an diesem Tag gehören Verkleidung, Aufführungen und ausgelassenes Feiern dazu. Doch wie sieht das in Corona-Zeiten aus?

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    Von
    • Martin Jarde

    Juden in Bayern feiern am 26. Februar Purim. Es beginnt bereits am Vorabend und ist ein fröhliches jüdisches Fest. Kinder verkleiden sich und machen Lärm, Erwachsene treffen sich zum Essen und Trinken.

    "Ein ganz anderes Purim" dieses Jahr

    Doch dieses Jahr wird es "ein ganz anderes Purim", sagt Josef Schuster, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Würzburg und Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, im Gespräch mit dem BR. Gottesdienste fänden zwar unter Einhaltung aller Hygieneregeln und mit wenigen Gläubigen statt. Ihm wäre aber keine Gemeinde bekannt, wo im Anschluss gefeiert würde.

    Ein Vorteil des Festes sei, so Schuster, dass es sich nur um einen Halbfeiertag handele und es nicht auf den Schabbat falle. Daher sei die Verwendung von Strom erlaubt und der Gottesdienst könne im Internet gestreamt werden, so dass alle trotz Corona daran teilnehmen könnten. Am Schabbat, dem jüdischen Sonntag, und an Feiertagen ist die Verwendung von Elektrizität unter orthodoxen Juden nämlich verboten.

    Jüdischer Fasching: Gemeinden in Bayern werden kreativ

    Purim wird auch als jüdischer Fasching bezeichnet. Gewöhnlich verkleiden sich vor allem die Kinder, Familien und Freunde kommen zusammen. Alkohol, auch in größeren Mengen, spielt eine Rolle. Damit dies nicht alles unter den Tisch fällt, sind die jüdischen Gemeinden in Bayern kreativ geworden.

    Die jüdische Gemeinde in Regensburg hat bereits am Montag eine Purim-Feier für Kinder veranstaltet. "Da unser Gemeindesaal ausreichend Platz bietet, konnten die Kinder mit unserem Lehrer und Rabbiner, Benjamin Kochan, Masken basteln. Die Kinder haben die Masken bemalt und mit Glitzersteinen beklebt und sich dann mit einer Sofortbildkamera selbst fotografiert", erzählt Ilse Danziger, die Vorsitzende der Gemeinde.

    Erinnerung an Rettung der Juden in Persien

    Auch die "Megillat Esther" wurde kindgerecht vorgelesen und mit Bildern anschaulich dargestellt, so Danziger. Dabei handelt es sich um eine Pergamentrolle mit der Purim-Geschichte. Sie erinnert an die Rettung der Juden in Persien im 5. Jahrhundert vor Christus.

    Nach der Schilderung im Alten Testament im Buch Esther ließ Haman, Minister des Königs Ahasveros, durch Ziehen eines Loses (hebräisch: Pur) einen Tag bestimmen, an dem die Juden des Reiches ermordet werden sollten. Die schöne Königin Esther, selbst eine Jüdin, und ihr Onkel Mordechai konnten dieses Vorhaben aber durch geschickte Diplomatie verhindern.

    Für die Erwachsenen wird die "Megillath Esther" am kommenden Freitagvormittag in der Regensburger Synagoge vorgelesen, "mit entsprechendem Abstand, unter Einhaltung der vorgeschriebenen Hygieneregeln und nur für eine sehr begrenzte Anzahl von 15 Gemeindemitgliedern", wie die Vorsitzende betont.

    Festpaket mit typischen Hamantaschen

    Da es kein Festmahl geben darf, erhalten alle Betenden ein Festtagspaket mit Hamantaschen, einer Challot - dem Schabbatbrot - und einer Flasche Wein für zu Hause. Dieses Paket wird in Regensburg auch den anderen Gemeindemitgliedern "als Purimfreude" nach Hause geliefert - die Austeiler würden selbstverständlich eine FFP2-Maske tragen, so Danziger.

    Die Hamantaschen sind ein dreieckiges Gebäck, das mit Mohn oder Marmelade gefüllt ist. Der Legende nach erinnert die dreieckige Form an den Hut, den der Intrigant und Minister Haman getragen haben soll. Für Haman ging es letztlich schlecht aus, der Perserkönig Ahasverus ließ ihn hinrichten.

    Viel Alkohol ist an diesem Feiertag ausdrücklich erlaubt

    An Purim ist es den Gläubigen ausdrücklich erlaubt, viel Alkohol zu trinken und sich sogar zu betrinken. Denn im Buch Esther wird das Mahl, das man zur Erinnerung an die Rettung der Juden einnehmen soll, als Trinkgelage bezeichnet.

    Die Israelitische Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg wird nach eigener Aussage ebenfalls kleine Geschenktüten an ihre Mitglieder überreichen. Während in der Synagoge nur 25 Personen beim Festgottesdienst anwesend sein dürfen, können alle Gemeindemitglieder die Feier per Youtube-Stream verfolgen.

    Ähnlich läuft der Festtag auch bei der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ab. Dort will man jedoch nicht auf die traditionelle Purim-Party verzichten. "Sie findet heuer aber digital über das gemeindeeigene Streaming-Portal statt", wie ein Sprecher der Gemeinde mitteilt.

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