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Bildrechte: picture alliance / dpa / Bodo Marks

Der schwedische Autor und Illustrator Sven Nordqvist ähnelt auch im richtigen Leben seinen Helden. Mit Petterson und Findus wurde er berühmt. Heute wird Nordqvist 75.

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Fast wie der gute Petterson: Sven Nordqvist wird 75

Eine beinah heile Welt: Der alte, freundliche Petterson, sein aufgeweckter Kater Findus und natürlich die verrückten Trolle, die im Küchenboden wohnen. Wer bitte denkt sich sowas aus? Sven Nordqvist. Ein Besuch zu seinem 75. in Stockholm.

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Von
  • Sofie Donges

Kater Findus liebt Geburtstage – im Gegensatz zu seinem Erfinder: Drei Mal im Jahr Geburtstag zu haben – das wäre für Sven Nordqvist ein Albtraum. Den ganzen Rummel um seine Person mag er nämlich überhaupt nicht. Und deshalb findet Nordqvist es auch gar nicht schlimm, dass der 75. heute pandemiebedingt etwas kleiner ausfällt: "Ich mag keine Partys mit vielen Leuten. Jetzt kann man es ja Corona in die Schuhe schieben, dass man sich nicht treffen kann. So komme ich drumherum. Wir werden lecker essen zusammen mit meinen Söhnen und wir hoffen, dass das Wetter schön ist und wir draußen sitzen können."

"Petterson mag seine Holzwerkstatt, genau wie ich"

Nordqvist sitzt in einem Sessel im Stockholmer Kindermuseum Junibacken, während er das erzählt. Er wirkt ein wenig schüchtern, ist sehr freundlich und spricht leise. Auf der Nase hat er eine runde Brille – wie seine berühmteste Figur, der alte Pettersson. Dass es eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den beiden gibt, streitet Nordqvist nicht ab: "In dem ersten Buch 'Eine Geburtstagstorte für die Katze', da habe ich ja nicht daran gedacht, eine Figur zu erschaffen. Das war nur ein alter Mann und ich habe es mir leicht gemacht: Er durfte ungefähr so werden, wie ich selbst gewesen wäre, wenn ich auf dem Land gewohnt hätte. Er mag es, in der Holzwerkstatt zu arbeiten und alleine zu sein – genauso wie ich."

Und eigentlich hat Nordqvist auch gar nicht soviel Lust über Pettersson und Findus zu sprechen. "Es ist ein bisschen nervig, mit den immer gleichen Fragen", gibt er zu. Für ihn gehören die Figuren Pettersson und Findus in die 90-er Jahre, als die meisten Bücher und Filme erschienen sind. Heute habe er ganz andere Projekte im Kopf. Und Nordqvist ist tatsächlich viel mehr als ein Autor und Illustrator dieser erfolgreichen Kinderbuchserie: "Ich tischlere sehr gerne und baue Sachen. Ich mag tischlern mindestens genauso gerne wie zeichnen", erzählt er.

Eine Welt, die funktioniert

Und so finden sich seine Spielfiguren aus Holz beispielsweise in der Kinderstation eines Krankenhauses: Kleine bunte Holzhäuschen, Tiere, alles mit viel Liebe zum Detail – genauso wie in seinen Büchern. Diese friedliche schwedische Welt, irgendwo in der Natur auf dem Land, ist ein ständiges Motiv bei Nordqvist. Und es ist sein Erfolgsrezept, findet Lotta Olsson, Kinderbuch-Expertin bei der Zeitung 'Dagens Nyheter': "Er ist ja ursprünglich Architekt gewesen. Und man sieht an den Büchern, dass er jemand ist, der selbst tischlert und baut. Er schafft eine Welt, die funktioniert. Und er hat was mit Astrid Lindgren gemein: Diesen Kontext – so sieht die Welt aus, in der man gut leben kann.“

Aufgehört zu arbeiten hat Nordqvist nicht, obwohl er heute 75 Jahre alt wird. In seinem Arbeitszimmer stapeln sich Zeichnungen, weil er jede einzelne aufhebt. Es sähe ein bisschen aus wie bei dem alten Pettersson, schmunzelt er. Und dann wird er ernst und erzählt, dass er immer wieder mal von Selbstzweifeln geplagt sei. In diesen Momenten falle es ihm schwer, zu zeichnen. Deshalb hat er für seine Zukunft einen Wunsch: "Ein bisschen mehr Lust zu arbeiten, das würde nicht schaden. Denn das Beste ist ja, ein Projekt am Laufen zu haben. Dann kann ich jeden Tag ein paar Stunden sitzen, mich freuen und weitermachen."

Sommer an der Schärenküste

Am Ende des Interviews steht er auf, bedankt sich höflich und geht genauso leise aus dem Raum, wie er reingekommen ist. Er will mit seiner Frau zu Fuß nach Hause gehen, zurück in die Stockholmer Stadtwohnung. Im Sommer verbringen sie gerne Zeit auf dem Land - in ihrem Sommerhaus an der Schärenküste – natürlich mit Tischlerei, wie bei dem alten Pettersson. Herzlichen Glückwunsch!

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