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Falsche Bibelübersetzung: Der Apostel Junia war eine Frau | BR24

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Die Berufung von Petrus und Andreas zum Apostelamt

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    Falsche Bibelübersetzung: Der Apostel Junia war eine Frau

    Paulus lobte sie, doch über Jahrhunderte war Junia in der katholischen Kirche vergessen. Katholische Frauen wollen jetzt an sie erinnern, und sie in einen der offiziellen Heiligenkalender der katholischen Kirche aufnehmen.

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    Im Römerbrief grüßt Paulus zwei Menschen, Andronikus und Junia (Röm 16,7). Andronikus ist ohne Zweifel ein Mann. Aber was ist mit Junia? Für viele Jahrhunderte wird aus dieser Junia in den Übersetzungen ein Mann, denn Paulus sagt über Andronikus und Junia, sie seien "angesehen unter den Aposteln". Nach Auffassung vieler Übersetzer kann diese Beschreibung nur einen Mann meinen.

    In der Übersetzung vom Griechischen ins Lateinische und dann in weitere Sprachen ging das Weibliche der Junia verloren. Erst in den 1970ern machten Bibelwissenschaftlerinnen darauf aufmerksam, dass es sich bei Junia um eine Frau handeln muss. Seit 2016 ist es jetzt auch offiziell: In der katholischen Einheitsübersetzung ist Junia seit diesem Zeitpunkt eine Frau und als Apostelin benannt.

    Junia war über Jahrhunderte unsichtbar

    Jahrelang war diese Frau, die zu den ersten verfolgten Christinnen gehörte, in der Geschichtsschreibung unsichtbar und in der katholischen Kirche wenig bekannt. Doch das soll sich verändern. Die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) fordert: Die Deutsche Bischofskonferenz soll die Apostelin Junia in einen Heiligenkalender der Kirche aufnehmen.

    Denn bisher kommt sie in keinem dieser Kalender vor, so die stellvertretende Vorsitzende des kfd Agnes Wuckelt: "Wir setzen uns für Gleichberechtigung ein und Zugang zu Weiheämtern. Das basiert auch auf Vorbildern aus der frühen Kirche, wie der Apostelin Junia, die so ein Amt inne hatte und von Paulus als herausragend bezeichnet wurde."

    Der 17. Mai soll der Tag Junias werden

    Der 17. Mai soll der Tag der Junia im Heiligenkalender sein. An diesem Tag wird auch in einigen orthodoxen Kirchen der Junia gedacht. Es wäre also ein Zeichen des ökumenischen Dialogs zwischen den Kirchen, so Agnes Wuckelt: "Die katholische Kirche könnte den orthodoxen Kirchen in schwesterlicher und brüderlicher Verbundenheit folgen und den 17. Mai auch als Festtag aufnehmen."

    Leben und Wirken Junias als Inspiration für Christinnen

    Aus diesem Grund hat der kfd am 17. Mai dieses Jahr zum ersten Mal einen bundesweiten Predigerinnentag begangen. Zwölf Frauen predigten zeitgleich an zwölf verschiedenen Orten in Eucharistiefeiern – zwölf Apostelinnen für eine gleichberechtigte Kirche, in der Frauen auch Priesterinnen werden können.

    Hier lieferte das Beispiel der Apostelin Junias Inspiration, sagt die stellvertretende Vorsitzende der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands Agnes Wuckelt: "Die Existenz Junias ist ein starkes Argument dafür, Frauen in Weiheämtern zuzulassen. Ihr Beispiel zeigt: Es gab Frauen in Leitungspositionen und Frauen, die so etwas wie eine Weihe hatten, selbst wenn es nicht von Anfang an etwas gab, das der Weihe von heute genau entspricht."

    In den Kirchen des Ostens wird Junia schon seit Jahrhunderten verehrt. Jetzt soll es auch in der katholischen Kirche vorbei sein mit der Unsichtbarkeit der Junia.