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Faire Label: Das steckt hinter Grüner Knopf, GOTS und Co. | BR24

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Die ehemalige Regionalbischöfin, Susanne Breit-Keßler ist heute als Botschafterin unterwegs – für den Grünen Knopf. Dieses staatliche Siegel zeichnet Hersteller und Läden aus, deren Textilien hohe soziale und ökologische Standards garantieren.

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Faire Label: Das steckt hinter Grüner Knopf, GOTS und Co.

Mode soll heute nicht nur gefallen, sie soll auch umweltfreundlich und sozial produziert sein. Es gibt zahlreiche Ökosiegel für faire Kleidung: Grünen Knopf, GOTS, Fairtrade... Doch für was stehen all diese Labels?

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Die Vielfalt an Öko-Siegeln und Labels in der Modeindustrie ist groß. Da ist es oft schwer, den Überblick zu behalten. Welche Labels haben unabhängige Standards, welche sind nur Marketingstrategie? Beziehen sich die Standards nur auf den Rohstoff oder auch auf die Produktionsbedingungen für die Arbeiter?

Um den Verbrauchern eine bessere Orientierung beim Einkauf zu bieten wurde im September 2019 der "Grüne Knopf" von Entwicklungsminister Gerd Müller vorgestellt. Dieses staatliche Siegel zeichnet Hersteller und Läden aus, deren Textilien hohe soziale und ökologische Standards garantieren.

Die ehemalige Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern, Susanne Breit-Keßler ist Botschafterin für den Grünen Knopf. Eine Aufgabe, die ihr am Herzen liegt, denn sie achtet auch privat darauf, woher ihre Kleidung kommt: "Ich möchte faire Kleidung tragen und fühle mich darin glücklicher als wenn ich etwas kaufe, durch das Menschen ausgebeutet werden."

Öko-Textilien liegen im Trend

2011 wurden in Deutschland mit Öko-Textilien 42 Millionen Euro Umsatz gemacht. 2018 waren es bereits 146 Millionen Euro, das 3,5-fache. Einer der Pioniere: Heinz Hess. Er hatte bereits vor Jahrzehnten ganz persönliche Gründe, diesen Markt zu erschließen.

"Unser Gründer war damals Mitte der 70er Jahre auf der Suche nach ökologischer Kinderkleidung für seinen gerade neugeborenen Sohn und ist auf dem Markt einfach nicht fündig geworden. Deshalb hat er beschlossen: Er muss das Ganze selbst in die Hand nehmen, weil er einfach das Urvertrauen in die Natur hatte." Simone Bley, Store-Leiterin hessnatur

Mittlerweile gibt es immer mehr Geschäfte, die Öko-Ware anbieten. Diese oft kleinen Läden, wie zum Beispiel das "Phasenreich" in München, bieten nicht nur Kleidung, Lederwaren, Taschen und Co., sondern auch eine Vision: Konsum kann fair sein.

Auch große Unternehmen haben inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt und verkaufen Öko-Kleidung. Für die Hersteller fairer Kleidung ist es ein großer Vorteil, wenn ihre Ware aus der Nische kommt und mehr potenzielle Kunden erreicht.

Durchblick im Dschungel der Öko-Siegel

Jeder kann ökologisch bewusst einzukaufen. Manchmal kostet das etwas mehr als die Massenware der großen Unternehmen, aber es lohnt sich – für die Umwelt, die Menschen und das eigene Gewissen.

Damit derDschungel der Öko-Siegel ein wenig durchsichtiger wird, hier einige der renommierten Zertifikate:

GOTS

Der "Global Organic Textile Standard" konzentriert sich vor allem auf biologisch angebaute Naturfasern. Es dürfen jedoch auch bis zu 30 Prozent Recyclingfasern, z.B. aus Polyester, beigemischt sein. GOTS bezieht sich auf die ganze Produktion, vom Anbau bis zum fertigen Produkt ebenso wie auf soziale Mindeststandards.

IVN Best

Das Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) ist das strengste Siegel auf dem Markt. Bei den Grenzwerten für Chemikalien orientiert es sich am GOTS, hat jedoch strengere Vorgaben bei Sozial- und Materialstandards. So werden nur Rohstoffe zertifiziert, die zu 100 Prozent aus biologischem Anbau bzw. biologischer Tierhaltung stammen.

Fairtrade

Das Zertifikat "Fairtrade Certified Cotton" garantiert faire Arbeitsbedingungen und Mindestpreise für die Baumwollbauern. Der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt, Gentechnik ist ganz verboten. Das Label bezieht sich nur auf die Anbaubedingungen.

Seit 2016 gibt es zusätzliche das Siegel "Fairtrade Textile Production", das die gesamte Lieferkette umfasst.

Made in Green

"Made in Green" gehört zu OEKO-TEX®, einem Zusammenschluss von 18 unabhängigen Forschungs- und Prüfinstituten auf dem Gebiet der Textil- und Lederökologie. Es umfasst die gesamte textile Kette für jede Art von Materialien, vom Einsatz von Chemikalien über Arbeitsbedingungen hin bis zu Umwelt- und Qualitätsmanagement. Anhand einer individuellen Produkt-ID auf dem Label kann der Käufer zurückverfolgen, in welchen Ländern und Produktionsbetrieben der Artikel produziert wurde.

Bluesign

Dieses Siegel regelt jede Art von Textilproduktion von natürlichen und künstlichen Fasern. Es umfasst vor allem die Chemikalienrisiken für die gesamte Herstellungskette und hat nicht nur eine Negativliste schädlicher Chemikalien, sondern auch eine Positivliste mit Alternativen. Die Auflagen des Siegels werden – anders als z.B. bei GOTS – ständig überarbeitet.

Cradle to Cradle (C2C)

"Von der Wiege zur Wiege" auf Deutsch – hier steht der Kreislaufgedanke im Vordergrund, der Abfall obsolet machen soll. Die Produkte werden nach fünf Kriterien bewertet: Materialgesundheit und -wiederverwendung, erneuerbare Energien, soziale Fairness und Wasser-"Stewardship". So gelten C2C-Produkte als besonders gesundheitlich unbedenklich, umweltsicher und kreislauffähig.

Fair Wear Foundation (FWF)

Die FWF setzt sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Löhne in der Textilindustrie ein. Es gibt klare Richtlinien und regelmäßige Kontrollen der Partnerunternehmen, die den Fortschritt dokumentieren sollen. Rund 80 Unternehmen sind Mitglied der FWF, darunter sind nicht nur Öko-Unternehmen sondern auch konventionelle Hersteller.

Quelle: "Einfach anziehend. Der Guide für alle, die Wegwerfmode satthaben" Von Kirsten Brodde und Alf-Tobias Zahn. OEKOM VERLAG 2018

Mehr zum Thema Faire Kleidung statt "Fast Fashion" gibt es in STATIONEN am Mittwoch, 4. März 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und im Anschluss in der BR-Mediathek.