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Fällt der Zölibat auf der Amazonassynode? | BR24

© picture-alliance/Sandra Gätke

Im Amazonasgebiet Brasiliens herrscht Priestermangel. Deswegen überlegt die Kirche den Zöllibat zu streichen.

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Fällt der Zölibat auf der Amazonassynode?

Im Amazonasgebiet Brasiliens herrscht Priestermangel. Weil unter den indigenen Bewohnern der Zölibat keine Option ist, werden viele Gemeinden von verheirateten Männern geleitet. Bei einer Synode im Herbst könnte der Zölibat deswegen fallen.

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Ein Treffen der Gemeindemitglieder von Serrinha im Norden Brasilien. Im Kerzenlicht treffen sich 40 Gläubige für eine sogenannte "catequese permanente", eine Art dauerhaften Glaubenskurs. Heute geht es um die Marienerscheinung von Fatima.

Drei Kinder aus der Gemeinde spielen die Szenen nach, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts im portugiesischen Ort zugetragen haben sollen. Die katholische Gruppe von Serrinha ist eine von 146 kirchlichen Gemeinschaften der Pfarrei Sao Antonio, die von nur fünf Pfarrern betreut werden. Jede Kapelle hat darum einen eigenen Koordinator, einen Laien. In Serrinha organisiert Gerson da Aliveira die kirchlichen Treffen. Der Familienvater ist Vize-Koordinator und Kommunionhelfer. Ohne das Engagement von Laien würde im Amazonasgebiet kaum kirchliches Leben stattfinden, sagt er: "Es gibt hier wenig Priester, also wird alles von den Laien gemacht."

21 Priester für ein Gebiet so groß wie Deutschland

Zu Besuch bei der Basisgemeinschaft ist heute Ludwig Kaut. Der belgische Ordensmann der Steyler Missionare ist für die Kapelle zuständig, er besucht jede seiner 46 Gemeinschaften im Schnitt sechs Mal im Jahr. Dann wird getauft, verheiratet, Wortgottesdienst gefeiert. Kaut ist selbst kein Priester. Aus seiner Sicht sollten die Bischöfe auf der Amazonassynode im Herbst in Rom ernsthaft über die Zulassung verheirateter Familienväter zum Priesteramt nachdenken, sogenannte "viri probati".

"Die tun die Arbeit eines Diakons", sagt Ludwig Kaut, "aber wir sind nicht daran interessiert, dass wir Diakone haben, was mich interessieren würde, wären Priester. Gerson da Aliveira zum Beispiel ist ja schon Kommunionhelfer."

Verheiratete Männer als Priester im Amazonas - im Vorfeld der Amazonassynode, zu der im Herbst Bischöfe aus neun Ländern des Amazonasbeckens im Vatikan zusammenkommen, hat diese Forderung bereits prominente Unterstützer. Der emeritierte brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat angekündigt, dass die Synode über die Weihe von verheirateten Priestern sprechen wird.

Retten "viri probati" die Kirche vor dem Aussterben?

Konservative Kirchenvertreter fürchten, dass eine regionale Öffnungsklausel der Anfang vom Ende des Zölibats wäre. in ihren Augen, eine unzumutbare Reform. Gleichzeitig verweisen brasilianische Bischöfe wie Dom Wilmar Santin aus der Prälatur Itaituba auf die scharfe Konkurrenz durch Freikirchen, die in vielen indigenen Dörfern mittlerweile Pastoren aus der ansässigen Bevölkerung beauftragen, während die Katholiken nur eine langjährige Ausbildung zum Diakon in den Raum stellen können.

"Das heißt nicht, dass wir die Freikirchen kopieren sollen", erklärt der Bischof, "aber wir müssen an unserer Struktur etwas verändern. Es geht ja nicht darum, die Struktur Papst-Bischöfe-Priester über den Haufen zu werfen, aber die Laien doch stärker zu beteiligen, damit die Kirche agiler wird."

Dom Wilmar wird an der Synode im Oktober teilnehmen. In seiner Prälatur Itaituba arbeiten 21 Priester, auf einem Gebiet halb so groß wie Deutschland. Damit die Kirche vor Ort auch existiert, wenn kein Pfarrer vorbeikommt, hat der Bischof mit der Ausbildung sogenannter "ministros" begonnen – Beauftragte für Wortgottesdienst, Taufe, Hochzeit und Eucharistiehelfer – er hätte mit der Weihe von Verheirateten Priestern kein Problem.

Freiwillige gibt es - sie leiten die Gemeinden schon jetzt

Das sehen aber längst nicht alle Bischöfe aus dem Amazonas so. Dom Wilmar hofft auf den Papst. Franziskus kenne die Probleme der Kirche im Amazonas und wünsche sich indigene Priester in jedem Dorf, sagt Dom Wilmar.

"Von Papst Franziskus kamen bereits mehrmals neue Botschaften, somit hoffe ich, dass auch die Synode vom Licht der Impulse und Ratschläge des Papstes, von der Enzyklika Laudato si und des päpstlichen Schreibens Evangelii gaudium erhellt sein werden", hofft der Bischof.

Das hofft auch Gerson da Aliveira. Der Familienvater aus Serrinha würde sich selbst zutrauen, als verheirateter Priester zu wirken. So ganz allerdings wollen er und die anderen im Amazonas an tiefgreifende Neuerungen durch die Synode noch nicht glauben.

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  • Johannes Reichart
  • Friederike Weede
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