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So wurde Musik ein Mittel gegen Rassismus | BR24

© Ausstellungsplakat: Musse de L'Histoire de L'immigration

Expo Paris London Music Migrations (1962-1989)

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    So wurde Musik ein Mittel gegen Rassismus

    Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien brachten in die Metropolen London und Paris ihre Musik mit. Die Ausstellung "Expo Paris London Music Migrations 1962-1989" feiert jetzt den kulturellen Reichtum der Immigration.

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    Der Besucher tritt ein wie in eine Disko, auf der Leinwand flimmern Ska tanzende Londoner Nachteulen. So beginnt die Reise in Clubs und Einwanderer-Heime, Orte, an denen Musik gehört wird. Die beiden Kolonialreiche England und Frankreich zerfallen in den 1960er-Jahren, aber die Einwanderer aus diesen Ländern leben weiterhin in den Hauptstädten und verändern diese. Denn sie haben ihre Musik mitgebracht.

    "Am Ende der 80er-Jahre gehört diese Musik zur Stadt. Beide Städte wurden multikulturell" sagt der Historiker Martin Evans, einer der Kuratoren der Ausstellung: "Multikulturalität gehört heute für einen Pariser oder einen Londoner zum Alltag. Diese Ausstellung zeigt den Weg dorthin innerhalb von drei Jahrzehnten."

    The Equals - britisch und multi-ethnisch

    Die Reise beginnt 1962, mit der Unabhängigkeit Algeriens und Jamaikas. In London wird auf Ska getwistet, Eddy Grant gründet Mitte der 60er-Jahre die erste multi-ethnische Band, The Equals. In Paris treffen sich die Maghrebiner in orientalischen Cabarets im Stadtteil Barbès wo algerischer Chaabi ertönt. In einem Saal thront neben einer Videojukebox die Oud-Laute von Hamadi Kamel, dem Meister dieser Chaabi-Musik.

    Die Ausstellung ist ein Schmaus für Ohren und Augen: Ausgestellt ist zum Beispiel ein Bühnenkostüm von Fela Kuti, dem Erfinder des Afrobeats in Nigeria. Saxofonist Manu Dibango gab einen Kaftan, den er auf der Bühne trug, eines seiner Instrumente und die Partitur seines Welthits Soul Makossa aus den 70er-Jahren: Diese Objekte seien nun im Museum, freut sich der Musiker aus Kamerun. Es sei gut, dass die Leute wissen, was damals passierte. Heute lebt in Frankreich immerhin die dritte Generation dieser Einwanderer.

    Kultur brachte die Menschen zusammen

    Der britische DJ und Musikproduzent Don Letts steht für die Verbindung von Reggae und Punk. In einer Vitrine stehen der Ghettoblaster seines Vaters und Vinylplatten: Diese Ausstellung komme zur rechten Zeit, sagt Don Letts: Trump benutze die Kultur, um Leute zu trennen, das sei lächerlich, aber diese Krankheit mache sich auf der ganzen Welt breit. "Doch auf den Strassen brachte Kultur Menschen zusammen und diese Ausstellung legt davon Zeugnis ab."

    In London wie in Paris wird die Musik schnell ein Mittel im Kampf gegen Rassismus und Polizeiübergriffe. Ab den 80er-Jahren gibt es keine größere Veranstaltung gegen Rassismus oder Apartheid ohne Musik. Gleichzeitig wandert die Weltmusik von den Demos auch auf die Dancefloors: Die "Sono Mondiale" hält Einzug ins Pariser Nachtleben.

    Highlight: die 200-Jahr Feier der Revolution

    Die Zweihundertjahrfeier der Revolution 1989 in Frankreich ist der Höhepunkt dieser Entwicklung und gleichzeitig der Schluss der Ausstellung: Nun will auch die Regierung ein multikulturelles Frankreich präsentieren. Wally Badarou war der musikalische Direktor der Zweihundertjahrfeier der Revolution: Eine wundervolle Erinnerung, meint er. Er dachte, nach dem Mauerfall würde diese Bewegung noch viel weiter gehen und "dass wir viele Türen geöffnet haben. Aber Europa erlebt heute Identitätskrisen! Wir merken nicht mehr, welchen unglaublichen kulturellen Reichtum die Immigration gebracht hat. Es ist gut, dass eine solche Ausstellung daran erinnert." Er denke an 1989 wie an einen Traum. Das Erwachen sei etwas bitter.

    Musik ist ohne Grenzen, im Prinzip. Angesichts von Brexit und Populismen tut es gut, sich daran zu erinnern.

    Die Ausstellung Paris-Londres Music Migrations (1962-1989) läuft bis 5. Januar 2020 im Musée national de l'histiore de l'immigration in Paris.

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