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Experten: "Nero war besser als sein Ruf" | BR24

© dpa/picture alliance

Besser als sein Ruf? - Kaiser Nero

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    Experten: "Nero war besser als sein Ruf"

    Er wurde keine 31 Jahre alt: Kaiser Nero brachte sich um, verfolgt und gehasst von meuternden Heerführern. Sein Image ist miserabel - dennoch: Experten halten seine ersten fünf Regierungsjahre für vorbildlich, wie demnächst Ausstellungen zeigen.

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    War er ein Opfer böswilliger Verleumder? Als Tyrann, Brandstifter und Christenverfolger ging der römische Kaiser Nero in die Geschichte ein. Sein Image wird von Hollywood-Filmen wie "Quo Vadis" geprägt, wo er als wahnsinniges Monster gezeigt wurde, gespielt vom genialen Peter Ustinov. Dabei war der junge Kaiser aus Sicht mehrerer Museumsleiter ein besserer Herrscher, als es sein schlechter Ruf nahelegt. Die ersten fünf Regierungsjahre des von 54 bis 68 nach Christus amtierenden Kaisers zählten aus Historikersicht gar zu den besten Jahren der römischen Kaiserzeit, sagte der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter, am Mittwoch vor Journalisten in der Moselstadt. Es gelte, auch die positiven Seiten Neros als im damaligen Volk beliebter Herrscher in den Blick zu nehmen, so Reuter. 

    Drei Museen widmen sich Nero

    Dessen Haus und zwei weitere Trierer Museen bereiten für Mai 2016 Ausstellungen zu Nero vor. Reuter sagte weiter, die in drei Trierer Museen laufende Schau werde auch die negativen Aspekte Neros zeigen. So habe er den Mord an seiner Mutter veranlasst, Christen verfolgt und viele senatorische Adelige hinrichten lassen. Die Leiterin des Stadtmuseums Simeonstift, Elisabeth Dühr, betonte, unter dem selbst als Schauspieler auftretenden Regenten sei es hingegen auch zu einer kulturellen Blüte gekommen. "Die christliche Überlieferungen ließ an Nero aber kein gutes Haar." 

    Experten: "Feuer ist aus Zufall entstanden"

    Laut dem Direktor des Trierer Museums am Dom, Markus Groß-Morgen, müssen viele tradierte Mythen über Nero zurechtgerückt werden. So sei die Überlieferung, dass Kaiser Nero den Brand von Rom im Juli 64 zu verantworten habe, nach dem Stand der Forschung nicht mehr haltbar. Das Feuer sei wohl vielmehr aus Zufall entstanden. Da anschließend Gerüchte aufgekommen seien, der Kaiser sei für den verheerenden Brand verantwortlich, habe dieser die junge Gemeinschaft der Christen als Brandstifter deklariert. Nero sei aber kein wirklicher Feind des Christentums gewesen, so der Museums-Direktor weiter. "Es war normale kaiserliche Politik, dass man von sich ablenkt und versucht, Sündenböcke zu finden", erklärte Groß-Morgen. 

    Weniger Märtyrer als angenommen

    Daraufhin seien neben Petrus und Paulus viele Christen auf meist grausame Weise hingerichtet worden, etwa als lebendige Fackeln. Die Zahl der christlichen Märtyrer sei jedoch deutlich geringer als angenommen; in der gesamten römischen Antike seien wohl zwischen 6.000 und 8.000 Christen wegen ihres Glaubens ermordet worden.