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Textil ist der Stoff der Zukunft | BR24

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Textilien prägen große Teile unserer Alltagskultur. Dabei nennt sich alles, was zu einem Gewebe verarbeitet wird, Textil. Auf der Sonderschau der Handwerksmesse EXEMPLA in München wird sichtbar, wie vielseitig Material und Verarbeitung heute sind.

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Textil ist der Stoff der Zukunft

Textilien prägen große Teile unserer Alltagskultur. Dabei nennt sich alles, was zu einem Gewebe verarbeitet wird, Textil. Auf der Sonderschau der Handwerksmesse EXEMPLA in München wird sichtbar, wie vielseitig Material und Verarbeitung heute sind.

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Leicht, weich und sehr glatt fühlen sie sich an, die Socken der Strickwaren-Firma Helmut Peterseimer aus dem thüringischen Mühlhausen. Das dunkle Gewebe ist locker gestrickt und dadurch sehr dehnbar. Das erleichtert es, den Stoff unter Wasser um Bojen oder Brückenpfeiler zu wickeln – denn genau dafür sind die Windrad-Socken gemacht. Der eigentliche Clou aber ist das Material: Die Fäden bestehen aus Basalt, einem vulkanischen Gestein, dass man erhitzen und zu Fäden verarbeiten kann, erklärt Angela Böck verantwortliche Organisatorin der EXEMPLA: "Der Firma Peterseimer ist es als erste gelungen, dass sie Basaltfilamente, die es seit 20 Jahren gibt, verstrickt, das ging bisher nicht, weil die Basaltfaser leicht bricht. Dieses Gewebe dient dazu, dass man maritime Architekturen und Brückenpfeiler oder die Verankerungen von Windrädern im Meer schützt, also, man zieht denen wie einen Strumpf dieses Gewebe an. Basalt stößt Algen ab und die ganzen Architekturen müssen um 40 % weniger gewartet werden."

Material und Verarbeitung

Im Basalt-Gestrick von Peterseimer verbindet sich modernes Material mit traditioneller Verarbeitung, das Ergebnis ist ein natürliches, absolut umweltfreundliches Produkt. Ähnlich innovativ ist der Carbon-Pavillon gleich nebenan: 12 Meter lang, 2,60 Meter breit, geformt wie ein riesiger Flügel aus dunklen Fäden. Entwickelt wurde der Pavillon am Institut für Tragwerkskonstruktion der Universität Stuttgart unter Mitwirkung von Biologen. Zwei große Roboter wurden so programmiert, dass sie die Bewegungen von Miniermotten beim Bau ihrer Kokons imitieren: "Diese beiden Roboter, die in fast 13 Meter Abstand standen, konnten miteinander kommunizierten, also, da hat der eine Roboter den Faden gewickelt und einen Teil von dem späteren Pavillons gebaut - und der andere Roboter hat auf der anderen Seite gebaut. Dazu haben die Studenten eine Drohne entwickelt, die in der Lage war, den Faden von einem Roboter aufzunehmen und zum anderen Roboter zu tragen. Und so ist der ganze Pavillon nicht von Menschenhand gefertigt worden, sondern wirklich über Roboter und Drohnen."

Handwerk zwischen Tradition und Zukunft

Die Bauweise könnte zum Beispiel beim Bau einer Brücke zwischen zwei Bergspitzen zum Einsatz kommen. Doch auf der EXEMPLA ertönt traditionell nicht nur Zukunftsmusik, sondern auch gutes altes Handwerksgeklapper: Herren-Maßschneider, Polsterer und Handweberinnen präsentieren ihr Können, eine Loferlstrickerin zeigt farbenfrohe Wadenstrümpfe für Frauen, ein Teppichmeister aus der Türkei führt vor, wie man hochwertige Kelims reparieren kann, eine italienische Seidenmanufaktur präsentiert handgewebte Veloursstoffe, bei denen die Fasern nach dem Weben mit einem Messer wieder aufgeschnitten werden, damit sie sich samtartigen nach oben öffnen. Und eine mongolische Familie beweist, dass man auch gleich ein ganzes Haus aus Textilien bauen kann: Ihre Jurte besteht aus einem Gerüst aus biegsamem Holz, das mit Lederriemen befestigt wird. Um dieses Gerüst kommen Filzmatten, die mit Kamelhaar-Seilen festgebunden werden. Außen werden die Matten mit Zelt- oder Lastwagenplanen vor Regen geschützt. Die Isolierfähigkeit dieser Bauweise entspricht der einer sechs cm dicken Ziegelwand. Nur dass man die halt nicht an einem einzigen Tag umsetzen kann.

"Textil - Stoff der Zukunft" ist eine Sonderschau der 71. Internationalen Handwerksmesse in München. Sie ist noch bin zum 17.3.2019 zu sehen.

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