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Matthias Hartmann hat sich außergerichtlich mit seinem Ex-Arbeitgeber geeinigt.
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Peter Jungblut
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Matthias Hartmann hat sich außergerichtlich mit seinem Ex-Arbeitgeber geeinigt.

Die Wogen schwappten hoch vor viereinhalb Jahren: Helle Aufregung am traditionsreichen Burgtheater, nachdem sich herausgestellt hatte, dass das Haus in eine finanzielle Schieflage geraten war. Wer daran die Schuld trug, blieb unklar: Der damalige Intendant Matthias Hartmann oder doch eher seine kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky, die inzwischen wegen Untreue, Veruntreuung und unrichtiger Bilanzierung angeklagt ist und wohl als einzige strafrechtliche Konsequenzen fürchten muss? Fest steht: Es gab fehlerhafte Abschreibungen, Steuerhinterziehungen, unrichtige Sozialabgaben und "schwarze Kassen". Letztlich waren rund 21 Millionen Euro Verluste aufgelaufen, bei einem jährlichen Umsatz des Burgtheaters von etwa zwölf Millionen Euro eine ansehnliche Summe.

Geld von der Manager-Haftpflichtversicherung?

Jetzt konnte zumindest der Streit zwischen Hartmann und seinem früheren Arbeitgeber außergerichtlich beigelegt werden. Über Details wurde wie üblich "Stillschweigen" vereinbart, aber das Burgtheater legt nach einer Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA Wert darauf, dass es außer den bis zum 31. August 2014 aufgelaufenen Pensionsansprüchen von 111.000 Euro keine Zahlungen an den Ex-Intendanten geben wird.

Hartmann hatte auf zwei Millionen Euro Schadenersatz geklagt. Nun soll er laut der Wiener Tageszeitung "Die Presse" auf Ansprüche aus der "Manager-Haftpflichtversicherung" in Höhe von 355.000 Euro verwiesen worden sein. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zuvor ihre Ermittlungen gegen Hartmann eingestellt, die "fristlose" Kündigung wird nachträglich in eine "einvernehmliche" geändert. Das Burgtheater rechnet mit einer Entschädigung von rund 500.000 Euro durch die Versicherung der Wirtschaftsprüfer, denen die Schlampereien in der Haushaltsführung jahrelang nicht aufgefallen seien. Außerdem soll Geld von Hartmanns "Manager-Haftpflicht" auch an das Theater fließen.

"Keine strafrechtlichen Vorwürfe"

In der gemeinsamen Presse-Erklärung von Hartmann und dem Burgtheater heißt es wörtlich: "Nach Einstellung des Strafverfahrens gegen Matthias Hartmann haben die Burgtheater GmbH und Matthias Hartmann einen Schlussstrich unter ihre Rechtsstreitigkeiten gezogen. Die Erhebungen der Wirtschafts- und Korruptions-Staatsanwaltschaft haben ergeben, dass gegen Matthias Hartmann in seiner früheren Tätigkeit als künstlerischer Leiter des Burgtheaters in Wien keine strafrechtlichen Vorwürfe bestehen. Die Parteien haben sich deshalb darauf verständigt, ihre gegenseitigen Rechtsstreitigkeiten zu beenden und die im März 2014 ausgesprochene fristlose Entlassung in eine einvernehmliche Beendigung umzuwandeln. Mit heutigem Wissensstand hätten die Parteien anders gehandelt. Durch das lange Ermittlungsverfahren entstanden auf beiden Seiten finanzielle, zeitliche und persönliche Belastungen, was beide Parteien bedauern.“

"Die Presse" in Wien urteilt über den jetzt gefundenen Vergleich: "Wirtschaftlich haben also alle Abstriche gemacht und sich in der Mitte geeinigt, um einen Schlussstrich zu ziehen."

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