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Evi Keglmaiers Solo-Debüt ist ein großer Aufschlag | BR24

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Sie ist bekannt von Heimatsound-Bands wie "Zwirbeldirn" und "Hochzeitskapelle", steht im Münchner Volkstheater auf der Bühne und legte jetzt bei Trikont ihr erstes Solo-Album vor: "Keglmaier". Ein selbstbewusstes Statement und Songs wie ein Hörfilm.

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Evi Keglmaiers Solo-Debüt ist ein großer Aufschlag

Sie ist bekannt von Heimatsound-Bands wie "Zwirbeldirn" und "Hochzeitskapelle", steht im Münchner Volkstheater auf der Bühne und legte jetzt bei Trikont ihr erstes Solo-Album vor: "Keglmaier". Ein selbstbewusstes Statement und Songs wie ein Hörfilm.

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"Ich sitze da in einem etwas schummrigen, grünen Raum und warte, glaube ich, auf irgendwas, neben mir oder über mir ist eine Sonne, die sich aber bei näherem Hinsehen als was ganz was anderes entpuppt," sagt Evi Keglmaier. Sie meint den Sonnenuntergang am Ammersee, den sieht man nämlich auf dem Cover ihrer CD, die genauso heißt wie sie: "Keglmaier". Sie stammt aus Lützlburg nahe Landshut und lebt in München, wo sie Musikpädagogik studiert hat und eine der treibenden Kräfte ist beim Niederbairischen Musikantenstammtisch. Sie wirkt mit in der Hochzeitskapelle, beim Café Unterzucker, ehemals bei und mit Zwirbeldirn, und ist jetzt erstmals solo unterwegs.

Die Mutter sang im Renaissance-Chor

"Noja", dieser erste Titel, führt zunächst auf eine Fährte, nicht aber in eine Schublade. Evi Keglmaier: "Die Mutti hat in einem bekannten Renaissance-Chor gesungen, der "Capella Antiqua". Der Vater war mehr an Volksmusik interessiert, der hat Bass gesungen beim Passauer Viergesang. Der Bruder hat viel Jazz gespielt, Bigband, die Schwester Vroni hat Couplets gemacht aus den zwanziger Jahren und die andere Schwester Kathi macht osteuropäische Tänze, was mich auch sehr interessiert hat. Dann kam ja noch die Balkan-Brassband meines Bruders hinzu. Ich selber habe viel Klassik gespielt, Streichquartett, in allen Schattierungen."

"Ich du er sie die" – reflektiert vielleicht all dies. Evi Keglmaier ist das Nesthäkchen einer musisch breit interessierten Lehrer- und Musikantenfamilie aus Niederbayern. "Ich du er sie die", das meint vielleicht auch, dass Evi Keglmaier jetzt stolz 'ich' sagt: Schaut her, das kann und mache ich, ganz ohne die Kollegen, Volkssänger und Volksmusikanten. Sie sagt: "Am Anfang meiner Münchner Zeit habe ich viel niederbairische Volksmusik gespielt mit dem Niederbairischen Musikantenstammtisch. Dann kam irgendwann Zwirbeldirn, später dann "Mrs Zwirbel" und seit acht Jahren bin ich ja im Chor bei der Dreigroschenoper im Volkstheater und der Michael Acher hat die musikalische Leitung und so kommt es, dass alle meine Kollegen bei der Hochzeitskapelle auch in der Dreigroschenkapelle spielen."

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Evi Keglmaier (Mitte) zwischen Maria Hafner und Simone Lautenschlager

Der "Hackerbrücke"-Song wird zum "Hörfilm"

Sie klingt ein wenig wie eine Mischung aus Lydia Daher und Bernadette La Hengst, beide übrigens wie Evi Keglmaier Trikont-Künstlerinnen. Trikont, das ist eines der wichtigsten, in München ansässigen Labels für "die etwas andere Musik". Sie spielt Bratsche, funktioniert die aber zuweilen um zur Gitarre oder zur elektronisch verfremdeten Sound-Maschine, wenn sie, wie im Stück "Hackerbrücke", Freiluft-Aufnahmen einbaut und damit den Song eher zum Hörfilm werden lässt, als zu einem Potpourri unterschiedlichster Lieder. Sie fantasiert über einen schönen Metzger und seine Frau und interpretiert einen traurig-schönen Text von Friedrich Ani: "Da sind wir mal eine Zeit lang immer in der gleichen Kneipe rumgesessen in Obergiesing, und er war inspiriert und hat einen Liederzyklus geschrieben namens 'Café Schaumeramoi'."

Warten wir ab, was noch wird aus der Bratschistinnen- und Sängerinnen-Karriere der Evi Keglmaier. Dies jedenfalls ist ein großer Aufschlag.

Das Album "Lieder aus Gründen" von Evi Keglmaier ist bei Trikont erschienen.

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