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Event-Branche sieht rot: So war die "Night of light" in München | BR24

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Als Zeichen der Solidarität für Kulturschaffende und Veranstalter haben sich auch Institutionen und Unternehmen in Bayern an der bundesweiten Night of Light beteiligt. Zahlreiche Gebäude wurden dazu in der Nacht zum Dienstag rot angeleuchtet.

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Event-Branche sieht rot: So war die "Night of light" in München

Mit einer bundesweiten Aktion haben deutsche Veranstalter an ihre derzeitige Notlage in der Corona-Krise erinnert. In München beteiligten sich neben zahlreichen Bars und Clubs auch das Stadtmuseum und der Olympiaturm.

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Vor dem Hochbunker an der Münchner Schrannenhalle versammelten sich einige Dutzend Schaulustige, um den feuerrot angestrahlten Bau zu bewundern. Andernorts gab es offenkundig wenig Interesse an der "Night of light", selbst die als "Feier-Banane" bekannte Sonnenstraße in der Münchner Altstadt war fast menschenleer. Gleichwohl hatten einige Bars und Clubs ein Zeichen gesetzt und ihre Eingänge oder auch gleich das ganze Gebäude rot beleuchtet. Im Netz konnten Interessierte die bundesweite Mahnaktion mitverfolgen, DJs sorgten für die passende Soundkulisse.

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Passanten am Hochbunker

Die Veranstaltungs-Branche fürchtet wegen der Corona-Pandemie um ihre Zukunft, Pleiten sind nach Angaben von Fachleuten unabwendbar, weil größere Live-Events von Konzerten über Sportveranstaltungen und Firmenjubiläen bis zu Messen auf unabsehbare Zeit ausgeschlossen sind. Hunderttausende von Arbeitsplätzen sind damit in Gefahr, der Jahresumsatz des Wirtschaftszweigs ist mit geschätzten 130 Milliarden Euro höher als der im Baugewerbe und der metallverarbeitenden Industrie. Selbst die Kulturbranche im engeren Sinne erzielt in "normalen" Zeiten Einnahmen von knapp sieben Milliarden Euro, woran derzeit nicht zu denken ist. Großveranstaltungen werden bis mindestens Ende Oktober ausfallen, lukrative Tourneen sind längst abgesagt und meist auf unbestimmte Zeit verschoben.

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Treppe in Rot

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Das frühere Postscheckamt an der Sonnenstraße

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Großer Auftritt, wenig Zuschauer

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Viel Licht am Viktualienmarkt

Zu konkreten Forderungen an die Politik, etwa Subventionen, rang sich die Veranstaltungs-Branche bislang nicht durch, stattdessen heißt es auf der Homepage von "Night of light", Ziel der Aktion sei es, "mit der Politik im Rahmen eines Branchendialogs ins Gespräch darüber zu kommen, wie die milliardenschwere, extrem heterogene Branche der Veranstaltungswirtschaft vor einer massiven Insolvenzwelle gerettet werden und der Erhalt von bundesweit mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen gesichert werden kann." Die Veranstaltungswirtschaft sei eine komplexe Branche, die viele unterschiedliche Gewerke und Spezialdisziplinen in sich vereine. Aus diesem Grund habe die Veranstaltungswirtschaft insgesamt keine zentrale Lobby.

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Münchner Stadtmuseum

Ein Problem der Veranstalter, die sich selbst auf einer "roten Liste der aussterbenden Branchen" sehen, ist die fehlende Möglichkeit, ausgefallene Events nachzuholen. Wer Livekonzerte anbietet, kann in den kommenden Jahren nicht einfach doppelt so viele organisieren, dafür fehlen die Künstler und das Publikum. Der Verlust könne also nicht "kompensiert" werden, so die betroffenen Unternehmer: "Es ist wichtig, auch die Öffentlichkeit auf die besonders hart getroffene Branche der Veranstaltungswirtschaft aufmerksam zu machen und zu verdeutlichen, dass die derzeitigen Hilfeleistungen in Form von Kreditprogrammen nicht ausreichen. Da diese Kredite nicht wertschöpfend investiert werden können, sondern zur Deckung von Betriebskosten aufgewendet werden müssen, führt dies nach dem Verbrauch der Kredite zu einer erneuten Zahlungsunfähigkeit in Verbindung mit einer Überschuldung der betroffenen Unternehmen und Einrichtungen."

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Bar im Münchner Glockenbachviertel

In Deutschland ist die Veranstaltungs-Branche übrigens besonders stark: Nur in den USA und in China wird mit der Organisation von Live-Events wie Messen, Ausstellungen, Konzerten, Jubiläumsfeiern und Seminaren noch mehr Geld umgesetzt. Deutschland sei "Tagungsland Nummer 2" und "Messeland Nummer 1" im internationalen Vergleich, so Branchenexperte Bernd Schabbing in einer Studie über die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstalter.

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