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Evangelische Journalistenschule in Berlin steht vor dem Aus | BR24

© BR/Thomas Klatt

Die Evangelische Journalistenschule steht vor dem Aus.

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Evangelische Journalistenschule in Berlin steht vor dem Aus

Viele renommierte Journalisten haben die Evangelische Journalistenschule Berlin besucht. Die Gründer wollten nach der NS-Gleichschaltung der Medien einen ethisch verantwortlichen und unabhängigen Journalismus fördern. Nun steht die EJS vor dem Aus.

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Seit 1995 bildet die Evangelische Journalistenschule (EJS) in Berlin Journalisten aus. Die Schule steht dabei in der Tradition der 1950 gegründeten Christlichen Presseakademie (cpa): "Die evangelische Kirche engagiert sich für eine fundierte Ausbildung junger Journalistinnen und Journalisten, um ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung in den Medien gerecht zu werden", so das Selbstverständnis der Evangelischen Journalistenschule EJS, nachzulesen auf der Webseite der Einrichtung. Diesem Gedanken sei die Schule bis heute verpflichtet, sagt der er noch amtierende Leiter der EJS in Berlin, Oscar Tiefenthal.

Die Idee: Journalisten mit Haltung statt ideologischer Gleichschaltung

"Die Ausbildung in der evangelischen Kirche im Journalismus gibt es schon seit den 1950er Jahren. Das nannte sich früher christliche Presseakademie, weil während der Nazizeit Journalismus sehr schnell zu Propaganda wurde", erklärt Tiefenthal die Gründungsidee. "So etwas soll nie wieder passieren und das Beste, was wir tun können, ist in die Ausbildung von Journalisten zu investieren." In den letzten 25 Jahren wurden in der Berliner Jebensstraße vis a vis vom Bahnhof Zoo mehr als 200 Volontäre ausgebildet, die mittlerweile zum Beispiel bei der Zeit arbeiten, bei der taz oder beim Spiegel, bei der Süddeutschen Zeitung, beim Tagesspiegel oder auch beim Bayerischen Rundfunk. Damit allerdings könnte zum Ende des Jahres Schluss sein.

Evangelische Journalistenschule vom Sparzwang bedroht

Denn kürzlich wurde bekannt, dass die Stelle des scheidenden Leiters nicht wieder ausgeschrieben wird. Ebenso eine zweite von drei Vollzeitstellen an der EJS. Dazu will Leiter Oscar Tiefenthal nichts sagen und verweist stattdessen an den Direktor des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik gep in Frankfurt am Main. Die Journalistenschule ist einer von sechs gep-Unternehmensbereichen. gep-Direktor Jörg Bollmann zeichnet ein düsteres Zukunftsszenario: "Allen Leuten im gep ist klar, dass wir ein Restrukturierungsprogramm von 1,9 Millionen Euro bewältigen müssen. Wir wollen einen Kostenblock abbauen ohne betriebsbedingte Kündigungen, indem wir uns alle Stellen ansehen, die durch Altersruhestand frei werden. Und das sind in der Evangelischen Journalistenschule zwei von drei Stellen. Das heißt, dass die evangelische Journalistenschule in Frage steht."

Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik will 1,9 Mio Euro sparen

Ziel seien 1,9 Millionen Euro Einsparung bis 2024, möglichst sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen, das habe er schon auf der letzten EKD-Synode im November 2019 angekündigt, so Bollmann. Die Evangelische Journalistenschule kostet jährlich rund 500.000 Euro. Die evangelische Publizistik - vom Evangelischen Pressedienst epd bis zur Zeitungsbeilage "chrismon" - werde schon jetzt von der EKD mit rund 12,1 Millionen Euro unterstützt, also rund 60% des Gesamtetats. Die restlichen 40% müsse das gep selbst erwirtschaften. Aber wo kürzen? Bollmann sieht nicht nur die Journalistenschule, sondern alle gep-Produkte und Werke auf dem Prüfstand. "Sie können mir glauben, alles was wir jetzt aufgeben müssen, ist schmerzhaft. Und wenn wir die Schule aufgeben müssten, dann wäre das schmerzhaft."

Absolventen: EKD trifft "fatale medienpolitische Entscheidung"

In einem offenen Brief an den EKD-Ratsvorsitzenden, den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, fordert der Förder- und Freundeskreis der EJS den Erhalt der Schule. Ragnar Vogt arbeitet heute beim Berliner Tagesspiegel und ist Vorsitzender des EJS-Freundeskreises, in dem mehr als 100 ehemalige EJS-Volontäre engagiert sind. Es geh jetzt auch um Prioritätensetzung, findet Vogt: "Das ist eine fatale medienpolitische Entscheidung, gerade in diesen Zeiten die Evangelische Journalistenschule zuzumachen. In Zeiten, wo der Rechtsextremismus in den Parlamenten angekommen ist, in solchen Zeiten braucht es Journalisten mit Haltung. Die auch dagegen halten können gegen diese Diskursverschiebung nach rechts."

Katholische Publizisten bieten Kooperation an

Dass die Ausbildung an der Evangelischen Journalistenschule ausgesetzt werden könnte - darauf reagierte die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands mit Bedauern und regte eine Zusammenarbeit mit dem katholischen Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) in München an. Von dort heißt es, man sei grundsätzlich offen für mögliche Formen der Zusammenarbeit. Ein quasi ökumenisches Ausbildungs-Konzept auszuarbeiten - das bräuchte auf jeden Fall viel Zeit. Die Evangelische Journalistenschule benötigt aber jetzt eine solide Finanzierung. Sonst wird der jetzt 13. der vorerst letzte Ausbildungsgang an der Evangelischen Journalistenschule gewesen sein.