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"Europa-Talk" - eine Stadt diskutiert über Toleranz | BR24

© Rundschau/Axel Mölkner-Kappl

Das Bayerische Bündnis für Toleranz hatte heute nach Pfeffenhausen bei Landshut eingeladen, um Demokratie hautnah zu erleben. Beim so genannten Europa-Talk diskutierten hunderte Bürger mit über 40 Prominenten aus Bayerns Politik und Gesellschaft.

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"Europa-Talk" - eine Stadt diskutiert über Toleranz

Diskutieren auf Augenhöhe: Dazu hat das Bayerische Bündnis für Toleranz gestern in Pfeffenhausen bei Landshut eingeladen. Beim so genannten "Europa-Talk" konnten sich gestern Bürger mit Prominenten aus Bayerns Politik und Gesellschaft austauschen.

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Volksfeststimmung am Dienstagabend in Pfeffenhausen im Landkreis Landshut. Hunderte Menschen sind im Ortskern unterwegs in die verschiedenen Wirtshäuser und Vereinsheime der kleinen niederbayerischen Marktgemeinde. Denn nun wird diskutiert beim Europa-Talk und zwar auf Augenhöhe mit den mehr als 40 Prominenten aus Bayerns Politik und Gesellschaft.

"Das ist so toll", sagt eine Frau begeistert, "ich finde es sehr schön, dass in meinem Heimatort das Thema Europa aufgenommen wird." Bodenhaftung kombiniert mit Europapolitik - das gefällt den Pfeffenhausenern. Ein Besucher ist überzeugt: "Da können die Prominenten sich das anhören, wie die kleinen Leute sich das Europa der Zukunft vorstellen."

Pfeffenhausen schmückt sich mit dem "Maibaum für Toleranz"

Die Wahl für den Diskussionsabend fiel auf Pfeffenhausen, da die niederbayerische Stadt im Mai erst vom Bayerischen Bündnis für Toleranz mit dem "Maibaum für Toleranz" ausgezeichnet worden war. Mit dabei beim Europa-Talk in den Pfeffenhausener Gasthäusern waren etwa der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag Katharina Schulze oder der DGB-Bayern-Chef Matthias Jena. Die Themen der insgesamt 16 Gesprächsrunden sind aktuell und kontrovers. Es geht um das, was viele Menschen beschäftigt: um soziale Gerechtigkeit in Europa, um Bildung und um Migration, Integration und den Islam. Im Pfarrheim diskutiert der Passauer Bischof Stefan Oster etwa mit der Chefin der Bayern SPD Natascha Konen über den Klimawandel als Fluchtursache.

Klimawandel und Migration - das sind Themen, die auch die jüngeren Generationen begeistern, wie die beiden Schülerinnen Amelie und Anna, die den Europa-Talk besuchen. "Sich selbst über ökologische und ökonomische Themen eine Meinung zu bilden, das finde ich wichtig, weil das vor allem für die jüngeren Leute von Bedeutung ist." Und ihre Freundin ergänzt: "Es regt zum Nachdenken an über das eigene Handeln und vielleicht auch die Konsequenzen, die es hat."

Europa, Migration, Leitkultur - Bürger mit Politpromis auf Augenhöhe

Ein paar Straßen weiter stehen die Besucher vor dem Feuerwehrhaus Schlange. Kurz vor der nächsten Talk-Runde kann nur noch eingelassen werden, wer sich angemeldet hatte. Etwas später reden dort unter anderem der Vorsitzende des Zentralrats der Juden Josef Schuster, der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die Grünen-Politikerin Sigi Hagl und der CSU-Politiker und Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern Joachim Unterländer mit den Bürgern. Etwa über die Frage, was eigentlich gemeint ist, wenn vom "christlich-jüdischen Abendland" die Rede ist und ob es eine europäische Leitkultur gibt.

Die Diskussion ist lebhaft. Landesbischof Bedford-Strohm stellt sich auf den Standpunkt, dass Europa seine Leitkultur vor allem seinem Bekenntnis zu Menschenrechten und Menschenwürde verdanke. "Toleranz gilt da nicht, wo die Intoleranz zum Programm gemacht wird", schlussfolgert der Landesbischof, "wo also Leute sagen, wir grenzen bestimmte andere aus. Wenn die Menschenwürde in Gefahr gerät, da gibt es keine Toleranz. Da müssen wir streiten. Da müssen wir tun, was wir können, um diese Grundorientierung Europas stark zu machen." Wer von einer christlich-jüdischen Leitkultur spreche, der riskiere, andere auszuschließen, mahnt wiederum die Landtags-Grüne Sigi Hagl an. Immer wieder werde so beispielsweise Muslimen abgesprochen dazuzugehören.

Von Europamüdigkeit oder Politikverdruss nichts zu spüren

Am Ende hatten bei den Gesprächsrunden in Pfeffenhausen die Bürger das Wort. Es gab viel Lob für die Standpunkte der Diskutanten, aber auch einiges an Kritik. Die konnten die Bürger beim Europa-Talk in Pfeffenhausen direkt an diejenigen richten, die in Politik und Gesellschaft an den verantwortlichen Stellen sitzen. Und am Ende waren sich zumindest in einem Punkt alle einig: miteinander reden, zuhören, auch mal etwas stehen lassen und den eigenen Standpunkt überdenken – das lohnt sich.

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