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Esmé Bianco: "Marilyn Manson hat mich beinah zerstört" | BR24

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Bildrechte: Evan Agostini/Picture Alliance

Esmé Bianco

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    Esmé Bianco: "Marilyn Manson hat mich beinah zerstört"

    Neue Vorwürfe gegen den "Schock-Rocker": Nach mehreren Frauen, darunter Evan Rachel Wood, hat jetzt auch die aus "Game of Thrones" bekannte britische Schauspielerin und Burlesque-Tänzerin Bianco ihre Missbrauchserfahrungen öffentlich gemacht.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die Karriere von Marilyn Manson liegt längst in Trümmern: Seine Plattenfirma warf ihn raus, Fernsehverträge wurde storniert, seine Agentur löschte seine Daten. Grund dafür: Inzwischen haben mehr als ein Dutzend Frauen ihre massiven Gewalterfahrungen mit dem weltbekannten "Gothic"-Sänger öffentlich gemacht, die meisten über soziale Netzwerke. Im "New York Magazine" berichtete jetzt die britische "Game of Thrones"-Darstellerin Esmé Bianco über ihre traumatischen Erlebnisse mit Manson, der mit bürgerlichem Namen Brian Hugh Warner heißt. Der Musiker sei aus ihrer Sicht von einem "Vorbild, das mir wirklich durch eine unfassbar düstere und schwere Zeit half, als ich Teenager war", zu einem "Monster" geworden, das sie und "so viele andere Frauen" beinahe zerstört habe. Der Anwalt von Manson soll auf diese Äußerungen nach Angaben des "New York Magazine" bisher nicht reagiert haben.

    Esmé Bianco will schon als 16-jährige ein großer Fan von Manson gewesen sein und nach der Selbsttötung einer Freundin von dessen düsterer Musik fasziniert gewesen sein. Was die Schauspielerin, die in "Game of Thrones" als "Ros" zu sehen war, besonders aufbringt: Manson habe seine aggressiven Fantasien und Taten ganz offen ausgelebt, allerdings hätten seine Manager immer behauptet, das sei alles nur Show. Tatsächlich sind die Videos des Sängers ebenso brutal und blutig wie einst seine Live-Konzerte.

    Manson lud sie zu "Dreharbeiten" nach Los Angeles

    Bianco begegnete Manson 2005 über ihre Bekannte Dita Von Teese, ebenfalls eine sehr bekannte Burlesque-Tänzerin, die ein Jahr mit Manson verheiratet war und ihn kürzlich vor den Anklagen zahlreicher Frauen ausdrücklich in Schutz nahm. Soweit sich Bianco erinnert, wollte Manson sie in einem Horrorfilm besetzen, den er damals plante. Ihre Freundschaft sei zunächst "rein platonisch" gewesen. Erst ab 2009 habe sich das geändert. Damals kontaktierte sie Manson angeblich, weil er nach eigenen Worten ein "Opfer" für ein SM-Musikvideo suchte. Er lud sie zu "Dreharbeiten" nach Los Angeles ein, zahlte ihr das Flugticket von London und soll sie dann unter Kokain-Einfluss schwer misshandelt haben. Sie habe drei Tage in Unterwäsche ausharren müssen und sei von dem Rocker mit Kabelbindern, einer Peitsche und einem elektrischen Sexspielzeug gequält worden. Die Kamera habe Manson im Rausch auf einen Rauchmelder geschmettert, ein Video ist nie veröffentlicht worden.

    © HBO/Picture Alliance
    Bildrechte: HBO/Picture Alliance

    Esmé Bianco als "Ros" in "Game of Thrones"

    Gleichwohl setzte Bianco ihre Beziehung zu Manson fort, allerdings nur sporadisch und auf Distanz. Im März 2011 lud der Sänger sie schließlich ein, bei ihm einzuziehen und mit seiner Hilfe an ihrer Karriere zu arbeiten. Bianco verließ den Mann, den sie zwischenzeitlich geheiratet hatte und ging nach Los Angeles. Nach einem kurzen "Honeymoon" habe sie sich bei Manson "wie eine Gefangene" gefühlt, so Bianco: "Ich kam und ging nach seinem Belieben. Mit wem ich sprach, wurde vollkommen von ihm kontrolliert. Wenn ich meine Familie anrief, musste ich mich auf der Toilette verstecken." Das Haus sei eiskalt, die Zimmer ständig mit schwarzen Vorhängen verhüllt gewesen und "monogam", wie sie es vereinbart hätten, sei Manson auch nicht gewesen. Außerdem habe er sie vor Besuchern als "Hure" beschimpft und mehrfach Sexszenen mit ihr aus "Game of Thrones" vorgeführt, um sie zu erniedrigen. Im Mai 2011, zwei Monate nach ihrem Einzug, sei der Rocker mit einer Axt auf sie losgegangen, daraufhin trennte sie sich von ihm.

    Sie engagierte sich für Strafrechtsreform in Kalifornien

    Seit dem Ende ihres Engagements bei "Game of Thrones" 2013, wo sie in ihrer Rolle als Prostituierte "Ros" mehrfach misshandelt wurde und Folterszenen ausgesetzt war, fiel es Bianco schwer, beruflich Anschluss zu halten. Sie leidet nach eigenen Angaben unter den Folgen ihrer Missbrauchserlebnisse, hat Panikattacken, kann nachts nicht schlafen und war jahrelang in Therapie. "Ich habe es ja nicht anders verdient und bin selbst schuld", sagte sie sich demnach immer wieder.

    2019 engagierte sie sich gemeinsam mit Evan Rachel Wood dafür, das kalifornische Strafgesetz in Fällen von häuslicher Gewalt zu verschärfen. Damals galt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Mit dem "Phoenix Act", der 2020 in Kraft trat, wurde diese Frist auf fünf Jahre verlängert. Im Zusammenhang mit den parlamentarischen Beratungen sagte Bianco auch als Betroffene aus, nannte damals wie auch Wood allerdings nicht den Namen von Manson.

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