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ESC-Teilnehmer Bilal Hassani wird massiv angefeindet | BR24

© Bilal Hassani/Youtube

Bilal Hassani nimmt im Mai für Frankreich am Eurovision Song Contest in Tel Aviv teil

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    ESC-Teilnehmer Bilal Hassani wird massiv angefeindet

    Der 19-jährige Sänger soll im Mai für Frankreich am Eurovision Song Contest in Tel Aviv teilnehmen. Nach massiven Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen auch wegen seiner Homosexualität hat er jetzt Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

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    Nach einer Welle von Schmähungen hatte Hassani in einem Interview geäußert: "Ich bin hundert Prozent ich selbst - trotz all der Leute, die mir im Internet sagen, dass ich nicht für Frankreich stehe." Die Unterstützer von Hassani, der ein großer Fan der österreichischen Drag Queen Conchita Wurst (Thomas "Tom" Neuwirth) ist, zählten nach dessen Nominierung bereits mehr als 1500 Tweets, die "beleidigend und diskriminierend" seien. Die französische Bürgerrechts-Organisation "Urgence Homophobie", die gegen jede Art von Sexismus und Gewalt kämpft, sprach von einer geradezu "halluzinatorischen Welle" von Hass und kündigte an, gegen die Beschimpfungen juristisch vorzugehen. Einer der Anwälte von Hassani hat nach Angaben der Agentur AFP inzwischen Anzeige gegen Unbekannt wegen "Beleidigung, Aufruf zum Hass und zur Gewalt sowie homophobe Drohungen" erstattet. Der Sänger sei unter anderem als "Pädophiler", "Schande für Frankreich" oder auch als "Araber mit Perücke" geschmäht worden. Hassani stammt aus einer Familie mit marokkanischen Wurzeln.

    Erfolgreich bei Twitter und Youtube

    Hassani ist in den sozialen Netzwerken sehr erfolgreich. Auf Instagram hat er mehr als 381 000 Follower, bei Twitter 122 000. Seinen Youtube-Kanal haben knapp 800 000 Fans abonniert, der am 4. Januar 2019 erstmals veröffentlichte Song "Roi" wurde schon sechs Millionen Mal abgerufen. Im Text heißt es: "Wenn ich träume, bin ich ein König." Es geht um Selbstachtung, auch gegen soziale Widerstände. Mutter Amina steht an der Seite ihres Sohnes, auch in Youtube-Videos. An Selbstbewusstsein mangelt es Hassani grundsätzlich nicht: Er will schon im Alter von zehn Jahren einen möglichen Vertrag mit einem Platten-Label "wegen künstlerischer Differenzen" abgelehnt haben, wie das Fachmagazin "Billboard" bemerkt. Dort wird der Sänger mit den Worten zitiert, die Musikindustrie habe ihn gedrängt, als "Teenie-Modell" einem Star wie Justin Bieber nachzueifern. Zwar habe er das für "cool" gehalten, sich damit aber letztlich nicht anfreunden können.

    Die Jury wollte ihn nicht

    Am vergangenen Samstag war Bilal Hassani, der seine Kindheit in Osny (Val-d'Oise) verbrachte, mit seiner Hymne "Roi" ("König") im nationalen französischen Vorentscheid auf dem Sender France 2 zum ESC-Teilnehmer gekürt worden. Die Jury aus Fachleuten benotete einige Konkurrenten allerdings besser und platzierte Hassani nur auf Rang fünf, doch die Zuschauer beim Online- und Telefon-Voting bescherten dem seit 2017 offen homosexuellen Sänger schließlich einen klaren Sieg. Hassani, der in Paris geboren wurde, hatte in Frankreich schon vor vier Jahren Fernseherfahrung gesammelt: 2015 nahm er an der Casting-Show "The Voice Kids" teil. Den aktuellen Song komponierte er gemeinsam mit dem Duo "Madame Monsieur", die im vergangenen Jahr Frankreich beim ESC vertreten hatten und mit ihrem Song "Mercy" auf Platz 13 landeten. Zuletzt siegte Marie Myriam 1977 für Frankreich beim ESC mit ihrem Song "L’oiseau et l’enfant".

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