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Arik Brauer

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    "Es gibt zwei Ewigkeiten": Maler und Sänger Arik Brauer ist tot

    Er war Maler, Grafiker, Bühnenbildner, Sänger von "Austropop"-Dialektliedern und wurde auch als "Universalkünstler" bezeichnet. Brauer galt als einer der Hauptvertreter der Wiener Schule des "Phantastischen Realismus". Mit 92 Jahren ist er gestorben.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Die Preise für seine Bilder auf dem Kunstmarkt fand Arik Brauer im Alter "fast obszön", zumal er nicht alle seine Werke selbst für gelungen hielt, ja zahlreiche frühe Arbeiten sogar noch einmal überarbeitete. Den "Phantastischen Realismus", der sein Markenzeichen war und der ihn mit so bekannten Künstlern wie Friedensreich Hundertwasser und Ernst Fuchs verband, hielt er für die "letzte Rose" des Surrealismus. Dabei hätten er und seine Kollegen es damals gar nicht auf die "Erfindung" eines neuen Kunststils angelegt, so der gebürtige Wiener Brauer in einem Interview, das er zu seinem neunzigsten Geburtstag gab: "Wir waren eine Gruppe junger Studenten, die figurative, phantasievolle Malerei betrieben hat, und das in einer Zeit, wo das überhaupt nicht aktuell war. Hierzulande waren wir mit unserer altmeisterlichen Technik verpönt. Aber wir haben international ausgestellt, der Fuchs, der Hundertwasser und ich. Wir haben alle unsere Villen nicht geerbt, sondern ermalt."

    In den USA galt er als "skurril"

    Bis heute wird der "Phantastische Realismus" von vielen Kunstexperten belächelt, wegen der grellen Farben, der auf den ersten Blick biederen Gegenständlichkeit, die manchen an die Titelbilder von Groschenheften erinnert. Andererseits waren Brauer und seine Kollegen mit ihren Arbeiten international äußerst erfolgreich. Er selbst soll rund 2.000 Werke geschaffen haben, empfand die Malerei als eigentliche Berufung und verkaufte bis nach Japan. In den USA dagegen hatte es diese Stilrichtung schwer, wurde eher als skurril abgetan. Doch das hat Brauer nie gestört, er bekannte sich mehrfach dazu, abseits des Mainstreams zu stehen und sich damit wohlzufühlen. Als das Wiener Jüdische Museum 2019 Arik Brauer anlässlich dessen 90. Geburtstags eine umfassende Werkschau widmete, zog die Ausstellung 54.000 Besucher an und war damit die zweiterfolgreichste Schau des Museums.

    Zeitweise stattete Brauer auch Opern aus, etwa 1977 Mozarts "Zauberflöte" in Paris oder Cherubinis "Medea" 1972 an der Wiener Staatsoper.

    "Ich wollte nicht Popstar werden"

    Arik Brauer, Jahrgang 1929, war der Sohn eines jüdischen Schuhmachers aus Litauen. Sein Vater wurde im Holocaust ermordet, er selbst überlebte in einem Versteck. Nach dem Krieg studierte Brauer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er bis 1997 auch als Kunstprofessor unterrichtete. Zwischen 1951 und 1954 reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika. Von 1956 bis 1964 lebte Brauer, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Erich Bauer hieß, mit seiner Frau in Paris, wo die beiden auch als Gesangsduo auftraten.

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    Bildrechte: Georg Hochmuth/Picture Alliance

    Arik Brauer am Mikrofon

    "Ich wollte nicht Popstar werden, sondern Texte schreiben zum damals in keinster Weise aufgearbeiteten Faschismus und habe mich schon sehr früh mit Umweltproblemen beschäftigt, da war das Wort Umwelt noch gar kein Begriff", so Brauer. Es seien "Lieder mit einem Protestsongcharakter" gewesen. Motiviert wurde er dabei nach eigener Aussage vom Künstlerkollegen H.C. Artmann. Vor allem in den siebziger und achtziger Jahren landete Brauer so manchen Austropop-Hit: "Sie hab'n a Haus baut", "Hinter meiner, vorder meiner".

    Ihm sei es ausschließlich um die Inhalte und nicht um die Musik gegangen, beteuerte Brauer immer wieder. Er sah sich in der Tradition der Französischen Revolution, des russischen Widerstands und verstand seine Songs als "gesungene Witze" oder vertonte Karikaturen, die er im Dialekt leicht verfremden konnte. Viele seiner Texte seien "zu seinem großen Leidwesen" aktuell geblieben, so Brauer.

    Er irritierte mit seiner politischen Haltung

    Mit seiner politischen Haltung irritierte Brauer immer wieder sein Publikum. In der Jugend war er überzeugter Kommunist: "Als die Russen in Budapest einmarschierten, bin ich nach Israel gefahren. Damit war die Sache für mich erledigt." Im Alter sorgte er für Schlagzeilen, weil er behauptete, die Juden in Österreich müssten sich vor Rechten weniger fürchten als vor arabischen Zuwanderern. Die Flüchtlinge importierten einen "neuen Antisemitismus". So sagte er dem "Standard" im Januar 2019, die FPÖ "abzulehnen und auf der Seite der Gerechten zu stehen ist wunderbar, führt aber leider zu nichts": "Ich nähere mich nicht der FPÖ an, ich nähere die FPÖ uns an. Ich nehme das Risiko auf mich, Widerspruch zu provozieren, und sage das, was ich für richtig halte."

    Ungeachtet der Debatte über Brauers politische Haltung sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen: "Österreich wird diese Stimme, die so sanft und klar war, vermissen. Und sich dankbar dessen erinnern, was Arik Brauer unserem Land geschenkt hat."

    Arik Brauer ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Seine letzten Worte sollen nach Mitteilung seiner Familie gewesen sein: "Ich war so glücklich mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit meiner Kunst und meinem Wienerwald. Aber es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht."

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