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Die Künstlerin Liat Grayver mit dem Malroboter "e-David"

Bildrechte: Liat Grayver, 2016
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Erste Werke von "e-David" in Leipzig

Künstliche Intelligenz im Kreativbereich - keine Seltenheit. "Emily" versucht zu komponieren wie Bach, "Watson" auf Gourmetniveau zu kochen. Und der Roboter "e-David" malt. Erstmals sind seine Bilder in Leipzig zu sehen. Von Lena Held

Von
Barbara KnopfBarbara Knopf
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Ein gut zwei Meter großer und knapp drei Tonnen schwerer Roboter bewegt präzise seinen orangefarbenen Arm. In seiner Greifzangen-ähnlichen Hand hält er einen hölzernen Pinsel, den er nun vorsichtig in marineblaue Ölfarbe taucht. Sachte trägt er die Farbe auf eine Leinwand auf. Strich für Strich. Ursprünglich wurde der Industrieroboter zum Schweißen von Autokarosserien entwickelt, heute malt e-David ein abstraktes Gemälde. Unter seinem Arm hindurch schlängelt sich die Malerin Liat Grayver. Auch sie hält einen Pinsel in der Hand mit dem sie gelegentlich auf die Leinwand malt, um dann abzuwarten wie der Roboter auf ihre Interventionen reagiert.

Die Maschine zwischen Werk und Künstler

Die Künstlerin Liat Grayver beschäftigt sich intensiv mit Algorithmen, Codes und Parametern. Wie das Bild am Ende aussieht, bleibt dennoch meist unvorhersehbar. Denn der Roboter beobachtet über eine Kamera selbst, was er tut und kann interaktiv auf Veränderungen im Bild eingehen. Visual Feedback System heißt diese Funktion, die ihn von einfacheren Malmaschinen unterscheidet.

Wie bei der Druckgraphik oder der Fotografie tritt eine Maschine zwischen Künstler und Werk. Die Malerin Liat Grayver betrachtet den e-David als ein weiteres Werkzeug, mit dem sie auf künstlerische Weise Bilder schaffen kann. Sie konfrontiert die Maschine, die stets logische Strukturen schafft, mit dem zufälligen Chaos ihrer gestisch abstrakten Malerei. In Malerkreisen wird der e-David im Atelier aber vorerst noch skeptisch beäugt.

„Professoren im Malereibereich haben mir gesagt, das hat mit der Malerei nichts zu tun, obwohl ich da doch mit Pinsel und Farbe arbeite. Es hat die ganze Art und Weise, wie ich die Malerei sehe, geändert. Auch mich selbst. Wie ich mit meinem Körper umgehe, diese ganzen Sachen, die ich für selbstverständlich genommen habe- mit dem Computer verstehe ich, wie kompliziert es ist – das dauert Ewigkeiten –, Striche zu schaffen. Ich versuche zu verstehen, warum mache ich, was ich mache?“ Liat Grayver
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