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Eröffnung der Hofer Filmtage mit "Baumbacher Syndrome" | BR24

© Bayern 2

Es ist eines der familiärsten Filmfestivals Deutschlands: Ab heute zeigen die Hofer Filmtage wieder, was insbesondere das junge deutsche Kino zu bieten hat. Zum Start gab es mit "Baumbacher Syndrome" einen Film mit einer märchenhaft-absurden Story.

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Eröffnung der Hofer Filmtage mit "Baumbacher Syndrome"

Es ist eines der familiärsten Filmfestivals Deutschlands: Ab heute zeigen die Hofer Filmtage wieder, was insbesondere das junge deutsche Kino zu bieten hat. Zum Start gab es mit "Baumbacher Syndrome" einen Film mit einer märchenhaft-absurden Story.

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Sie brutzeln wieder, die Brodwäschd. Das tun sie in Hof zwar auch fernab der Filmtage, aber wenn das jährliche Filmfestival in der oberfränkischen Stadt Einzug hält, rücken selbst die Wurstwaren in den Fokus der Berichterstatter. Denn der Stand vor dem Central Kino, einem der zwei Festivalspielorte in der Hofer Altstadt, ist seit Jahrzehnten fixer Bestandteil der Filmtage, ist er doch gleichermaßen Treff für Filmemacher und Kinobesucher.

"Das Kino lebt!"

Aber nicht nur die Würstchen brutzeln an den sechs Festivaltagen, auch die Emotionen kochen hoch. Insbesondere bei Festivalleiter Thorsten Schaumann: "Das Kino lebt!", ruft er in den Saal. "Wer sagt das? Hof!" Sichtbar glücklich und wie immer unverhohlen aufgeregt eröffnet Schaumann die 53. Hofer Filmtage mit einem Film, den er ausgewählt habe, weil er Kopf, Bauch und Herz anspreche. Vor allem aber lässt das Werk mit dem Titel "Baumbacher Syndrome" aufhorchen. Denn Hauptfigur Max Baumbacher, gespielt von Tobias Moretti, wacht eines Morgens mit einer außergewöhnlich tiefen Stimme auf.

Gemeint ist damit nicht etwa eine kurzfristige Stimmbandüberlastung, ausgelöst von einer Nacht mit zu viel Alkohol und Nikotin, sondern eine Stimme, wie sie sonst nur Disney-Ungeheuer haben. Von einem solchen ist das moderne Märchen auch inspiriert, erklärte Regisseur Gregory Kirchhoff nach der Premiere seines nunmehr dritten Spielfilms mit Verweis auf "Beauty and the Beast": "Den habe ich damals gesehen. Ich bin großer Disney-Fan und ich fand die Stimme so besonders. Und dann habe ich überlegt, was bewegt mich gerade, worüber denke ich viel nach? Und ich habe über Werte und menschliche Moral nachgedacht, und dachte mir, das könnte man mit dem Thema ganz schön verbinden, mit der Stimme."

© Kimotion Pictures

Morettis Filmsohn Damian wird von Morettis wirklichem Sohn Lenz Moretti gespielt

Wie zeigt man einen moralischen Wandel?

Das Drehbuch des 27-jährigen Hamburgers ist zwar originell, jedoch nicht ganz ausgereift. Denn wie in "Die Schöne und das Biest" vollzieht auch die Hauptfigur im "Baumbacher Syndrome" einen moralischen Wandel und realisiert, dass Arroganz und Überheblichkeit sie sozial isoliert haben. Diese Erkenntnis gewinnt der von den Medien Gejagte in zahlreichen Gesprächen – mit einer Journalistin, mit seinem Agenten, mit seinem Sohn, mit einer fremden jungen Frau: jener Schönen, die dem Biest die Augen öffnet.

Was bei der Fülle von in Close-ups gefilmten Gesprächen jedoch zu kurz kommt, ist das Vorleben der Hauptfigur sowie der Zeitraum, in dem Baumbacher zum weltweiten Phänomen und medialen Objekt reduziert wurde. Um seinen inneren Konflikt nachvollziehbarer zu machen, wäre es besser gewesen, diesen Part auszubauen und dafür einige der Gesprächssequenzen zu verschlanken.

Netzwerken am Bratwurststand

Knappe, aber effektive Gespräche werden übrigens auch in den nächsten Tagen eine wichtige Rolle für junge Filmemacher spielen. Denn Festivalleiter Thorsten Schaumann, der beständig daran arbeitet, die Hofer Filmtage für den Nachwuchs noch interessanter zu machen, hat mit seinem Team einen neuen Programmpunkt erarbeitet: eine Pitching Session namens "Sieben Minuten": "Dort haben wir in einer Ausschreibung fünf Projekte ausgewählt von Filmschaffenden, die am Anfang stehen," erklärt Schaumann, "und die Möglichkeit haben, mit fünf BranchenexpertInnen in sieben Minuten in Einzelgesprächen ihr Projekt vorzustellen. Und dann bekommen sie sieben Minuten Rückmeldung."

Sollte das professionelle Vernetzen dann doch zu knapp bemessen sein, gibt es ja immer noch diese eine Networking-Kultstätte, wie es sie nur auf einem so durch und durch familiären Festival wie den Hofer Filmtagen geben kann: "Ich sag ja immer: Wir haben keinen roten Teppich, wir haben keinen blauen Teppich, dafür gibt's bei uns vorm Kino den Bratwurststand, wo sich alle treffen und austauschen", so Schaumann. "Schmeckt auch viel besser als das gleißende Licht."

Die 53. Internationalen Hofer Filmtage finden vom 22. bis 27. Oktober in verschiedenen Kinos in Hof statt.

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