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Erneuter Finanzskandal im Vatikan: "schwarze Dame" verhaftet | BR24

© picture-alliance/Gregorio Borgia

Da braut sich was zusammen: Ein Finanzskandal überschattet den Vatikan.

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    Erneuter Finanzskandal im Vatikan: "schwarze Dame" verhaftet

    Nach dem Rücktritt von Kardinal Angelo Becciu nach dubiosen Finanzgeschäften ist nun dessen Beraterin Cecilia Marogna verhaftet worden. Der Vorwurf: Millionen-Veruntreuung.

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    Blitzlichtgewitter im Vatikan. Erstmals ist der australische Kardinal George Pell wieder bei Papst Franziskus. Eine halbe Stunde lang sprechen die beiden. Es ist eine Privataudienz zu Beginn der Woche, die viel Aufsehen erregt. Denn mehr als 400 Tage hatte der ehemalige Kurienkardinal Pell in seiner Heimat Australien in Haft verbracht. Zunächst verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs an zwei Chorknaben, sprach ihn dann das oberste australische Gericht frei. Einst war er der wichtigste Mann für die Neuordnung der Finanzen der Kurie.

    Papst empfängt den geschassten Kardinal Pell

    Für Massimiliano Coccia ist der freundliche Empfang ein Vertrauensbeweis. "Der Papst vertraut Pell, glaube ich", so der Investigativjournalist. "Der Papst hatte eine sehr konsequente Haltung gegenüber dem Gerichtsverfahren von Pell. Er hat ihn nie aufgefordert, wie er es bei Becciu gemacht hat, als Kardinal zurückzutreten."

    Rücktritt von Kardinal Becciu nach dubiosen Geldgeschäften

    Angelo Becciu, von dem es stets hieß, dass er die Finanzreformen im Vatikan behindern wolle, musste vor drei Wochen nicht nur sein Amt abgeben, sondern verlor auch alle Rechte und Pflichten als Kardinal. Eine offizielle Begründung des Vatikan gab es nicht, Hintergrund könnten allerdings dubiose Finanzgeschäfte von Becciu sein. So soll er beispielsweise eigene Familienmitglieder bei Sozialprojekten mit Geldern aus dem vatikanischen Staatssekretariat unterstützt haben. Unter seiner Leitung wurde auch eine Luxusimmobilie in London erworben, bei den Geschäften sahnten einige Mittelsmänner richtig ab.

    All das hat Massimiliano Coccia für das Magazin Espresso recherchiert. "Der Eindruck, den ich bekommen habe, als ich mich mit den Papieren und mit der Untersuchung beschäftigt habe, die zu dem Rücktritt von Kardinal Becciu geführt hat, war, dass Becciu einen Staat im Staat geschaffen hat", erklärt der Journalist. "Das ist in dieser Phase das wichtige Thema, denke ich. Becciu hat ein Parallelsystem zur Macht von Papst Franziskus geschaffen."

    Vorwurf der Veruntreuung: Becciu-Beraterin Marogna verhaftet

    Zu diesem Zirkel soll auch Cecilia Marogna gehört haben, eine ehemalige Mitarbeiterin des Staatssekretariats. Die 39-Jährige, die von italienischen Medien "die neue schwarze Dame des Vatikan" genannt wird, wurde Mitte der Woche mit einem Haftbefehl der Staatsanwaltschaft des Heiligen Stuhls in ihrer Mailänder Wohnung festgenommen. Sie soll viel Geld veruntreut haben, die Rede ist von einer Million Euro. Marogna hatte als Beraterin eng mit Angelo Becciu zusammengearbeitet. Der Vorwurf: Gelder aus dem Staatssekretariat sollen auf ihre Konten im Ausland geflossen sein, dafür habe Marogna teure Handtaschen, Parfüm und Möbel gekauft. Sie selbst spricht Medien gegenüber von Auslandsoperationen, von Reisen nach Afrika, von Geiselbefreiung und der Beschaffung wichtiger Informanten. "Ihre Rolle in dieser Vatikanstruktur scheint die gewesen zu sein, Lobbying-Aktiväten für Kardinal Becciu voranzutreiben", erklärt Massimiliano Coccia vom "Espresso". "Sie handelte also im Auftrag Beccius, stellte Leute einander vor, löste Probleme, die aufkamen. Deshalb spreche ich vom Staat im Staat."

    Papst treibt Finanztransparenz mit neuer Kontrollkommission voran

    Papst Franziskus scheint weiterhin fest an der angekündigten Transparenz und der Reform der Finanzen festzuhalten. Gerade habe er eine eigene Kommission errichtet, die vertrauliche Aktionen der Dikasterien - also der vatikanischen Behörden - genehmigen muss, so verlautet es aus dem Vatikan. Damit sollen künftig intransparente Finanzgeschäfte von Kurienbehörden ausgeschlossen sein. Beim Angelus-Gebet vor zwei Wochen machte der Papst überdies erneut klar, was er von einem Missbrauch von Macht hält: "Die Vollmacht ist ein Dienst, und als solcher muss sie zum Wohle aller und für die Verbreitung des Evangeliums ausgeübt werden. Es ist hässlich zu sehen, wenn in der Kirche Menschen, die Vollmacht haben, ihren eigenen Vorteil suchen."

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