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Erinnerung im Judentum | BR24

© BR / Bettina van Recum

Viele jüdische Feiertage fußen auf der Erinnerung. Lange zurückliegende Ereignisse werden buchstäblich nacherlebt. So konnte eine kollektive Identität über die Jahrhunderte aufrechterhalten werden.

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Erinnerung im Judentum

Viele jüdische Feiertage fußen auf der Erinnerung. Lange zurückliegende Ereignisse werden buchstäblich nacherlebt. So konnte eine kollektive Identität über die Jahrhunderte aufrechterhalten werden.

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Eine Dachkammer, ein kleines Geheimnis. Dank baulicher Finessen lassen sich die vier Dachklappen so öffnen, dass der Nachthimmel sichtbar wird. So wird die Dachkammer zur Laubhütte, denn die braucht zwingend ein flexibles Dach, durch das man die Sterne sehen kann. Viele Generationen haben in diesem Haus, in dem heute das Jüdische Museum Franken untergebracht ist, das Laubhüttenfest gefeiert.

Erinnerung erleben

Das Erinnern ist im Judentum so wichtig, dass man an bestimmten Feiertagen so weit gehe, zu versuchen, Dinge physisch nachzuerleben, erklärt Museumsdirektorin Daniela Eisenstein: "Die Laubhütte wird ja im Herbst genutzt, das ist eine kalte Jahreszeit und eine Woche lang isst man zumindest seine Mahlzeiten in der Laubhütte". Manche übernachten auch darin und ziehen ganz in die Laubhütte ein. Eine ganz körperliche Erinnerung an die Flucht aus Ägypten, wie sie in der Tora geschildert wird. Damals ist das jüdische Volk ohne Zuhause und ohne festes Dach über dem Kopf vierzig Jahre lang durch die Wüste gezogen.

Eintauchen in die Gemeinschaft

Das Erinnern spielt in der hebräischen Bibel eine Schlüsselrolle. In den fünf Büchern Mose kommt der Imperativ "Zachor", also, "Erinnere Dich, gedenke!" fast 170 Mal vor. Diesem Auftrag sind die Gläubigen seit jeher nachgekommen. So zum Beispiel mit den sogenannten Memorbüchern. Das Jüdische Museum Franken ist im Besitz eines besonders kostbaren Exemplars, nämlich des sogenannten Wiener Memorbuchs aus dem Jahr 1633. Die jüdische Familie Fränkel brachte es aus Wien mit nach Fürth.

Das Gedächtnis mitnehmen

Memorbücher, erläutert Daniela Eisenstein, entstanden im Mittelalter, im Zusammenhang mit der Vertreibung von Juden. "Nur so konnte man sich an die Toten erinnern und das Gedächtnis an diese Personen im Gebet, in der Gemeinschaft weiterführen." Neben den Namen der Verstorbenen und den wöchentlichen Gebeten ist im Buch aber noch viel mehr festgehalten. Etwa, ob ein bestimmtes Gemeindemitglied rituelle Beschneidungen vorgenommen, in der Gemeinde vorgebetet hat oder fromm und gelehrt war. "Das ist wichtig", so Daniela Eisenstein, "denn man weiß nur, wer man ist, wenn man die Vorfahren kennt".

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