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Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus und Moderatorin Anna Kemmer vor der Pforte der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg

Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus und Moderatorin Anna Kemmer reden über das Gesprächsangebot "Exit?" der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg.

Bildrechte: BR
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    Enttäuscht von der Kirche: Gesprächsangebot "Exit?" in Nürnberg

    Der Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus bietet in der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg ein besonderes Gesprächsangebot an: "Exit?" richtet sich an alle, die von der Kirche enttäuscht sind, aus der Kirche austreten wollen oder schon ausgetreten sind.

    Von
    Diana Isabel GeierDiana Isabel GeierAnna KemmerAnna Kemmer
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    Auf dem Weg zwischen Bahnhof und der Nürnberger Lorenzkirche liegt – ein bisschen unscheinbar von außen – die Offene Kirche Sankt Klara. An ihr kommen Menschen unterschiedlichster Religion vorbei. Kein Wunder, schließlich sind in der einstigen Stadt der Reformation nur noch etwa die Hälfte der Bewohner überhaupt Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. Eine Tendenz, die für ganz Deutschland gilt. Offen steht die Kirche für jeden. Sie bietet einen Ort der Stille in der hektischen Stadt – zum kurzen Verweilen, zum Trost finden, zum Kraft tanken.

    Die Offene Kirche Sankt Klara in Nürnberg

    Der Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus leitet die City-Kirche Sankt Klara. Hier trifft er die unterschiedlichsten Menschen. Manche brauchen einfach jemanden, der zuhört, weil jemand gestorben ist oder weil sie ihren Job verloren haben. Viele Menschen aber möchten über ihren Glauben sprechen, ihre Zweifel und ihren Frust über die Institution Kirche.

    "Exit?" - Die große Enttäuschung von der Kirche

    Das Gesprächsangebot "Exit?" von Ansgar Wiedenhaus richtet sich explizit an jene Menschen, die der Kirche den Rücken kehren wollen oder schon ausgetreten sind: "Die Idee war, Leuten, die überlegen, aus der Kirche auszutreten oder schon ausgetreten sind - oder gerade auf der Kippe stehen - zu begleiten. Und eben nicht zu sagen 'Guckt doch auf all das tolle und bleibt doch noch', sondern sie wirklich zu begleiten."

    Wiedenhaus geht es nicht darum, die Menschen, die zu ihm kommen, vom Austritt abzuhalten. Er nimmt sie und ihre Gefühle ernst.

    "Die einen, die sozusagen noch dabei bleiben, nehmen ihre Kirche wahr als einen wirklichen Trümmerhaufen - als etwas, was gerade wirklich kaputt ist. Und die anderen, die gehen, die fühlen sich, als ob sie ihre Heimat verlieren, als ob sie ins Exil gehen. Und ich glaube, meine Aufgabe ist, für die da zu sein, die durch die Trümmer laufen und den Kontakt zu denen zu halten, die im Exil sind. Und beiden klarzumachen: Wir gehören weiter zusammen." Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus, Offene Kirche St. Klara in Nürnberg

    Die Kirche ist zu fern von der Lebenswirklichkeit

    Finanzielle Veruntreuung und sexueller Missbrauch seien große Themen, aber viele fühlen sich vor allem in ihrer Lebenswirklichkeit in der Kirche nicht mehr aufgehoben. Wenn eine Frau ihm erzähle, dass sie glücklich mit ihrer Partnerin sei und dass dies das Schönste in ihrem Leben sei, doch ihre religiöse Heimat erkenne sie darin nicht an und man sage zu ihr, sie sei falsch, so sei das etwas unheimlich Brutales, sagt Wiedenhaus. "Das ist traurig, wenn man für eine Institution arbeitet, die nicht den Mumm hat, sich so zu ändern, dass sie menschlich wird."

    Was für Reformen braucht die Kirche heute?

    Ansgar Wiedenhaus hat mit einigen Menschen Gespräche geführt, die ihre Entscheidung für sich getroffen haben, aus der katholischen Kirche auszusteigen. Viele Reformen sind im Gespräch - der synodale Weg könnte ein Hoffnungsbringer sein. Doch auch dieser befindet seit den jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus in einer schwierigen Lage.

    "Ich bin offen gestanden nicht sicher, ob der Zug nicht schon abgefahren ist. Klar, wir können heute die Pflicht zum Zölibat abschaffen. Wir können das Frauenpriestertum einführen und das werden gute Reformen. Aber ich fürchte, dieses Vertrauen, dass wir uns auf die Lebens- und Glaubensfragen von den Menschen einlassen, das haben wir schon verspielt."

    Wie könnte die Kirche in zehn Jahren aussehen?

    Ansgar Wiedenhaus ist irritiert, dass sich die Katholische Kirche über das Zölibat und das Verbot von weiblichen Priesterinnen zu definieren versucht. Das könnten nicht die Grundpfeiler der katholischen Identität sein. Seiner Auffassung nach müsse die katholische Kirche vielleicht wirklich richtig abstürzen, um zu begreifen, was sie sich mit dem Verhaltenen in den letzten Jahrhunderten eingehandelt habe. Für ihn sei es essentiell, sich wieder auf die Menschen in der Kirche zu konzentrieren:

    "Dass wir auch an die Menschen wieder neu glauben, anstatt ihnen einen Maßstab hinzuhalten und zu sagen: 'Wenn du dem nicht gerecht wirst, dann bist du halt doof oder böse oder beides.' Wenn wir uns auf diesen unglaublich humanen, diesen am menschlichen Leben ermöglichenden Glauben besinnen, dann kann Kirche wieder anfangen." Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus

    Mehr über das Gespräch mit Jesuitenpater Ansgar Wiedenhaus erfahren Sie in STATIONEN am Mittwoch, den 22. Juni um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.

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