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"Enkeltauglich leben" geht spielerisch mit der Zukunft um | BR24

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Nicht nur Schüler bei "Fridays for Future", auch die ältere Generation macht sich Gedanken über die Welt von morgen. Unter dem Titel "Enkeltauglich leben" treffen sich Menschen in Holzkirchen, um sich spielerisch mit der Zukunft auseinanderzusetzen.

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"Enkeltauglich leben" geht spielerisch mit der Zukunft um

Nicht nur Schüler bei "Fridays for Future", auch die ältere Generation macht sich Gedanken über die Welt von Morgen. Unter dem Titel "Enkeltauglich leben" treffen sich Menschen in Holzkirchen, um sich spielerisch mit der Zukunft auseinanderzusetzen.

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Sich für eine nachhaltige, gerechte Zukunft einzusetzen, ist längst nicht nur ein Ziel der Bewegung "Fridays for Future". Auch die ältere Generation macht sich Gedanken darüber, wie die Welt von Morgen aussehen soll. Unter dem Motto "Enkeltauglich leben" treffen sich inzwischen bundesweit Menschen, um sich spielerisch mit den großen Problemen der Zukunft auseinanderzusetzen.

Strategiespiel: Den Alltag sozial gerechter und nachhaltiger gestalten

Im oberbayerischen Holzkirchen gibt es zum Beispiel eine Gruppe, die seit vier Monaten "Enkeltauglich leben" spielt. Doch schon die ersten 15 Minuten zeigen: Es geht bei dem Spiel nicht darum zu zocken, zu würfeln oder eine Spielfigur hin- und herzuschieben. "Enkeltauglich leben" ist, wenn man so will, ein Strategiespiel. Gemeinsam überlegen die Teilnehmer Strategien, wie sie ihren Alltag sozial gerechter, nachhaltiger, ökologischer - eben enkeltauglich gestalten können.

Entwickelt hat das Spiel das katholische Bildungswerk in Traunstein. Inzwischen spielen es Menschen zwischen Garmisch Partenkirchen und Oldenburg. Für das Spiel braucht man nicht viel: Einen ausgebildeten Spielleiter, eine Stellwand und die Teilnehmer, die sich mit ihren Erfahrungen und ihren Ideen für eine bessere Zukunft einbringen.

Ideen aus der Gemeinwohlökonomie

"Die grundsätzliche Idee ist, dass man die Ideen aus der Gemeinwohlökonomie, die ja für Unternehmen ein gutes Tool sind, auf Privatpersonen überträgt", sagt Spielleiterin Veronika Peschke. Die Teilnehmer sollen sich Themen wie Solidarität, Menschenrechte, Nachhaltigkeit, Ökologie und Demokratie ansehen. Der Spielrahmen sorgt dafür, dass man dran bleibt.

Seit Oktober gibt es die Gruppe In Holzkirchen. Die fünf Spieler treffen sich über ein halbes Jahr hinweg einmal im Monat. Die jüngste ist 50 Jahre, die älteste Teilnehmerin 72 Jahre alt. Für den 52-jährigen Programmierer Olaf, dass er seinen künftigen Enkeln "eine Welt bereitet, die noch lebenswert ist", wie er sagt.

Wie kann ich das persönliche Lebensumfeld positiv verändern?

Gespielt wird in zwei Runden. Runde eins: Die Spieler stellen vor, was sie im letzten Monat persönlich umgesetzt haben, wie Hannelore, die jetzt Lesepatin ist. Oder Monika, die eine Frau aus Syrien finanziell unterstützt hat. Runde zwei: Die Teilnehmer diskutieren ein neues Thema und überlegen sich Aktionen, die sie bis zum nächsten Treffen umsetzen.

An diesem Nachmittag geht es um Fragen der ökologischen Nachhaltigkeit. Im Mittelpunkt steht das persönliche Lebensumfeld. Ein Problem auf dem Land: der Bus fährt nicht immer und überall. Letztlich ist man aufs eigene Auto angewiesen. Wie lässt sich die Umweltverschmutzung durch zu viel Autoverkehr reduzieren? Wie kann man gleichzeitig auf dem Land mobil sein? Welche nachhaltigeren Konzepte gibt es? Mobilität ist dabei nur ein Thema an diesem Nachmittag, ein anderes: Nachhaltig konsumieren.

Nach der Diskussion kommt das Handeln

Nach der Diskussion geht es ums Handeln. Spielleiterin Veronika Peschke notiert die Ideen auf der Stellwand: Einen energieeffizienten Kühlschrank kaufen, um Energie zu sparen, ist eine Idee. Die andere, die private Mobilität zu überdenken. Oder, um mehr Überblick zu bekommen: Den eigenen ökologischen Fußabdruck im Detail zu berechnen. Eine Teilnehmerin will wieder mehr Fahrrad fahren.

Alles in allem sind es kleine Schritte, um die Welt zu verbessern. Es geht um das eigene Leben, die individuelle Lebensgestaltung. Um Lösungsideen für den Alltag jedes Einzelnen. Gleichzeitig ist "Enkeltauglich leben" aber auch ein Spiel: Die Teilnehmer verteilen Punkte für die Ideen. Je nachdem, wie anspruchsvoll oder kreativ sie einen Vorschlag finden. Und so bleibt die Frage: Wer gewinnt am Ende?

Wer gewinnt?

"Das wird zu Anfang definiert", sagt Spielleiterin Veronika Peschke und fügt hinzu: "Die Gemeinwohlökonomie steht ja für Kooperation statt Konkurrenz." Darum gebe es schon Diskussionen, wie das mit dem Wettbewerb-Charakter eines Spiels zusammengehe. Letztlich wirke ein bisschen Wettbewerb aber motivierend. Und: "Am Anfang kann man abstimmen, wer gewinnt. Manchmal gewinnen auch die Schwächsten mit den wenigsten Punkten", sagt Peschke.

Die Gruppe in Holzkirchen spielt um eine Tafel Schokolade. Ein symbolischer Preis. Denn eines ist den Teilnehmern klar: Einen Gewinner gibt es in dem Sinn nicht. Gewinnen können nur die zukünftigen Generationen.

Wer selbst Enkeltauglich leben spielen will, findet online weitere Informationen zu "Spielgruppen Enkeltauglich"