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Überraschungen en masse: Die 71. Emmy Awards sind verliehen | BR24

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Bei den vergangene Nacht in LA verliehenen Emmy-Awards bricht "Game of Thrones" mit Preisen in insgesamt zwölf Kategorien alle Rekorde. Die große Überraschung des Abends war aber die britische Comedyserie "Fleabag" von und mit Phoebe Waller-Bridge.

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Überraschungen en masse: Die 71. Emmy Awards sind verliehen

Das Fantasy-Epos "Game of Thrones" holte bei den Emmy Awards zum vierten Mal in Folge die Trophäe für die beste Dramaserie. Aber die wirkliche Gewinnerin des Abends war die britische Comedyserie "Fleabag" von und mit Phoebe Waller-Bridge.

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32 Mal – so oft wie keine Serie zuvor war "Game Of Thrones" bei den Emmys 2019 mit der finalen Staffel nominiert. Der erwartete große Preisregen blieb aber aus. Zwar gingen insgesamt zwölf Emmys an die HBO-Fantasyserie, zehn davon aber in den handwerklichen Nebenkategorien hinter den Kulissen. Dass die achte und letzte Staffel von "Game of Thrones" viele Fans und Kritiker enttäuscht hat, scheint auch den Emmy-Votern nicht entgangen zu sein: Obwohl insgesamt neun Darsteller und Darstellerinnen für ihre Leistungen nominiert waren, wurde nur Peter Dinklage (Tyrion Lannister) als bester Nebendarsteller in einer Dramaserie ausgezeichnet. Obendrein gab’s zum vierten Mal den Preis für die beste Dramaserie.

Nicht “Game Of Thrones”, sondern eine Britin war Abräumerin des Abends: Phoebe Waller-Bridge. Sie hat für die BBC und den Streamingdienst Amazon die fantastische Dramedyserie "Fleabag" erfunden und darin auch die Hauptrolle übernommen – eine junge Frau, die durch ein Trauma aus der Bahn geworfen wird und erst am Ende der zweiten Staffel wieder zu sich zurückfindet. Waller-Bridge erhielt für"Fleabag" drei Emmys: als Autorin und Hauptdarstellerin einer Comedyserie sowie für die beste Comedyserie.

© BR

In der vergangenen Nacht wurden in Los Angeles die Emmys verliehen, die wichtigsten Fernsehpreise in den USA. Abräumer war wieder einmal die Fantasy-Serie "Game of Thrones".

Wie bereits in den vergangenen Jahren nutzten Filmemacher*innen das Rampenlicht, um auf ihre politischen Anliegen aufmerksam zu machen, indem sie Aktivist*innen als Gäste einluden. Filmemacherin Ava DuVernay nahm beispielsweise die fünf Männer mit, deren Lebensgeschichte sie in ihrer vielfach nominierten Mini-Serie “When They See Us” verfilmt hat: die als "Exonerated Five" bekannt gewordenen und inzwischen vollständig entlasteten afroamerikanischen und lateinamerikanischen Männer wurden 1989 als Teenager fälschlicherweise für die brutale Vergewaltigung einer Frau im Central Park verurteilt und verbrachten ihre Jugend unschuldig um Gefängnis. Bis auf eine Auszeichnung für Jharrel Jerome, der für seine beeindruckende Darstellung von Korey Wise, einem der "Exonerated Five" geehrt wurde, ging die hochpolitische Netflix-Miniserie trotz zehn Nominierungen leer aus. In seiner emotionalen Dankesrede rührte Jerome das Publikum zu Tränen und erhielt Standing Ovations. Die Auszeichnung für die beste Miniserie ging an "Chernobyl", ebenso die Awards für die beste Regie (Johan Renck) und das beste Drehbuch (Craig Mazin) einer Miniserie.

Auch in den Dankesreden gab es hin und wieder politische Momente. Michelle Williams (“Fosse/Verdon”) wies in ihrer Rede darauf hin, dass Frauen in Hollywood noch immer nicht unter den selben Bedingungen arbeiten wie Männer – erst recht nicht, wenn sie nicht weiß sind: "Nächstes Mal, wenn eine Frau sagt, was sie braucht, um ihren Job gut zu machen, hört ihr zu – ganz besonders dann, wenn es eine Frau ist, die nicht weiß ist. Weil sie nur 52 Cent für jeden Dollar erhält, den im Vergleich ein Mann bekommt." Williams selbst habe lange für eine gleiche Bezahlung kämpfen müssen und dankte den Produzenten von "Fosse/Verdon" dafür, sie und ihre Bedürfnisse ernst genommen zu haben.

Broadway-Ikone Billy Porter wurde als erster afroamerikanischer und schwuler Darsteller in der Kategorie "Hauptdarsteller in einer Dramaserie" ausgezeichnet – er setzte sich damit unter anderem gegen Kit Harrington ("Game Of Thrones") und Bob Odenkirk ("Better Call Saul") durch. In seiner bewegenden Rede zitierte er den afroamerikanischen Schriftsteller James Baldwin: "It took many years of vomiting up all the filth that I had been taught about myself and halfway believed before I could walk around this earth like I had the right to be here." Porter erhielt den Preis für seine Rolle in der Netflix-Serie "Pose" über die afroamerikanische, queere Ballroom-Subkultur der Drag Queens Ende der 1980er-Jahre in New York.

Die Emmy Awards werden jährlich von den über 24.000 Mitgliedern der Television Academy in über 100 Kategorien verliehen. Die 71. Emmy Awards-Show musste ohne Moderation und Live-Orchester auskommen, was den Unterhaltungswert der Show deutlich minderte. Auch der Comedian Thomas Lennon konnte der Verleihung keinen Rahmen geben – er sollte die Emmys wie ein Fußballspiel kommentieren, traf aber selten den richtigen Ton.

Preise sind wichtig für die Streamingdienste

Auszeichnungen wie der Emmy Award, aber auch die Golden Globes waren ursprünglich wichtig für die Fernsehsender, um Werbekunden für ihre Produktionen zu gewinnen. Obwohl die Streamingdienste wie Amazon, Hulu und Netflix – aber auch Pay-TV-Sender wie Sky und HBO durch Abo-Modelle unabhängiger sind, setzen sie im Kampf um Aufmerksamkeit und Publikum auf die Strahlkraft der Hollywood-Preise.

Aber es geht ihnen auch noch um etwas anderes: Die Awards sind ein Marketingtool, mit dem die Sender ihr Image aufpolieren. HBO ist seit Jahrzehnten als Sender bekannt, der preisgekrönte Serien von sehr hoher, cineastischer Qualität produziert. Nach diesem Ansehen streben auch die Plattformen, die um gefragte Filmemacher und Serienschöpferinnen konkurrieren. Dafür sind Amazon, Netflix, HBO & Co. bereit, vor den Emmys, Golden Globes und Oscars mehrere Millionen Dollar in Werbekampagnen zu investieren, um die Award-Jurys zu beeinflussen.

Die Konkurrenz um Abonnenten wird härter

Diese Strategie hat sich für Netflix dieses Jahr bei den Oscars ausgezahlt. Zum ersten Mal ging der Preis für die beste Regie und den besten fremdsprachigen Film an einen Streamingdienst – für Alfonso Cuaróns "Roma". Und auch bei den Fernsehpreisen sind die Streamingdienste inzwischen eine feste Größe, was zu Kritik und Ablehnung durch die traditionellen Studios, Kinobetreiber und Filmfestivals, aber auch von Regisseuren wie Steven Spielberg und Christopher Nolan führt.

Dabei profitiert die Filmindustrie stark vom Aufkommen der Streamingdienste – es wird mehr produziert denn je, und die Produktionen werden auch immer teurer. Und auch für Filmemacher und Macherinnen kann es vorteilhaft sein, einen Film statt im Kino exklusiv über Netflix zu veröffentlichen, wo der Film über Nacht einem weltweiten Millionenpublikum zur Verfügung steht. Dafür investiert Netflix allein derzeit bis zu 15 Milliarden Dollar ins Angebot. Die Konkurrenz um das Streamingpublikum wird in den kommenden Monaten aber schärfer werden, wenn mit Disney und Apple zwei milliardenschwere Medienkonzerne mit eigenen Streamingdiensten und eigenen Formaten starten. Spätestens dann wird es auch bei den großen Fernseh- und Film-Awards im nächsten Jahr wieder völlig unberechenbar.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version wurde die Schauspielerin Michelle Williams irrtümlich als Oscargewinnerin bezeichnet. Bisher war sie zwar viermal nominiert, hat den Preis jedoch nicht erhalten. Diesen Fehler bitten wir zu entschuldigen.

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