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Eli Wasserscheid über ihre Rolle als "Die Päpstin" | BR24

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Die meisten kennen die Schauspielerin als Kommissarin aus dem Franken-Tatort. Nun feiert sie am ältesten Freilichttheater Deutschlands bei den Luisenburg-Festspielen ihr Debüt als "Die Päpstin" und zeigt tiefe Gefühle.

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Eli Wasserscheid über ihre Rolle als "Die Päpstin"

Die meisten kennen die Schauspielerin als Kommissarin aus dem Franken-Tatort. Nun feiert sie am ältesten Freilichttheater Deutschlands bei den Luisenburg-Festspielen ihr Debüt als "Die Päpstin" und zeigt tiefe Gefühle.

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Aus dem Franken-Tatort kennen die Zuschauer Eli Wasserscheid als Kommissarin Wanda Goldwasser, selbstbewusst, fränkischer Dialekt und brauner Lockenkopf. Aber die 40-jährige Bambergerin steht auch regelmäßig auf Theaterbühnen in München, Nürnberg oder Hamburg. Im auf dem Bestsellerroman von Donna Woolfolk Cross basierenden Schauspiel "Die Päpstin" von Susanne Felicitas Wolf schlüpft sie nun in die Rolle der Johanna von Ingelheim und steht zunächst in brauner Kutte mit langen glatten Haaren auf der Bühne der Luisenburg in Wunsiedel.

Eli Wasserscheid spielt die einzige Frau, die jemals Päpstin geworden ist. Die Figur ist historisch umstritten und gilt in der Geschichtswissenschaft als Legende. Im frühen neunten Jahrhundert hat sich die gebildete Frau gegen die Unterdrückung von Frauen aufgelehnt, heißt es, und musste sich immer wieder gegenüber männlichen Kirchenvertretern behaupten.

Als Benediktinerpater verkleidet, in Kutte und mit dem typischen Haarkranz, kam Johanna in den Vatikan. Dort soll sie schließlich zum Oberhaupt der katholischen Kirche ernannt worden sein, als Papst Johannes. Vor dieser Figur hat die 40-jährige Schauspielerin Eli Wasserscheid aus Bamberg großen Respekt. "Es geht um diese zwei Gottesbilder, die es damals gab:

Gott, der Richtende und Strafende – alles, was einem geschieht, ist die Strafe oder das Belohnen Gottes," - und so habe es Johanna von Ingelheim gesehen "dass Gott die Liebe ist. Das steht auch in der Bibel. Sie möchte, dass dieses Bild gewinnt, weil das Leben sonst keinen Sinn hat. Darum kämpft sie. Dafür wendet sie viel Kraft auf, ist sehr konsequent und hart gegen sich selbst. Sie verzichtet auf Vieles, stellt sich als Frau in diese Männergruppe und kämpft sich durch. Das ist beeindruckend."

Von der Pathologin zur Päpstin

In der Rolle stecke Gesellschaftskritik und auch Kritik an der heutigen Kirche, so Eli Wasserscheid. Sie ist katholisch sozialisiert und in ihrer Familie habe Religion einen hohen Stellenwert: "Ich spüre eine Verbundenheit zu Gott. Aber ich spiele ein Stück, das 800 nach Christus spielt, und wir haben 2019 – in der Kirche sind immer noch keine Frauen in Positionen, in denen sie wirklich etwas bewirken. Sie halten keine Gottesdienste ab. Ich wundere mich, dass dieses Potential verschenkt wird."

Für Birgit Simmler, die künstlerische Leiterin der Luisenburg-Festspiele und Regisseurin der "Päpstin", ist Wasserscheid die perfekte Besetzung dieser starken Frauenrolle. Anders als im Tatort als Kommissarin oder Pathologin oder in den Eberhofer-Krimis zeige Wasserscheid als Päpstin tiefe Gefühle – und das live vor dem Theaterpublikum. "Ich bin extrem glücklich über die Besetzung, weil sie das Kindliche genauso wie das extrem Frauliche darstellen kann," sagt Birgit Simmler über ihre Hauptdarstellerin: "Sie bekommt die starken, kräftigen, männlichen, souveränen Töne hin. Gleichzeitig erzählen wir eine Liebesgeschichte – und da bringt sie mir alle Gefühle, die da aufwallen können, von Verletzlichkeit und Zorn, sich angegriffen fühlen bis hin zu extremer Sensibilität. Das ist ein großes Geschenk."

Die Naturbühne ist eine Herausforderung

Eli Wasserscheid mag den Wechsel zwischen Filmset und Theaterbühne. Auf der mächtigen Naturbühne der Luisenburg, zwischen Felsen, unter freiem Himmel, dem Wetter und der Natur ausgesetzt, spielt sie zum ersten Mal. Die Bühne musste sie sich zu eigen machen, auch wenn die Arbeit mit der Rolle die gleiche sei, sagt Eli Wasserscheid: "Wie man sich der Figur annähert, was man für Fragen stellt: Was will sie? Worum kämpft sie? Was ist ihr Ziel? Mit welchen Strategien geht sie vor? Aber die Ausdrucksform ist eine andere – und die ist hier auf der Luisenburg noch mal anders." Am Metropol-Theater in München könne sie sehr minimalistisch spielen, so Wasserscheid: "Da reichen schon der Gedanke oder der Atem, dass sich das Gefühl vermittelt. Hier reicht es nicht, weil die Größe der Bühne fordert, dass man den Körper mitsprechen lässt. Ich musste zunächst diese Bühne verstehen lernen."

Seit mehreren Wochen proben die Schauspieler nun schon auf der Luisenburg. Kurz vor der Premiere stehen sie unter großem Druck. Eli Wasserscheid hat sich deshalb Rituale geschaffen, um zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Zur Zeit höre sie viel klassische Musik, sagt Wasserscheid: "Und diese Landschaft hier ist sensationell. Ich habe einen Lieblingsplatz gefunden, auf halber Strecke zur Luisenburg hoch. Dort sitze ich fast täglich und gehe im Kopf den Text durch – das ist super für mich. Diese Rituale bringen mich runter. Schlimm ist es, wenn man innerlich in Hektik kommt und man das Gefühl hat, dass man sich selbst hinterher ist."

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