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"Elende Schande": Travestiekünstler kritisiert Bayreuth-Publikum | BR24

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Der britisch-nigerianische Künstler La Gateau Chocolat beschwerte sich auf Facebook heftig über die Publikumsreaktion auf dem Grünen Hügel. Der schwarze Darsteller im "Tannhäuser" war ausgebuht worden, obwohl er eine stumme Rolle hatte.

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"Elende Schande": Travestiekünstler kritisiert Bayreuth-Publikum

Der britisch-nigerianische Künstler La Gateau Chocolat beschwerte sich auf Facebook heftig über die Publikumsreaktion auf dem Grünen Hügel. Der schwarze Darsteller im "Tannhäuser" war ausgebuht worden, obwohl er eine stumme Rolle hatte.

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"Was für ein Abend!" meldete sich Le Gateau Chocolat auf seinem Facebook-Account empört zu Wort und beklagte sich heftig über das Bayreuther Premierenpublikum. Obwohl alle anderen Solisten gefeiert wurden, gab es bei dem schwarzen Travestie-Darsteller einige unüberhörbare Buhrufe. Und das, wo er doch weder gesungen, noch gesprochen hatte, sondern als stummer Begleiter der Venus die ausgelassene Lebens- und Liebesfreude jenseits kleinbürgerlicher Vorstellungen verkörpert hatte. Insofern war der britisch-nigerianische Künstler eigentlich ein Markenzeichen der gefeierten Inszenierung von Tobias Kratzer, die Geschlechterrollen in Frage stellte und mit der Regenbogenfahne der Schwulenbewegung ein eindeutiges Signal Richtung Diversity gab, weshalb im Venusberg auch nicht nur für Heterosexuelle Platz war.

© Enrico Nawrath/Bayreuther Festspiele

Le Gateau Chocolat im Video

Die Proteste gegen seinen Auftritt sagten viel über das Publikum auf dem Grünen Hügel, so Le Gateau Chocolat, auf deutsch "Schokoladenkuchen". Die Zuschauer sollten sich fragen, wogegen sie eigentlich gebuht hätten. Er stellte sich in eine Reihe mit der schwarzen Sopranistin Grace Bumbry, die 1961 in Bayreuth in einer Inszenierung von Wieland Wagner die Venus gesungen hatte und damals ebenfalls heftig angefeindet worden war. Dabei war ihre Haut sogar eigens goldfarben überpinselt worden. Er stehe auf deren Schultern, so der Travestiekünstler, der seit 2011 international auftritt.

Auftritt in der Royal Albert Hall

Dem Kreativteam des "Tannhäuser" dankte Le Gateau Chocolat ausdrücklich für die Unterstützung und dafür, dass er seine "queere Identität" ausleben durfte. Das sei wahrhaftig und authentisch gewesen. Doch die Rolle, die er gespielt habe, sei offenkundig vielen im Zuschauerraum ausgesprochen fremd gewesen. Gleichwohl habe er Freude, Befreiung, Abwechslung und Gegenöffentlichkeit in den "Tannhäuser" gebracht. Le Gateau Chocolat war nach seinem Umzug nach Großbritannien zunächst in Nachtclubs in Brighton aufgetreten und feierte seinen künstlerischen Durchbruch beim Festival im australischen Adelaide. Seitdem stand er in Neuseeland und Polen auf der Bühne, feierte in Edinburgh Erfolge und sogar in der Royal Albert Hall in London. Überall profilierte er sich als unerschrockenes Vorbild von Künstlern, die nicht in die üblichen Geschlechterrollen passen.

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