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EKD-Synode diskutiert Missbrauch und Konservatismus | BR24

© picture alliance/Ronald Bonss/dpa-Zentralbild/dpa

21.10.2019, Sachsen, Dresden: Zahlreiche Menschen vor dem Landeskirchenamt in Dresden bei einer Mahnwache für Landesbischof Carsten Rentzing.

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    EKD-Synode diskutiert Missbrauch und Konservatismus

    Von Sonntag an diskutiert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf ihrer Synode in Dresden über Friedensethik. Bestimmen dürfte die Debatte aber vor allem die Sorge um den innerkirchlichen Frieden.

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    Auch die evangelische Kirche muss ihre Missbrauchsgeschichte aufarbeiten. Bisher ist noch nicht umfassend erforscht, in welchem Umfang Kinder und Jugendliche in evangelischen Gemeinden und Einrichtungen Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Das wolle der Rat der EKD durch eine unabhängige Studie klären lassen, erklärt der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm: "Wir haben relativ wenige Fälle auf dem Tisch, aber wir wissen nicht, was da alles noch ans Licht kommen kann." Derzeit gebe es eine Ausschreibung für entsprechende Studien. Gründlichkeit komme vor Schnelligkeit. "Jedenfalls verbergen wir nichts. Ich möchte, dass alles auf den Tisch kommt. Da gibt es keine Grenzen, außer den rechtlichen Grenzen, die man wahren muss."

    Gibt es protestantische Faktoren für Missbrauch?

    Bereits im Sommer hat die evangelische Kirche eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene und ihre Angehörigen eingerichtet. Dort haben sich nach Angaben der EKD bislang 23 Opfer gemeldet. Dazu kommen rund 600 Fälle, die den einzelnen Landeskirchen bekannt sind. Die evangelische Kirche will auch herausfinden, ob es spezifisch protestantische Risikofaktoren für Missbrauch gibt. In der Missbrauchsstudie der katholischen Bischofskonferenz wurden in diesem Zusammenhang der Zölibat und der Missbrauch klerikaler Macht genannt.

    In der evangelischen Kirche könnte eine eher "partnerschaftliche Kultur" zum Missbrauch führen, vermutet Landesbischof Bedford-Strohm: "Dass man in Jugendgruppen kumpelhaft miteinander umgeht, sich duzt und so weiter, dass da dann die Grenzen, die es geben muss zwischen verschiedenen Generationen und Rollen nicht eingehalten werden."

    Wie konservativ darf ein Bischof sein?

    Gastgeberin dieser Synode ist die sächsische Landeskirche, deren Bischof gerade zurückgetreten ist und deshalb auch im Eröffnungsgottesdienst nicht predigen wird. Carsten Rentzing war per Online-Petition zum Rücktritt aufgefordert worden. Er hatte bei seiner Wahl verschwiegen, dass er Mitglied der schlagenden Burschenschaft "Alten Prager Landsmannschaft Hercynia" ist. Und er hatte 2013 einen Vortrag in der Berliner "Bibliothek des Konservatismus" gehalten, welche aus Sicht vieler Kritiker dem Umfeld der Neuen Rechten zuzuordnen ist. Seitdem gibt es in der evangelischen Kirche die Diskussion: Wie konservativ darf ein Bischof sein?

    Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, fürchtet, dass die Dresdner Tagung vom Fall Rentzing überlagert wird. Vor allem, seitdem bekannt wurde, dass der Theologe als Student Texte mit teils nationalistischem, teils demokratiefeindlichem Zungenschlag veröffentlicht hatte. Bei künftigen Bischofswahlen werde stärker in die Vergangenheit der Kandidaten geschaut, glaubt Schwaetzer. "Bei unseren Mitgliedern bleibt es dabei. Entscheidend sind die Haltungen, die Aussagen und nicht irgendwelches Wahlverhalten."

    Wie hältst du es mit der AfD?

    Die evangelische Kirche steckt in einem Dilemma. Bei den Wahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg wurde die AfD zweitstärkste Kraft. Und natürlich hat die Partei auch im evangelischen Milieu Anhänger und Mitglieder. Wie hältst Du es mit der AfD? Diese Frage muss sich die EKD in Dresden stellen. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm plädiert dafür, sich keine Denkverbote aufzuerlegen, sondern darüber zu reden. "Ich sage auch klar: Rassismus, Antisemitismus, die Herabsetzung ganzer Menschengruppen aufgrund einer Religion. Das hat keinen Platz. Deswegen muss man auch sehen, an welcher Stelle das Gespräch nützt. Und an welcher Stelle muss man viel langfristigere Strategien wählen."

    Langfristige Strategie für künftig sinkende Kirchensteuern gesucht

    Eine Langfriststrategie braucht die evangelische Kirche auch bei den Finanzen. Innerhalb von zehn Jahren wird das Kirchensteueraufkommen um 30 Prozent sinken, so die Prognose. Ein Weitermachen wie bisher sei nicht mehr möglich, sagt EKD Präses Schwaetzer, die für diese Haltung allerdings Überzeugungsarbeit leisten muss. Denn aktuell steigen die Einnahmen aus der Kirchensteuer aufgrund der nach wie vor günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.