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Einsiedler auf Zeit: Auszeit für die Seele | BR24

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Kein Handy, kein Buch, kein Internet - wer in die Waldklause von Maria Eck im Chiemgau einzieht, verzichtet für eine Woche auf den Kontakt zur Außenwelt. Denn es geht um innere Einkehr. Und um das Unterwegssein zu sich selbst.

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Einsiedler auf Zeit: Auszeit für die Seele

Kein Handy, kein Buch, kein Internet – wer in die Waldklause von Maria Eck im Chiemgau einzieht, verzichtet für eine Woche auf den Kontakt zur Außenwelt. Denn es geht um innere Einkehr. Und um das Unterwegssein zu sich selbst.

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Ein schmaler Weg führt zur Blockhütte, die auf einer kleinen Lichtung steht. Ein Ort, an dem Menschen alleine sein können. Für mindestens drei Tage und maximal eine Woche. Ein Einzug in die Hütte bedeutet: keine Ablenkung durch Bücher oder Smartphone, kein Kontakt zur Außenwelt. Außer zu Bruder Christian Schmidberger. Der Franziskaner Minorit kommt jeden Abend zum Gespräch. Er hatte auch die Idee, eine Einsiedelei zu bauen.

"Der Sinn der Einsiedelei besteht darin, dass Menschen den inneren Schalter von 'machen und schaffen' auf 'empfangen und hören' umlegen. Und das ist sehr spannend. Die Einsiedler bekommen anfangs einfache Übungen: Sie sollen hören, riechen, nur da sein. Und möglichst nicht denken, sondern im Wahrnehmen bleiben. Und nach ein paar Tagen spürt man, wie sie immer mehr in die Stille kommen." Bruder Christian Schmidberger, Maria Eck

"Die Sehnsucht nach mehr Tiefe lässt die Menschen kommen"

Als Einsiedler muss man keiner Kirche angehören oder besonders religiös sein. "Diejenigen, die einziehen wollen, müssen eine Sehnsucht nach mehr Leben, nach mehr Intensität haben. Und eine Sehnsucht nach Gott", sagt Bruder Christian. Es gehe hier nicht um einen Urlaub in den Bergen. Und: Sie müssen bereit zu einem täglichen Gespräch mit ihm sein. Denn ohne geistliche Begleitung darf keiner einziehen.

Die kleine Blockhütte besteht aus zwei Räumen. Dem Wohn- und Schlafzimmer mit Bett, Herd, Tisch und Stuhl. Und dem fast genauso großen Meditationsraum, den sich jeder Einsiedler so einrichten kann, wie er mag. Die Klause ist gut ausgebucht, freie Tage gibt es kaum. Denn alle, die da waren, kommen wieder.

Seit 2013 gibt es die kleine Hütte. Die jüngste Einsiedlerin, die einzog, war 18 Jahre alt, der älteste Einsiedler 84. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Berufen, insgesamt mehr Frauen als Männer reisen an. Doch eines ist allen gemein: Das Gefühl, dass Leben mehr sein muss, als Arbeitsdruck, Familienalltag und irgendwie durchs Leben kommen, erzählt Bruder Christian. Die Sehnsucht nach einer Tiefe lässt die Menschen kommen.

Sich öffnen für das Geheimnis Gottes

Neben Gebet, Natur erleben und Essen kochen gehört auch eine Stunde Arbeit zum Alltag des Einsiedlers. Das kann Holz machen, Beeren pflücken oder Unkraut jäten sein. Doch: Die Arbeit dient der Meditation und nicht der Ablenkung. Deshalb ist auch da nach einer Stunde Schluss.

In der Natur sein, mit sich sein, im Gebet in der Stille. Darum geht es in der Zeit als Einsiedler. Und eine Stunde Gespräch, das allerdings keine Therapie ist, darauf legt Bruder Christian Wert.

"Es geht nicht darum, an einem Thema zu arbeiten. Sondern die Menschen sollen sich öffnen. Und meine Erfahrung zeigt: Wenn Menschen still werden und sich öffnen, geschieht etwas. Nicht durch nachdenken und analysieren. Sondern weil man offen ist und Gott wirken kann." Bruder Christian Schmidberger

Vom Sportpädagogen zum Mönch

Der Franziskaner Minorit war früher nicht besonders religiös. Taufe, Kommunion und Firmung waren auf dem bayerischen Dorf üblich, doch sein Interesse galt dem Sport und dem Fußball. Nach dem Diplom-Sport-Studium zog es ihn nach Nepal, dort kam er zum ersten Mal mit Meditation in Berührung. "Da habe ich die Erfahrung gemacht: Es gibt noch mehr als ich dachte", erzählt er. Eine große Sehnsucht sei in ihm aufgebrochen. Mit 30 Jahren kam immer mehr das Wort "Berufung" in sein Leben, und mit 32 Jahren hat er den Entschluss gefasst, bei den Franziskanern einzutreten.

Seine Erfahrungen mit Meditation und Stille brachten ihn auf die Idee, die Einsiedelei zu bauen. Ein Ort, an dem nun auch andere ihre Sehnsucht stillen können.

Mehr zum Thema "Unterwegs sein" in STATIONEN, am Mittwoch, 22. Juli 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen und in der BR-Mediathek.