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Eine zweite Synagoge für München | BR24

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Es soll eine große, funkelnde Synagoge werden, entworfen vom New Yorker Architekten Daniel Libeskind. Das Bauprojekt der liberalen jüdischen Beth Shalom Gemeinde lag lange auf Eis. Jetzt nimmt es konkrete Züge an.

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Eine zweite Synagoge für München

Es soll eine große, funkelnde Synagoge werden, entworfen vom New Yorker Architekten Daniel Libeskind. Das Bauprojekt der liberalen jüdischen Beth Shalom Gemeinde lag lange auf Eis. Jetzt nimmt es konkrete Züge an.

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Lange Zeit hatte man nichts mehr von den Bauplänen der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom gehört. Doch jetzt kommt die Gemeinde ihrem Traum von einer eigenen Synagoge langsam näher. Die Stadt München hat den sogenannten „Antrag auf (Bau-)Vorbescheid geprüft und als grundsätzlich „genehmigungsfähig“ eingestuft.

Spender und Investoren gesucht

Doch bis zum ersten Spatenstich liegt noch ein langer Weg vor der Gemeinde. Denn ob die Synagoge wirklich gebaut wird, hängt letztlich von der Finanzierung ab. Deshalb müssen vor allem die genauen Kosten abgeschätzt werden, um Spenden zu sammeln, so Jan Mühlstein. Er war viele Jahre Vorsitzender der Gemeinde Beth Shalom, seit einigen Monaten leitet er die Stiftung, mit deren Hilfe die Gemeinde das ambitionierte Projekt realisieren will.

Die Idee für eine eigene Synagoge hatte die liberale jüdische Gemeinde schon vor zwölf Jahren. Es war großer Zufall, dass sich der Architekt Daniel Libeskind damals dem Wunsch annahm – der Kontakt kam über mehrere Ecken zustande. Sein Entwurf: ein Bau, der einem Bergkristall ähnelt. Libeskind hat ihn als einen "Lichtfunken" bezeichnet.

Zweites großes jüdisches Gotteshaus in München

Die neue Synagoge wäre das zweite große jüdische Gotteshaus in München. Sie soll all denen offenstehen, die eine liberale Form des Judentums leben. Anders als in orthodoxen Gemeinden ist es zum Beispiel erlaubt, dass Gläubige am Ruhetag Shabbat mit dem Auto zum Gottesdienst kommen. Und: In den liberalen jüdischen Gemeinden gibt es Rabbinerinnen und Kantorinnen, wogegen in einer orthodoxen Synagoge die Frauen auf der Empore hinter einer Scheibe oder einem Vorhang versteckt sind. Der Öffentlichkeit sind die verschiedenen Strömungen des Judentums kaum bekannt, sagt Jan Mühlstein, der ehemalige Vorsitzende der Gemeinde. Das könnte der Bau der neuen Synagoge ändern.

"Es geht uns darum, dass für die Öffentlichkeit sichtbar wird, dass das Judentum pluralistisch ist. Und, dass wir in der Mitte der Stadt, also im Lehel, erreichbar sind." Jan Mühlstein

Beth Shalom ist mit knapp 600 Mitgliedern zwar eine vergleichsweise kleine Gemeinde, aber sie wächst. Durch Zuzug, Geburten und Menschen, die gerne liberale Gottesdienste feiern möchten.

Prestigeobjekt für die Stadt München

Der zukünftige Standort der Synagoge ist eher unspektakulär: ein Hinterhof im Münchner Stadtteil Lehel. Der Architekt Wolfgang Gollwitzer, Daniel Libeskinds Partner vor Ort, ist trotzdem überzeugt, dass der Bau der Synagoge ein Prestigeobjekt für die Stadt ist. "Dieser Ort ist ganz speziell, weil gegenüber ist das Altenheim mit einer Kirche und dem typischen Kirchturm. Und der Synagogen-Bau wird ästhetisch und von der Funktion auch in Dialog mit dem Sakralbau treten", sagt Gollwitzer.

In Dialog kommen und sich austauschen, genau das ist es auch, was Jan Mühlstein möchte. Lang genug habe der Gemeinde der Platz gefehlt, um interreligiöse Treffen zu veranstalten. Die neue Synagoge soll eine offene Begegnungsstätte werden.

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