Porträt der Autorin Tsitsi Dangarembga mit Mikrofon und Wasserglas, auf einer Pressekonferenz
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Über die Grenzen Simbabwes hinaus bekannt für ihr Engagement: Tsitsi Dangarembga, hier als Mitglied der Internationalen Berlinale-Jury 2022.

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    "Eine Posse": Friedenspreisträgerin Dangarembga vor Gericht

    "Eine Posse": Friedenspreisträgerin Dangarembga vor Gericht

    Seit Dienstag muss sich die Autorin Tsitsi Dangarembga in Simbabwe vor Gericht verantworten. Die Friedenspreisträgerin soll zu Gewalt angestiftet und gegen Corona-Auflagen verstoßen haben. Im schlimmsten Fall drohen mehrere Jahre Haft.

    In Simbabwe läuft seit dieser Woche ein Schauprozess, wieder mal. Angeklagt ist die Autorin, Filmemacherin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2021, Tsitsi Dangarembga. Die Vorwürfe: Die 62-jährige soll im Juli 2020 in Harare für staatliche Reformen demonstriert und öffentlich zu Gewalt und Unruhen aufgerufen haben, obendrein habe sie dabei gegen die geltenden Corona-Vorschriften verstoßen.

    Wer die genauen Umstände kennt, und die ersten Tage im Gerichtsaal mitverfolgt hat, muss zu einem anderen Schluss kommen: "Ganz klar, da soll mal wieder ein Exempel statuiert werden!", erklärt Dangarembgas Mann Olaf Koschke, der in Harare als Filmtechniker und Produzent arbeitet, im Interview mit BR24 Kultur. Das Ganze ziehe sich seit zwei Jahren hin, 26 Mal sei seine Frau bereits vor Gericht gerufen worden, um sie unter Druck zu setzen. "Eine Posse!". Aber in Simbabwe gängige Praxis, um Oppositionelle zu zermürben.

    Ein Prozess wird zur Farce

    Am Dienstag wurde dann tatsächlich der Prozess gegen Tsitsi Dangarembga und ihre Mitstreiterin, die Journalistin Julie Barnes, eröffnet – an einem Sondergericht: Der Antikorruptions-Gerichtshof in Harare untersteht direkt dem autokratischen Präsidenten Emmerson Mnangagwa. Dementsprechend scharf, offenkundig eingeschüchtert, habe auch die Richterin agiert: "Man merkte, wie sehr sie unter Druck stand", beschreibt Koschke die beiden ersten Prozesstage, an denen zwei Zeugen aus den Reihen der Polizei gehört worden waren.

    Am Montag soll das Verfahren mit der Zeugenbefragung eines weiteren Polizisten, der bei der Protestaktion 2020 dabei war, fortgesetzt werden. Laut Koschke haben die bisherigen Aussagen allerdings untermauert, dass das Ganze eine Farce ist. Statt Beweise dafür zu liefern, dass die international ausgezeichnete Schriftstellerin zur Gewalt aufgerufen habe, hätten sich die Beamten in Widersprüche verstrickt und kannten die Verfassung nicht. Von der Demonstration wurden gefälschte mitgeführte Plakate gezeigt, nicht die Originale.

    "Meine Frau ist guten Mutes"

    Trotzdem ist eine Verurteilung nicht ausgeschlossen. "Doch dann werden wir nicht ins Ausland gehen, sondern erstmal den Weg über höhere Instanzen suchen", so Koschke. "Meine Frau ist guten Mutes. Natürlich ist der Stress durch den Prozess größer geworden. Sie ist erschöpft, die Unsicherheit ist groß. Aber insgesamt geht es ihr relativ gut." Das liege auch an der Unterstützung, die Tsitsi Dangarembga von allen Seite spüre.

    Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels versicherte Tsitsi Dangarembga volle Solidarität. Er hatte die Autorin im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis geehrt - als "weithin hörbare Stimme Afrikas in der Gegenwartsliteratur". Nach dem Prozessauftakt am Dienstag zeigte sich die Vorsitzende des Stiftungsrates des Friedenspreises, Karin Schmidt-Friderichs, besorgt und erschüttert: Es empöre sie, dass Dangarembga sich wegen ihres gesellschaftlichen Engagements erneut in ihrem Heimatland vor Gericht verantworten müsse.

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    Tsitsi Dangarembga (l) und Auma Obama, Halbschwester von Ex-US-Präsident Obama, die bei der Verleihung des Friedenspreises die Laudatio hielt.

    Auch im Berliner Orlanda-Verlag, in dem die Werke Dangarembgas auf Deutsch erscheinen, blickt man mit Sorge auf den weiteren Prozessverlauf. Auch, ob die Autorin ihre für Juni geplante Lesereise antreten kann, ist fraglich. "Was ihr jetzt vor allem hilft, ist eine breite mediale Unterstützung!", sagt die Verlegerin Anette Michael gegenüber dem BR. Der Verlag habe über die Friedrich-Naumann-Stiftung eine Prozessbeobachterin organisiert, mit der sie in ständigem Kontakt sei, deren Berichte dann unmittelbar über die Medien verbreitet werden. Auch die Prozessbeobachterin sieht den Schauprozess als Mittel der autokratischen Regierung, engagierte Menschen wie Dangarembga und Barnes zu kriminalisieren, weil sie für mehr Meinungsfreiheit und Demokratie demonstrieren.

    Für Frauenrechte, gegen Korruption

    Tsitsi Dangarembga setzt sich in ihrer Heimat unter anderem für die Rechte von Frauen ein und im Kampf gegen Korruption. Nach einer solchen Protestaktion wurde sie im Juli 2020 in Harare verhaftet, kurz darauf auf Bewährung frei gelassen und im September desselben Jahres angeklagt. Diese Woche begann der Prozess. Zudem soll sie mit ihrem Protest, an dem insgesamt 13 Personen beteiligt waren, gegen die geltenden Covid-19-Bestimmungen verstoßen haben. Der Ausgang dieses Schauprozesses: ergebnisoffen.

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