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Eine muslimische Zwangsvollstreckerin verschafft sich Respekt | BR24

© Merve Kayikci

Özlem Yilmaz Öztürk

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    Eine muslimische Zwangsvollstreckerin verschafft sich Respekt

    Als Zwangsvollstreckerin muss Özlem Yilmaz-Öztürk manchmal hart durchgreifen - vor allem, wenn sie aufgrund ihrer Herkunft nicht ernst genommen wird. Warum sie ihren Job trotzdem liebt, verrät sie im BR-Podcast "Primamuslima".

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    Eigentlich wollte Özlem Yilmaz-Öztürk diesen Beruf gar nicht ausüben. Ihr Vater hatte die Idee. Erst eine Ausbildung, dann kannst du immer noch studieren, war sein Rat. Deswegen hatte sie sich beim Vorstellungsgespräch extra dumm angestellt, erzählt Yilmaz-Öztürk. Denn auf Kopieren, Kaffeekochen und Formulare ausfüllen hatte sie keine Lust. Und etwas anderes konnte sie sich unter einem Behördenjob nicht vorstellen. Ihr Traum war es, ein Studium zu absolvieren. Insofern war die Enttäuschung groß, als sie nach dem Vorstellungsgespräch dann trotzdem eine Zusage erhielt.

    Heute ist sie froh, bei einer Behörde gelandet zu sein. Die dreifache Mutter lebt in einem Haus mit Garten in einem kleinen Ort in Nordrhein-Westfalen. Seit fast 20 Jahren arbeitet sie als Vollstreckungsbeamtin, verschafft sich Zugang zu Wohnungen von Schuldnern und kassiert bei Männern ab, die sie als Frau nicht immer ernst nehmen.

    Härte zeigen: Bei Unterhaltspflichtverletzungen fällt ihr das leicht

    Özlem Yilmaz-Öztürk ist stolz auf ihren Beruf: "Wir sind da, um Menschen zu helfen. Das hört sich vielleicht komisch an, wenn es aus dem Mund einer Zwangsvollstreckerin kommt. Da denkt man: Die wollen nur das Geld. Das ist aber nicht so. Wir wollen den Leuten helfen. Wir schauen wirklich je nach Person. Ist die Person zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig?" Ihr Spezialgebiet sind unterlassene Unterhaltszahlungen. Bei diesem Thema fällt es Yilmaz-Öztürk leicht, Härte zu zeigen. Denn, wer Kinder in die Welt setze, müsse auch Verantwortung für sie übernehmen.

    Bei Rassismus hält Özlem Yilmaz-Öztürks Chef zu ihr

    Doch der Beruf ist oft auch eine Herausforderung, erzählt Özlem Yilmaz-Ötzürk, besonders dann, wenn Menschen sie abwerten - weil sie eine Frau ist und türkische Wurzeln hat. "Es gibt solche Leute, die mich am Anfang nicht respektiert haben, die gesagt haben, ich lass mir doch nicht von einer Frau, geschweige denn von einer Türkin, etwas sagen", erzählt sie. Sie erzählt von einem Schuldner, der das Gespräch mit ihr verweigerte und sich bei ihrem Chef beschwerte. Doch der hielt zu Yilmaz-Öztürk und drohte dem Mann mit einer Anzeige.

    Menschen, die in völlig verdreckten Wohnungen leben

    Özlem Yilmaz-Öztürk sagt, Erfahrungen mit Rassismus habe sie auch schon in der Schule gemacht: "Wenn man Migrationshintergrund hat und gleichzeitig Muslima ist, hat man es noch schwerer im Leben." Deswegen ist sie dankbar für das, was sie erreicht hat. Besonders dann, wenn sie es in ihrem Beruf mit Menschen zu tun hat, die die Kontrolle über ihr Leben verloren haben und zum Beispiel in völlig verdreckten Wohnungen leben.

    Özlem Yilmaz-Öztürk ist glücklich in ihrem Beruf

    Was ihr Halt gibt, ist die Religion, sagt sie. Sie bezeichnet sich als religiös, hält die Gebete und andere religiöse Vorschriften ein. Und für sie steht das nicht im Widerspruch zu ihrem Beruf, bei dem sie den deutschen Staat vertritt. Deshalb ist sie auch froh darüber, dass ihre Kolleginnen und Kollegen das genauso sehen und ihr Chef alle gleich behandelt. Als eine Kollegin in ihrer Behörde sich dazu entschloss, ein Kopftuch zu tragen, gab es keine einzige Beschwerde und keinen einzigen Kommentar, so Yilmaz-Öztürk.

    Özlem Yilmaz-Öztürk ist angekommen in ihrem Beruf. Der frühere Traum vom Studium liegt jetzt in weiter Ferne. Die Arbeit in einer Behörde, die sie sich am Anfang nicht vorstellen konnte, ist zu ihrer Leidenschaft geworden.

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