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Eine Mauer steht schon: Architekten-Satire über Trump-Bibliothek | BR24

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Bildrechte: Joseph Forzano/Picture Alliance

Trump und viele Bücher

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    Eine Mauer steht schon: Architekten-Satire über Trump-Bibliothek

    Obwohl der US-Präsident angeblich nicht viel mit Büchern anfangen kann, steht ihm nach seinem Abschied wie jedem Amtsinhaber eine Erinnerungs-Bücherei zu. Ein anonymer Architekt aus New York hat schon mal einen Bauplan und eine Website entworfen.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Dafür, dass Donald Trump nach Aussage von Mitarbeitern noch kaum einen Gedanken an seinen Abschied verschwendet, sieht seine künftige Erinnerungsstätte bemerkenswert schlüsselfertig aus - allerdings nur im Netz. Und tatsächlich ist die aufwändige Website, wo Interessierte schon mal durch die künftigen Hallen zum Ruhme von Trump wallfahrten können, nichts anderes als eine ziemlich professionelle Satire-Aktion eines anonymen New Yorker Architektenbüros. Fest steht: Auch Trump wird eine Bibliothek bekommen, wie jeder seiner Vorgänger seit Franklin D. Roosevelt. Der beschloss 1941, seine Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und ließ in Hyde Park im Bundesstaat New York entsprechende Räumlichkeiten errichten. Seitdem wurde daraus eine Tradition, der sich alle Nachfolger gern anschlossen.

    "Trump-Tempel" an der Grenze

    Noch hat Trump nicht durchblicken lassen, ob und wo er seine Präsidenten-Bibliothek bauen lassen will, als ehemaliger Immobilienmanager ist er ja immerhin vom Fach. In Frage kämen seine Heimatstadt New York, mit der er sich allerdings verkracht hat, oder sein derzeitiger Wohnsitz Palm Beach in Florida, wo er die Luxus-Wohnanlage Mar-a-Lago sein Eigen nennt. Geht es nach dem unbekannten New Yorker Architekten, der jetzt schon mal einen satirischen "Trump-Tempel" entworfen hat, müsste das Anwesen allerdings nirgendwo anders als im Grenzort Nogales in Arizona stehen, und zwar deshalb, weil dort eine Mauer schon steht: Diejenige, die Mexiko angeblich bezahlen soll. So ist denn auch die fiktive Adresse der Trump-Weihestätte die "Make-America-Great-Again-Gasse 1" in Nogales.

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    Bildrechte: TNS/Picture Alliance

    Mar-a-Lago: Trumps Residenz in Florida

    Im Interview mit der "Los Angeles Times" äußerte sich der anonyme Baumeister jetzt zu den Details seiner Pläne. Den Baugrund in Nogales fand er demnach in der dortigen East International Street 199. Die laufe direkt auf die mexikanische Grenze zu. Möglicherweise würde die Sicherheitszone die Arbeiten erschweren, so der lizenzierte Architekt, aber er wolle keinesfalls Konzessionen machen: Die rückseitige Mauer seines Entwurfs müsse auf der Grenzlinie stehen. Alles andere sei eine Verschwendung von Ressourcen.

    "Einwanderer zahlen den doppelten Eintritt"

    Zum Konzept gehören ein "Corona-Mahnmal", das sich im Wasser spiegelt, ein Hörsaal für "alternative Wahrheiten", der mit den Flaggen der Konföderierten Südstaaten dekoriert ist, eine Ausstellung über Steuerspar-Modelle und eine Halle der "Ermöglicher". Eine "Wand der Kriminalität" soll an all die vielen "bösen Buben" erinnern, die den Lebensweg von Trump gekreuzt haben. Finanziert wird dieses Mahnmal natürlich ebenfalls "komplett von Mexiko". Für Freunde des ganz schwarzen Humors soll es auch einen Friedhof für all die Trump-Fans geben, die nicht an die Pandemie glaubten. Ein gewaltiger Bildschirm für Twitternachrichten ist selbstverständlich, und der Eintrittspreis steht nach Angaben auf der Website auch schon fest: 25 Dollar für Erwachsene. Einwanderer freilich sollen fünfzig Dollar berappen.

    Wer will, kann auch großzügig spenden, allerdings führt die entsprechende Seite zu den Unterstützern der beiden demokratischen Kandidaten im derzeitigen Stichwahl-Rennen in Georgia, das über die Mehrheiten im US-Senat entscheiden wird.

    Zur mutmaßlichen Enttäuschung von Trump-Fans gestand der Satiriker, sein Bau werde keinerlei Vergoldungen vorsehen, wie sie der Präsident so liebt. Stattdessen seien viele Glasfassaden geplant - die mehr Transparenz schafften als es in seiner Regierungszeit je gegeben habe. Innen will der Architekt mit Cortenstahl arbeiten, einer Sorte, die oberflächlich verrostet und besonders strapazierfähig ist - als Zeichen dafür, dass hier "die Ideen von 1830" geschätzt würden. Korinthische Säulen oder Anleihen bei Neros "Domus Aurea" soll es keinesfalls geben - da alles, was Trump jemals gebaut habe, banal sei.

    Geschenk-Shop ist schon "vielfältig"

    Im Kinosaal soll mehr oder weniger nonstop "Die Geburt einer Nation" laufen, ein Stummfilm, in dem der Ku Klux Klan als moralische Anstalt gefeiert wird. Jeweils mittwochs soll der "Tag der weißen Überlegenheit" mit halbiertem Eintritt gefeiert werden - und ab und zu soll auch mal ein "Nazi-Propaganda-Film" für Abwechslung sorgen.

    Selbstverständlich enthält der große Wurf auch einen Souvenir-Laden. Was es dort eines Tages zu kaufen geben soll, ist der Website bereits zu entnehmen. Etwa Speisekarten mit garantiert klimaschädlichem Riesen-Fast Food ("Drumpf's Diner"), Ping Pong-Bälle zur Bestrafung der ehemaligen Trump-Gespielin Stormy Daniels, Baseball-Kappen mit der Aufschrift "Make Assholes Go Away" und Hundehalsbänder für den Senator Lindsay Graham, dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses, um nur einige wenige Stücke zu nennen.

    Bleibt die auch auf Twitter heiß diskutierte Frage, ob Trumps Bibliothek auch Bücher beherbergen wird: "Diese Frage wird uns oft gestellt", so der Architekt. "Im ersten Stock ist Platz für Strafakten vorgesehen und dort werden Exemplare seines Buches 'Die Kunst des Erfolges' vorgehalten. Aber wie sollen wir eine Bücherei für jemanden entwerfen, der nicht liest? Das ist der Witz daran." Wer will, kann auf der Website schon mal den "Strafverfolger spielen" und in den virtuellen Verhörprotokollen blättern - unterhalb einer imposanten "Autokraten-Galerie".

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