BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© Verlag: Die andere Bibliothek
Bildrechte: Verlag: Die andere Bibliothek

Religion und Satire: Feinde seit 2000 Jahren

Per Mail sharen

    Eine Geschichte der Karikatur von Andreas Platthaus

    Über 8 Millionen Mal verkaufte sich die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem Attentat. Zum Anschlagsziel wurde die Zeitschrift wegen der Mohammed-Karikaturen. Doch der Kampf zwischen Satire und Glauben ist alt. Von Julia Regis

    Per Mail sharen

    Religion und Karikaturen, das ist ein roter Faden, der sich durch Andreas Platthaus' Buch „Das geht ins Auge“ zieht. Der Kulturjournalist hat darin auf über 450 Seiten Episoden aus der Geschichte der Karikatur gesammelt. Das erste Kapitel widmet sich einem antiken Schmäh-Bild und schon hier wird Religion verspottet.

    "Wir haben da einen gekreuzigten Esel, der von einem römischen Soldaten angebetet wird, und das ist in der Tat so eine Karikatur, wo zumindest sofort der Konflikt zwischen Glauben und Satire ausgetragen wird und daran hat sich in 2000 Jahren nicht viel geändert." Andreas Platthaus

    Geschichte der Karikatur

    Doch Platthaus beschäftigt sich mit weit mehr als nur einem Roten Faden in den etwa 50 Karikaturen in seinem Buch. Über Leonardo Da Vincis groteske Porträt-Köpfe, dem vielfach karikierten Napoleon bis hin zu Loriot und Jean-Jacques Sempé – erklärt Platthaus gar nicht witzig sondern sehr wissenschaftlich, wie der Begriff Karikatur entstand, was man im Lauf der Geschichte darunter verstand und welch zentrale Rolle die Aufklärung spielte. Den Abschluss bildet der weinende Prophet - das Titelblatt der ersten Charlie Hebdo Ausgabe nach dem Attentat. Es geht Platthaus vor allem um Verständnis für die Kunstform Karikatur, denn daran mangele es gerade in Deutschland:

    "Weil man sagt: Ja - warum müssen die denn so provozieren? Weil eine Kunstform, wenn sie ernsthaft betrieben wird in gewisser Weise ausloten muss, was man mit ihr machen muss – und zur Karikatur gehört die Zuspitzung, gehört die Übertreibung, gehört sicherlich in gewisser Weise auch die Polemik, und wenn man nicht die ganze Kunstform verdammen will, dann muss man ihr das zugestehen."

    „Das geht ins Auge – Geschichten der Karikatur“ von Andreas Platthaus ist in der Anderen Bibliothek erschienen und kostet 42 Euro.