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"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara

In den USA schlug das Buch ein wie eine Bombe. Kritiker und Leser verschlangen den 1.000 Seiten Roman in wenigen Tagen und erzählten, wie sehr sie bei der Lektüre geweint hätten. Jetzt ist "Ein wenig Leben" auf Deutsch erschienen. Roana Brogsitter

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Der Roman kreist um vier Freunde, die sich im College kennen gelernt haben: Jude, William, Malcom und JB akzeptieren einander rückhaltlos, sind uneingeschränkt füreinander da. Die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe ist in ihrem Fall fließend. Alle vier stehen am Anfang von Bilderbuch-Karrieren. William wird ein gefeierter Schauspieler, Malcom ein renommierter Architekt, JB ein gefeierter Künstler und Jude ein brillanter Anwalt. Besonders letzterer ist so liebenswürdig, so emphatisch, schön und klug, dass ihm die Herzen seiner Mitmenschen zufliegen.

Jude leidet unter unmenschlichen Schmerzattacken. Als Kind hatte er einen Unfall, mehr erzählt er nicht. Auch warum er immer langärmlige Oberteile trägt, weiß keiner. Die Freunde vermuten nur, dass Judes Arme vom Ritzen mit Narben übersät sind. Sie sind genauso ahnungslos wie der Leser. Und genau das treibt einen immer weiter hinein in diese Geschichte.

Die ungeheuren Leiden des Jude

Hanya Yanagihara nähert sich dem endgültigen Wissen in konzentrischen Kreisen an. Am Ende überrollt es den Leser trotzdem. So viel sei verraten: Jude wurde als Baby ausgesetzt, dann missbraucht, gezüchtigt, versklavt und beinahe getötet. Wie Hanya Yanagihara das erzählt, macht es die Lektüre von „Ein wenig Leben“ streckenweise unerträglich.

Die aus Hawaii stammende Autorin ist maßlos in allem: im Schmerz, in der Gewalt, im Leid, aber auch in der Liebe und Wärme. Eine Frau hat hier ein Buch über Männer geschrieben und männlicher Sprachlosigkeit eine Stimme gegeben, hat das Unaussprechliche in Worte gekleidet und in Literatur verwandelt.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben", aus dem Englischen von Stephan Kleiner, 960 Seiten, Hanser Berlin, 28 Euro