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Ein Theaterstück für Weißenburg - Stadtschreiber Clemens Berger | BR24

© BR-Studio Franken/Dirk Kruse

Weißenburgs Stadtschreiber Clemens Berger im Bergwaldtheater in Weißenburg, wo auch sein Stück über Weißenburg aufgeführt werden soll.

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    Ein Theaterstück für Weißenburg - Stadtschreiber Clemens Berger

    Skurrile Begegnungen in der malerischen Altstadt Weißenburgs hatte Clemens Berger schon einige. Der österreichische Autor ist derzeit Stadtschreiber und recherchiert für ein Theaterstück. Es wird 2022 im Bergwaldtheater uraufgeführt.

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    Der Österreicher Clemens Berger hat als zweiter Stadtschreiber von Weißenburg keine leichte Aufgabe. Im Jahr 2017 war sein Landsmann Franzobel der erste Stadtschreiber und schrieb das Theaterstück "Der Lebkuchenmann" über Weißenburg. 2019 wurde es mit großem Erfolg im Bergwaldtheater aufgeführt. Regisseur Georg Schmiedleitner hatte das als Bürgertheater mit wenigen Profis und 150 Laiendarstellern inszeniert. Die halbe Stadt war in die Aufführungen involviert.

    Die Weißenburger gehen auf den Stadtschreiber zu

    Seit Anfang Juni ist jetzt ein neuer Stadtschreiber in Weißenburg. Es ist der 40-jährige Clemens Berger, der sich schon gut eingelebt hat in der Stadt. Der sportliche Autor geht jeden Tag viele Kilometer weit spazieren. Er schiebt dabei einen Kinderwagen, in dem seine elf Monate alte Tochter sitzt. So kommt er leicht mit den Weißenburgern ins Gespräch.

    "Die erste Frage, die man mir immer stellt, ist: 'Wie gefällt es Ihnen in unserer wunderschönen Stadt?' Also die Bestätigung zu bekommen, dass es hier sehr schön ist, ist sehr wichtig. Das ist interessant, weil man ja eigentlich schon sieht, dass es hier schön ist." Clemens Berger, Stadtschreiber

    Definitiv kein Elendsquartier für Autoren

    Die malerische Altstadt gefällt Clemens Berger natürlich sehr. Als Literaturstipendiat hat er schon so einige merkwürdige Unterkünfte bewohnt. Manchmal war es so schlimm, dass er daran gedacht hat, eine Anthologie mit dem Titel "Die Elendsquartiere der Schriftsteller" herauszugeben. Aber in Weißenburg fühlt er sehr wohl.

    "Wir sind wunderschön untergebracht mitten in Weißenburg über dem Museumscafé und der Buchhandlung Meyer mit einer tollen kleinen Dachterrasse. Ich bin hier wirklich wie im Urlaub. Und der Blick ist phantastisch. Man sieht direkt auf den Turm der St. Andreaskirche und auf die Dächer ringsum." Clemens Berger, Stadtschreiber

    Als der Wiener Clemens Berger den Anruf erhielt, ob er nicht im Sommer Stadtschreiber in Weißenburg werden wolle, musste er erst mal googeln, wo die Stadt überhaupt liegt. Dann bekam er aber schnell Lust hierherzukommen. Dabei unterscheidet sich das Leben in der fränkischen Kleinstadt kaum vom Leben in der Kleinstadt im Burgenland, in der er aufgewachsen ist, findet er. Die Strukturen seien ähnlich. Die Menschen, die glauben über die Geschicke der Stadt mitzuentscheiden, treffen sich abends an einem Ort. Die jungen Menschen treffen sich an einem anderen Ort. Und die wenigen sichtbaren Alkoholiker treffen sich hinter der Kirche. Mit denen redet Clemens Berger gern und oft.

    Stadtstreicher statt Stadtschreiber

    Im Moment fühlt sich Clemens Berger weniger als Stadtschreiber denn als Stadtstreicher. Geschrieben hat er an dem Theaterstück für das Bergwaldtheater bislang kaum. Er streift lieber durch die Stadt und die Gegend und saugt erstmal die Eindrücke auf. Und das muss er auch tun, meint Buchhändler Mathias Meyer, der die Idee hatte Stadtschreiber nach Weißenburg zu holen.

    "Du musst ja eine längere Zeit irgendwo sein, um auch zu spüren, was abgeht und wie es abgeht. Was sind die Geschichten? Was passiert? Ein Künstler von außen hält dir mit Sicherheit auch ein bisschen den Spiegel vor. Und wir sind sehr, sehr gespannt, was er sich ausdenkt, der gute Clemens." Mathias Meyer, Buchhändler

    © BR-Studio Franken/Dirk Kruse

    Seit Anfang Juni der neue Stadtschreiber von Weißenburg: der 40-jährige Österreicher Clemens Berger

    Bitte nur eine Person in die Folterkammer

    Eine Idee hat Clemens Berger schon. jetzt streift er durch die Gegend, um zu schauen, wie sich die Idee in Weißenburg umsetzen lässt. Das Stück soll auch humorvoll werden. Auf der Suche nach Kuriosem ist ihm etwa aufgefallen wie viele Eiscafés und Pizzalieferdienste es in Weißenburg gibt. Und kürzlich auf einer Radltour nach Pappenheim, machte er auf der Burg dort eine besonders skurrile Entdeckung.

    "Ich musste sehr laut lachen, weil auf einem Schild stand: ‚Achtung! Aufgrund der Coronamaßnahmen darf sich in der Folterkammer maximal eine Person aufhalten. Vielen Dank für ihr Verständnis.‘ Ich dachte, das gibt es ja nicht. So etwas Witziges kann man gar nicht erfinden. Ich habe es fotografiert und auf Facebook veröffentlicht. Also das war der größte Socialmedia-Erfolg meines Lebens. Danke Pappenheim.“ Clemens Berger, Stadtschreiber

    Viele Rollen braucht das Stück

    Ob dieses kleine Fundstück mit in sein Theaterstück einfließen wird, weiß Berger noch nicht. Fest steht aber, dass Regisseur Georg Schmiedleiter es wieder auf die Bühne des Bergwaldtheaters bringen wird. Im Sommer 2022 wird das sein und abermals mit großer Bürgerbeteiligung. Deshalb muss das Stück von Clemens Berger viele Rollen haben.

    "Ich finde das eine sehr erfrischende Form, um Literatur unter die Leute zu bringen. Ich finde das super. Der Autor ist sozusagen immer anwesend und greifbar als ein artist in residence. Die Leute kennen ihn bereits. Man trifft ihn im Café. Man kann quatschen mit ihm. Man kann ihn angreifen. Also ein Autor zum Begegnen.“Georg Schmiedleitner, Regisseur